Bauunternehmen: „Komplette Verantwortung übergeben“

Wie gelingen Familienübernahmen von Unternehmen, wenn es darum geht, dass sämtliche neun Kinder des Firmengründers und sieben
von 19 Enkelkindern in das Unternehmen eingebunden sind? Michael Knobel hat Antworten gefunden und den schrittweisen Übergang gewählt.
Er führt die Geschäfte der Knobel Bau-Gruppe aus Hartheim in der dritten Generation, dieses Jahr wird das Unternehmen 70 Jahre alt.

netzwerk südbaden: Sie haben jahrelang am Thema des Generationenwechsels in Ihrem Unternehmen gearbeitet – was mussten Sie beachten, damit eine Lösung gefunden wurde?
Michael Knobel: An unserem Projekt „Übergabe an die dritte Generation“ in der Knobel Bau-Gruppe haben wir tatsächlich über fünf Jahre aktiv gearbeitet. Nicht zu vernachlässigen sind allerdings auch die drei Jahrzehnte vor der eigentlichen Übergabe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Vater und der Großvater als Gründer haben immer darauf geachtet, dass die potenziellen Nachfolger ausreichend Möglichkeiten haben, Sozial-, Methoden- und Fachkompetenzen zu erwerben und auszubauen. Wichtig war für uns, dass die Unternehmensführung in der zweiten Generation noch in vollem Gange war, als die Übergabe innerhalb der Familie beschlossen wurde. Die Entscheidung und der Prozess wurde somit in vollem Umfang von aktiven und erfahrenen Führungskräften begleitet. Damit hatte wir also keinen Druck – der Renteneintritt der Übergebenden war absehbar, stand jedoch nicht unmittelbar bevor.

netzwerk südbaden: Und wie sah diese Lösung letztlich aus, damit die Übergabe geglückt ist?
Knobel: Wir haben uns dafür entschieden, die Bereiche nach und nach zu übergeben, so dass ein Miteinander der zweiten und dritten Familiengeneration Hand in Hand erfolgt. Wichtig war jedoch, dass mit Übergabe einzelner Geschäftsbereiche beziehungsweise des Unternehmens auch die komplette Verantwortung und Entscheidungsbefugnis übergeben wurden. Da die bisherige Geschäftsleitung weiterhin in den noch nicht übergebenen Bereichen tätig war, konnten wir ständig – und auch noch heute – auf die Erfahrung und Kompetenzen zurück greifen. Und die Senioren konnten sich an das Gefühl des „Loslassens“ gewöhnen.

netzwerk südbaden: Was würden Sie bei der Weitergabe an die vierte Generation gern anders machen?
Knobel: Ich glaube, wir haben nicht wirklich viel verkehrt gemacht. Das Einbeziehen aller Beteiligten, also Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden oder Geldinstitute sind wichtige Aspekte für das Gelingen. Unsere „Stakeholder“ hatten genügend Zeit, die neue Generation kennen zu lernen, sich mit den künftig Handelnden auseinanderzusetzen und deren Ideen zu verstehen. Meiner Meinung nach gibt es nur eine einzige Aufgabe für den Unternehmer: Sein Unternehmen so vorzubereiten, um es mit einem guten Gefühl den Nachfolgern zu übergeben.

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