Industrie: Hummel zeigt, wie es geht

Von der GmbH zur AG – wie ein Unternehmen mehrgenerationenfähig wird.

Fragt man Holger Hummel (37), Vorstandsvorsitzender der Hummel AG in Denzlingen, ob es immer schon sein Ziel war, das Unternehmen seiner Familie in dritter Genration zu führen, lautet die Antwort so: „Meine Eltern haben mir meine Berufswahl offen gelassen. Mein Kontakt zur Firma bestand zunächst nur aus Ferienjobs. So richtig vorstellen konnte ich mir die Leitung lange nicht“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch das änderte sich. Holger Hummel studierte an der einstigen Berufsakademie Villingen-Schwenningen und schloss als Diplom-Betriebswirt ab. Partnerunternehmen seines Studiums war Hechinger-Automotive in Villingen-Schwenningen, wo er auch nach dem Studienabschluss noch eineinhalb Jahre tätig war. Das fremde Unternehmen brachte ihm den heimischen Betrieb näher, sagt er heute. Ein Auslandsaufenthalt in Australien zusammen mit seiner späteren Ehefrau diente ihm als Bedenkzeit: am Ende stand die Entscheidung für den Weg an die Spitze der familieneigenen Hummel AG.

Zunächst begann Holger Hummel, wie er erzählt, „als normaler Mitarbeiter“. In den Bereichen Arbeitsvorbereitung, Kalkulationswesen, Kosten- und Leistungsrechnung und Reporting. Daran schlossen sich erste Verantwortlichkeiten an, für einzelne Produktlinien und danach für die Niederlassung in Indien. Im Rückblick schätzt Holger Hummel die Unterstützung seiner Eltern sehr hoch ein: „Die Erfahrungen, die man dabei mitbekommt, sind unbezahlbar“. Hilfreich für ihn war auch, dass er bei seiner Zeit bei Hechinger-Automotive gerade die Phase eines Generationen-Übergangs miterleben konnte. In Waldkirch und Denzlingen war Holger Hummel der Spross der dritten Generation in der Unternehmerfamilie Hummel, der just zu der Zeit zur Stelle war, als es nach langer außerfamiliärer Geschäftsführung sinnvoll und wichtig erschien, „dass die Familie wieder eine wichtigere Rolle im Unternehmen spielt.“ So erklärt es Holger Hummel auf eine entsprechende Frage.

Anfangs sei es nicht einfach gewesen, seine eigene Rolle zu finden – das habe ihn aber persönlich auch gestärkt, zumal die Übernahme der Unternehmensleitung schon auf lange Sicht geplant gewesen sei und sich immer mehr abgezeichnet habe. Sein Vater Helmut Hummel (74) war bei seinem Firmeneintritt nicht mehr an vorderster Front tätig – die Geschäfte lenkte bis zu seinem 65. Lebensjahr sehr erfolgreich der langjährige Generalbevollmächtigte Fritz Zügel. 2008, schildert Holger Hummel, wurden die bestehenden vier GmbH’s in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, „um sie mehrgenerationenfähig zu machen“. Bei hundert Prozent Aktienbesitz behielt die Eigentümerfamilie weiter ihren Einfluss. Sein Verhältnis zu seinem Vater beschreibt Holger Hummel so: „Echte Konflikte mit ihm sind mir bis heute fremd, wir verstehen uns prima“. Unterschiedliche Ansätze würden mit unterschiedlichen Meinungen diskutiert, aber „er hat mir nie Vorschriften gemacht. Sicherlich auch ein Grundstein, früh Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und deren Konsequenzen zu tragen“. Heute sitzen Vater und Mutter sowie Holger Hummels Schwester Heike im Aufsichtsrat der Hummel Holding, der übergeordneten Dachgesellschaft.

Die Hummel AG stellt unter anderem Kabelverschraubungen für Industrie und Explosionsschutz, Rundsteckverbinder und Kabelkonfektionen für Automation und Antriebstechnik sowie Industriegehäuse und Komplettsysteme inklusive Elektronik und Zubehör her. Komplettsysteme, Temperaturregler, Sonderteile aus Metall und Plastik, Heizungszubehör, Heizungsarmaturen und Pumpengruppen kommen hinzu. Hummel will mit Entwicklung, Konstruktion, Werkzeugbau, Fertigung, Galvanik und Montage unter einem Dach punkten und bescheinigt sich gebündeltes Knowhow, effiziente Prozesse und kurze Wege. Fest verankert in der Organisation ist das ständige Hinterfragen des Kunden-Nutzens, hohe Flexibilität und Fertigungstiefe bei geringen oder hohen Stückzahlen einzelner Produkte, heißt es. Inzwischen werden mehr als 550 Mitarbeiter beschäftigt und der Umsatz liegt bei 66 Millionen Euro.

Begonnen hat die Firmengeschichte in Alt-Simonswald, als Unternehmensgründer Anton Hummel eine nach ihm benannte Metallwarenfabrik aufbaute. Erste Produkte waren Zahlenschlösser, Feuerzeuge, Nudelmaschinen und Türheber. Erste Kabelverschraubungen kamen 1951 hinzu, und es entstanden die ersten Auslandsvertretungen in Belgien, Holland und Skandinavien. 1952 baute Anton Hummel eine Fabrikhalle in Waldkirch und wechselte den Standort. Ein Umsatz von mehr als einer Million Mark wurde im Jahr 1958 erreicht. 1970 brachte Hummel einen Millionen-Seller an den Markt – ein drehbares Entlüftungsventil.

Anton Hummels Sohn Helmut war 1966 in das Unternehmen eingetreten. Einkaufsleiter in dem Familienunternehmen wurde Fritz Zügel – man schrieb das Jahr 1977. Sechs Jahre später übernahm er den Bereich Elektrotechnik. Schon früh erkannte die Hummel AG den Umweltschutz als Zukunftsthema und engagierte sich von 1986 an als eines der ersten Unternehmen im Arbeitskreis Umweltschutz der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein. 1992 wurde der erste Umweltschutzbeauftragte des Unternehmens installiert. Auf 100 000 Quadratmetern entstand in Denzlingen auf der grünen Wiese ein Logistikzentrum, und 1998 übernahm Fritz Zügel als Generalbevollmächtigter die Gesamtleitung der Hummel Gruppe.

Wiederum sechs Jahre später wird ein neues Vertriebs- und Verwaltungsgebäude in Denzlingen bezogen und Hummel erweist sich als nachhaltig denkenderBetrieb: Zwölf Prozent der Belegschaft sind Auszubildende. Mit Holger Hummel steigt 2007 die dritte Generation in das Familienunternehmen ein, aus ihr stammt auch Heike Hummel, die 2008 Marketing-Aufgaben übernimmt. Vorstandsvorsitzender wird Holger Hummel im Jahr 2013. Sein Stellvertreter Ralf Schuler heuert 2014 an. Und 2016 feiert Seniorchef Helmut Hummel sein 50jähriges Dienstjubiläum – Ehrenbürger von Waldkirch war er schon einige Jahre zuvor geworden.
Weltweit existieren 14 selbständige Tochtergesellschaften, sieben in europäischen Ländern, die in Russland dazu gezählt, drei in Asien (China, Indien und Südkorea) und eine in Brasilien. Das chinesische Fertigungswerk, 1999 gegründet, befindet sich in Shanghai. Bei einem Besuch vor Ort im Jahr 2010 erzählte der damalige Generalbevollmächtigte Fritz Zügel, bessere Produktionsbedingungen als in China gebe es weltweit sonst nirgends – die 2008 aus den Vorgängerfirmen entstandene Hummel AG sei mit ihrem Investment und den Bedingungen, die Unternehmen geboten werden, in China bestens klargekommen. Hummel hatte 2010 den Auftritt der Stadt Freiburg auf der Weltausstellung in Shanghai unterstützt und dabei Besuchern aus der südbadischen Heimat das Werk in China präsentiert.

Von Uli Homann