Mit Starthilfe ins Supermarkt-Regal

Die Edeka will mit einem Portal Gründern aus dem Lebensmittel-Umfeld helfen.
Kaufleute und Jung-Unternehmer aus Südbaden begrüßen diese Initiative.

Von Philipp Peters

Am Anfang musste Jan Nelis Klinken putzen. Nelis ist einer von drei Gründern hinter „no-limit“ – einem Superfood zum Trinken. Die süßliche Flüssigkeit soll die Brücke zwischen Smoothie und Energydrink schließen. Dazu musste er den direkten Kontakt zum Supermarkt-Inhaber suchen. Aber wenn das nicht geklappt hätte? Wie bekommt man ein neues Getränk, einen veganen Brotaufstrich oder Chips aus Sellerie überhaupt in den Supermarkt? Die großen Handelsketten lassen sich den Platz im Regal teuer bezahlen. Sie planen oft über Monate im Voraus, welche Produkte wo stehen, wann sie im Angebot sind und wie und ob sie prominent beworben werden. Diese Konditionen werden meist mit der regional zuständigen Zentrale ausgehandelt, bei der Edeka sitzt die in Offenburg. Für Gründer, die nicht mit einem der Herstellerkonzerne verbunden sind, kann es da eng werden.

Der Gegenentwurf aus dem Haus der Edeka heißt Foodstarter. Es ist eine Online-Plattform, auf der sich die Edeka- Kaufleute mit den Gründern vernetzen sollen. Der Zugang ist limitiert. Wer mitreden will, muss sich registrieren. Erst dann dürfen Infos ausgetauscht werden. Das Konzept kommt von ganz oben. Konzernchef Markus Mosa gilt als treibende Kraft hinter der Plattform. Aber klar ist auch: Ohne die Unterstützung seiner Händler wird Foodstarter nie laufen lernen.

Dieter Hieber jedenfalls findet die Idee gut. „Wir probieren gerne etwas aus“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Supermarkt-Kette Hieber aus Binzen, die in der Region ein gutes Dutzend Läden betreibt, mehr als 800 Menschen beschäftigt und ein wenig den Ruf eines primus inter pares hat. Hieber darf Sachen, die ein normaler Edeka-Händler nicht darf. Und seine Lust auf Neues ist in der Szene bekannt. „Etwa einmal die Woche kommen Menschen zu uns, die ein neues Produkt platzieren wollen“, sagt Hieber. So war es auch bei no-limit.

Hieber hat den Superdrink gelistet, also im Sortiment. Er kostet knapp zwei Euro plus Pfand. Das brauseartige Getränk mit roter Farbe wird unter anderem aus Blättern des Moringa-Baumes, Guarana und Granatapfel hergestellt. Neben Jan Nelis gehören auch sein Bruder Hendrik sowie Schul- und Sportfreund Fabian Betzing zum Gründertrio. Alle drei sind erfolgreiche Ruderer. Die Produktion haben die drei Lörracher Gründer ausgelagert – an einen hessischen Getränkekonzern. Lager und Versand übernimmt ein aus der Weinlogistik kommendes Unternehmen vom Kaiserstuhl. In Lörrach entstehen vor allem Produktideen sowie die Vertriebs- und Marketingstrategie.

Die Platzierung bei Hieber hat den Gründern geholfen, aus den Startlöchern zu kommen. Anfang des Jahres hatten sie eine erste Charge produzieren lassen – 30.000 Flaschen. „Die sind jetzt so gut wie ausverkauft“, sagt Nelis. Bald soll die nächste Produktion anlaufen. Dann allerdings in doppelter Menge, mit neuen Sorten und auch unter einem neuen Namen. Wie das Getränk dann heißen wird, verrät Nelis allerdings noch nicht. Er will die Spannung hochhalten.

Spannend ist auch, was aus Foodstarter wird. Edeka Südwest in Offenburg hält sich bedeckt. Die Plattform werde von der Hamburger Zentrale aus betreut. Wie viele Gründer oder Kaufleute aus der Region sich bereits registriert haben, wissen die Offenburger nicht. Auch aus Hamburg gibt es trotz mehrmaliger Nachfrage keine konkreteren Auskünfte zu den Nutzerzahlen.

„Foodstarter erleichtert uns den Zugang zu innovativen Produkten“, sagt Tatjana Stucke- Thürnau vom Lahrer Edeka-Kaufmann Kohler. „Wir haben uns bereits angemeldet und verfolgen regelmäßig das Angebot.“ Auch beim Freiburger Edeka-Händler Barwig kennt man die Plattform – mehr aber nicht. „Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt“, gibt Sven Barwig zu.

Jan Nelis jedenfalls hofft, dass sein Getränk bald die nächste Stufe erreicht. Um in jedem Edeka Deutschlands verkauft zu werden, ist no-limit sicher noch zu klein und vielleicht auch zu speziell. Doch Foodstarter könnte den drei Südbadenern Türen öffnen. Jan Nelis sagt: „Bisher waren wir ganz auf persönliche Kontakte angewiesen.“ Jetzt könnten auch Kaufleute aus Flensburg oder Greifswald Kontakt zu den Lörrachern aufnehmen – und über Foodstarter sogar in die kleine Firma investieren.