Wo kommen all die Helfer her?

Spargel, Erdbeeren, Feldsalat – ohne Hilfskräfte aus Osteuropa geht heute nichts mehr.

Von Philipp Peters

 

Hanspeter Fakler muss passen. „Wir sind da nicht im Spiel.“ Der Sprecher der Freiburger Arbeitsagentur weiß nur: Seine Behörde wird nicht mehr gebraucht, wenn die landwirtschaftlichen Großbetriebe in der Erntezeit Unterstützung brauchen. Der Grund: Durch die Osterweiterung der Europäischen Union vor zehn Jahren benötigt man keine Arbeitserlaubnis für die fleißigen Hände. Erntehelfer aus EUStaaten wie Polen, Rumänien oder Bulgarien können dank der Arbeitnehmerfreizügigkeit bequem über die Grenze kommen und in Deutschland ihr Geld verdienen. Und das ist gut so. Ohne die ausländischen Helfer würden viele Gemüse und Früchte am oder im Boden bleiben. Gerade bei der körperlich harten Spargelernte kommen die Erzeuger nicht umhin, sich Hilfe aus dem Osten zu holen.

Landwirte nutzen ihre guten Beziehungen nach Osteuropa

Und wer in Deutschland arbeitet, für den gelten auch die deutschen Gesetze. „Wer hart arbeitet, soll auch vernünftig bezahlt werden“, sagt Bruno Bohrer vom Bohrerhof in Hartheim-Feldkirch. Der Bohrerhof ist in der Region vor allem für sein originelles Zeltrestaurant und eine große Kürbisausstellung im Herbst bekannt. Aber der inhabergeführte landwirtschaftliche Betrieb dahinter ist zugleich einer der wichtigsten regionalen Erzeuger von Feldsalat, Chicorée, Spargel, Zucchini und – natürlich – Kürbissen. Beim Thema Erntehelfer winkt Bruno Bohrer nur müde ab. „Das ist doch kein Thema mehr“, sagt er.

Die Bohrers arbeiten seit 30 Jahren mit ausländischen Erntehelfern zusammen. Hilfe vom Amt brauchen sie nicht, wenn die Saison ansteht. Man kenne sich aus, habe gute Kontakte, so Bohrer. Wirklich reden will er über das Thema nicht. Er befürchtet, dass es trotz allem Kritik hagelt. Dabei gelten die Bohrers als unverdächtig, wenn es um Arbeitsbedingungen, Löhne oder andere Konditionen geht. Die Bohrers haben einen offenen Hof. Wer den Betrieb besucht, kann quasi bis in die Unterkünfte der Erntehelfer schauen. Bis zu 30 seien es in der Regel, so Bohrer.

Rund 8000 Saisonarbeiter allein in Südbaden

Die Zahl der Saisonarbeiter, die jedes Jahr nach Südbaden kommen, wird auf bis zu 8000 geschätzt. Die meisten kommen für maximal zwei Monate. Bis zu drei Monaten darf eine kurzfristige Beschäftigung dauern – noch. Ab nächstem Jahr sind es dann nur noch zwei Monate oder 50 Arbeitstage. Auch für Erntehelfer gilt der deutsche Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde. Und auch wenn durch den Mindestlohn das Lohnniveau der Helfer gestiegen ist, ist es immer noch einfacher, als deutsche Helfer zu suchen. Vor allem bei der niedrigen Arbeitslosigkeit in Südbaden.

Für die Überwachung ist der Zoll zuständig. Wie die Bauwirtschaft, das Transportgewerbe und die Gastronomie steht auch die Landwirtschaft – und dabei ganz besonders die Beschäftigung von Hilfskräften während der Erntezeit – unter besonderer Beobachtung. Wie oft der Zoll auf den Höfen kontrolliert, wollte dieser auch auf Nachfrage nicht bekannt geben. Auch Fallzahlen nennen die Finanzkontrolleure nicht.

Beim Mindestlohn wird geschummelt – aber nicht nur auf den Höfen

Die Bauern tun gut daran, bei der Abrechnung alles korrekt zu machen. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Unternehmen die Regeln umgehen. Doch das ist in vielen Bereichen so. Letztes Jahr flogen mehrere Erzeuger in Rheinland-Pfalz auf, die an die Discount-Kette Lidl liefern. Bei ihnen wurden teilweise nur zwei oder drei Euro pro Stunde gezahlt. Ein Skandal, der auch den Bauernverband aufbrachte. Er hob auch gleich mahnend den Finger. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an.

Die Hans-Böckler-Stiftung geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass der deutschen Volkswirtschaft jährlich etwa 7,6 Milliarden Euro Schaden entstehen, weil Arbeitgeber beim Mindestlohn schummeln. „Durch die weit verbreiteten Mindestlohn- Umgehungen werden nicht nur die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschädigt, sondern auch die Allgemeinheit“, sagt Toralf Pusch, der an der Studie mitgearbeitet hat. „Endlich die Kontrollen zu verbessern, ist also von höchstem öffentlichen Interesse“, so Pusch weiter.