Die Warnklebebänder, die den notwendigen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen markieren, kommen von Tesa aus Offenburg. Das Auftragsvolumen dieser sogenannten Social Distancing Tapes hat sich seit der Corona-Pandemie um das Dreifache gesteigert. Die Nachfrage an Klebematerial für die Automobilindustrie ist dagegen rückläufig.
VON CHRISTINE WEIS
Das Offenburger Werk mit rund 450 Mitarbeitern ist der weltweit größte Produktionsstandort von Tesa. Hier und am Standort Concagno in Norditalien werden die momentan allgegenwärtigen bunten Bodenmarkierungen produziert. Die Offenburger stellen jährlich insgesamt rund 250 Millionen Quadratmeter Klebeband her. Unter den 2000 Produkten finden sich Tesafilm, Tesakrepp oder Tesa Powerstrips in vielen Haushalten und Schreibtischschubladen. Etwa drei Viertel des Tesa-Sortiments richten sich aber an Industriekunden, vor allem aus den Bereichen Automobil und Elektronik.
In der Krise wird geklebt: Egal, ob im Krankenhaus, beim Bäcker, an der Supermarktkasse oder im Schulhof – schwarzgelbe und rot-weiße Warnklebebänder helfen, die Abstandsregeln einzuhalten. Um die gesteigerte Nachfrage zu bedienen, wurden bei Tesa über die Osterfeiertage kurzfristige Zusatzschichten gefahren. Das Auftragsvolumen hat sich in diesem Bereich auf das Dreifache des Bedarfs in „normalen“ Zeiten gesteigert. Dennoch gibt es keine Engpässe und alle Kunden können bedient werden. Ob der Bedarf weiterhin stabil bleibt, dazu will man bei Tesa keine Prognosen abgeben. In Arztpraxen, Kliniken und Handelsgeschäften sind die entsprechenden Zonen inzwischen allerorten markiert.
Produktion an Warnklebebändern verdreifacht
Auch im Consumer-Bereich verzeichnet Tesa einen höheren Absatz. Denn viele Menschen haben den Lockdown zum Renovieren und Reparieren genutzt. „Hier profitiert Tesa davon, dass die meisten Baumärkte in den vergangenen Wochen geöffnet hatten und sich Heimwerker mit den benötigten Materialien eindecken konnten“, sagt Pressesprecher Gunnar von der Geest.
Eine gegenteilige Entwicklung zeigt sich bei den Produkten für die Automobilindustrie. „Aufgrund des Nachfragerückgangs seitens der Automobilindustrie haben wir uns deshalb entscheiden, ab Ende Mai in ausgewählten Bereichen in Kurzarbeit zu gehen“, sagt Holger Rauth, Leiter des Tesa Werks Offenburg. Dennoch bilanziert er insgesamt positiv: „Das Tesa Werk Offenburg hat die Corona-Krise bisher sehr gut gemeistert. Wir haben vorausschauend und früh Infektionsschutzmaßnahmen ergriffen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Kunden und Lieferanten genießt oberste Priorität. Darüber hinaus haben wir gleich zu Beginn der Pandemie unsere Produktion hochgefahren, um im Fall von Corona-bedingten Störungen in der Lieferkette die weltweiten Tesa-Kunden zuverlässig und pünktlich beliefern zu können. Neben dem Schutz der Gesundheit liegt unser Fokus auf der Arbeitsplatzsicherung.“
Und Tesa zeigt Solidarität in der Krise: Der internationale Klebeband- Experte, der 2019 einen Umsatz von rund 1,379 Milliarden Euro verzeichnete und zum Beiersdorf-Konzern gehört, spendet 100 Kilometer Warnklebebänder an 30 Corona-Kliniken. „Noch vor sechs Wochen hätte ich nicht für möglich gehalten, dass unsere Tesabänder diesen hohen Stellenwert im öffentlichen Leben bekommen würden“, sagte Vorstandsvorsitzender Norman Goldberg in einer Pressemeldung Anfang April. Das Werk in Offenburg hilft zudem auf lokaler Ebene und hat seinen Nachbarn vom Arbeiter-Samariter-Bund Schutzhandschuhe überlassen.