Ulf Tietge ist Journalist, Agenturchef, Verleger, Podcast-Host und seit etwa eineinhalb Jahren Chefredakteur der IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten. Angetrieben hat ihn stets seine Lust, Neues auszuprobieren – auch auf die Gefahr hin, scheitern zu können.
„Bei meiner Arbeit begleiten mich eine ganze Reihe von Aussprüchen. Mal ist es der Satz ,Und immer an den Leser denken‘ des ehemaligen Focus-Chefredakteurs Helmut Markwort, mal ist es das Henry Ford zugeschriebene Bonmot: ,Auch wenn du den Dollar für 99 Cent verkaufen willst, du musst es den Menschen sagen‘. Das erzähle ich immer wieder unseren Kundinnen und Kunden, und das berücksichtige ich auch selbst, wenn ich einen Artikel schreibe: Es geht nicht darum, was du sagst, sondern was beim Kunden, dem Leser oder dem User ankommt.
Vor etwa fünf Jahren hat ein Satz von Peter Aukthun-Gömer, dem Gründer des American Football Clubs Offenburg Miners, mein Leben verändert: Er wollte mich als Sponsor anwerben. Damals habe ich geantwortet, ich würde lieber eine Geschichte über die Miners schreiben und dafür einmal mittrainieren. Daraufhin hat er gesagt: ,Probier’ es aus.‘ Das habe ich getan, und es hat dazu geführt, dass ich American Football für mich entdeckt habe, nachdem ich viele Jahre gar keinen Sport gemacht habe. In meiner Jugend habe ich Tennis gespielt und war im Fußballverein, saß aber eher auf der Bank. Inzwischen habe ich 25 Kilogramm abgenommen und neue Energie gefunden, die mir auch für mein Unternehmen Kraft gibt. Außerdem nehme ich aus dem Sport viel für meine Arbeit mit. Zum Beispiel, dass es für jeden Typen eine Position in einer guten Mannschaft gibt, passend zu den jeweiligen Stärken, und wie wichtig es ist, dass alle füreinander da sind.
Zudem habe ich gemerkt, dass dieses ,Probiere es doch einfach mal aus, komm einfach vorbei‘ zu meinem beruflichen Weg passt. Als ich 1998 den Agenturchef Klaus Kresse kennengelernt habe – damals habe ich bei der Braunschweiger Zeitung gearbeitet und noch studiert – und er mich gefragt hat, ob ich zu ihm kommen und ein Volontariat machen will, habe ich das einfach ausprobiert. Ich bin 500 Kilometer in den Süden gezogen, ohne wirklich etwas von Offenburg zu wissen, und habe hier meine Heimat gefunden. Beruflich wie menschlich.
Auch als ich mich 2009 auf eigene Füße gestellt habe, war ich überzeugt: Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es nicht klappt. Und dann hätte ich mir immer noch eine Anstellung suchen können. Es hat aber funktioniert – und so habe ich in all den Jahren den Mut bewahrt, mich immer wieder auf neue Sachen einzulassen, neue Abenteuer zu suchen und neue Herausforderungen anzunehmen.“
Protokoll: Susanne Maerz
Ulf Tietge ist im niedersächsischen Gifhorn aufgewachsen. Mit 14 Jahren begann er, für die Braunschweiger Zeitung zu arbeiten. Auf der Cebit in Hannover lernte er 1998 den Offenburger Agenturchef Klaus Kresse kennen. Tietge zog nach Offenburg, wo er später mit Kresse zusammen das Wirtschaftsmagazin Econo aufbaute und leitete. 2009 machte er sich mit der Tietge GmbH selbstständig. Die Agentur für Contentmarketing beschäftigt heute 40 Mitarbeitende. Der 50-Jährige ist zudem Herausgeber der Zeitschrift Heimat, mehrerer Kochbücher, Host des Podcasts „Tisch für Drei“ und Chefredakteur der IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten. In seiner Freizeit spielt er bei den Offenburg Miners in der Landesliga American Football.