Das Freiburger Architekturbüro Sacker hat seit dem Wettbewerbsgewinn der Freiburger Messe 1997 zahlreiche Großprojekte in der Region und darüber hinaus gestaltet. Zu Beginn des Jahres hat Detlef Sacker das Büro an Christopher Höfler übergeben. Ein Gespräch über einen intensiven Prozess, das gemeinsame Architekturverständnis – und mit welcher Vision es weiter geht.
INTERVIEW: RUDI RASCHKE
Herr Sacker, wie haben Sie sich den Übergabeprozess vorgestellt?
Sacker: Die Arbeit als Architekt macht mir unglaublich Spaß, aber ich bin ein vielseitig interessierter Mensch. Und deswegen war es schon immer meine Vision mit Anfang 60 aufzuhören, um Zeit für andere Dinge zu haben. Mir war klar, dass der Prozess viel Zeit beansprucht. Bereits mit 49 Jahren habe ich mir Gedanken gemacht, wie meine Nachfolge aussehen könnte. Es gab früh erste Nachfolgeüberlegungen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert haben. Vor zehn Jahren hat sich Christopher Höfler auf eine eigentlich ganz anders gemeinte Stelle beworben – als Assistenz der Geschäftsleitung. Ich habe schon an der Bewerbung gemerkt, dass er ein Kandidat sein könnte.
Herr Höfler, wie war das aus Ihrer Sicht?
Höfler: Ich habe die Anzeige lustigerweise ganz anders interpretiert, nämlich, dass sich dahinter möglicherweise eine Nachfolgersuche verbirgt. Mir war immer klar, dass ich als selbstständiger Architekt arbeiten möchte. Nach zehn Jahren in führender Position in einem großen Schweizer Architekturbüro wollten meine Familie und ich aus persönlichen Gründen zurück nach Deutschland. Mein Ziel war es, Partner in einem führenden Architekturbüro mit hohem Anspruch zu werden.
Wie merkt man beim Neueinstieg in ein Büro, dass die Nachfolgeidee kein Lippenbekenntnis ist und tatsächlich Verantwortung abgegeben wird?
Höfler: Ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass die Absicht, Verantwortung abzugeben auch ernst gemeint ist. Das Ganze funktioniert nur, wenn die persönliche Ebene stimmt, und das merkt man eigentlich in den ersten Momenten einer Begegnung. Beeindruckend war für mich auch, wie ich damals von Detlef Sacker als Nicht-Freiburger in den Kreisen hier vorgestellt wurde.

Die konkrete Übergabe, wie sah die aus? Waren Sie eine Zeitlang als Doppelspitze bei Terminen? Ihr Wechsel war ja nicht schlagartig auf einen Tag X zugeschnitten.
Sacker: In den vergangenen Jahren habe ich gesehen, wie Christopher Höfler mehr und mehr Aufgaben übernommen hat und daran gewachsen ist. Meine Rolle war eher beobachtend. In den vergangenen zwei Jahren übernahm ich keine neuen Projekte mehr. Neue Bauherren oder Mitarbeiter vermissen mich eher weniger, weil Christopher Höfler ihr Ansprechpartner war.
Höfler: Es gab keinen harten Cut, sondern eine Transformation über mehrere Jahre hinweg. Auch ich gebe wieder Verantwortung ab und unser Büro ist reifer geworden. Mit dem Jahreswechsel haben Kristina Neuhaus, Kai Lange, Marcus Ehrhardt und Rüdiger Wobst als langjährige Mitarbeitende eine Prokura bekommen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Was kann generell bei der Übergabe eines großen Architekturbüros schiefgehen?
Sacker: Bei vielen gibt es Zerwürfnisse wegen finanzieller Fragen, denn es geht schon um viel Geld. Wir haben über diese Fragen immer offen gesprochen. Es war nicht mein Ziel, das Maximale herauszuholen, sondern dass das Büro weiter existieren kann. An einem Abend haben wir uns über alle vertraglichen Fragen geeinigt. Anschließend konnten wir das bei einem Glas Wein besiegeln.
Höfler: Mir ging es in der Frage der Finanzen genauso, es sollte sich immer um die Sache drehen und nicht um uns selbst. Immerhin geht es auch um 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wie geht es für Sie weiter, Herr Sacker? Kommen Sie noch regelmäßig ins Büro, haben Sie eine Funktion als eine Art Aufsichtsrat, als Elder Statesman oder machen sie den klaren Schnitt?
Sacker: Vor fünf Jahren haben wir unser freiberufliches Architekturbüro in eine GmbH überführt. Damals haben wir schon geplant, dass es nach meinem Ausscheiden einen Beirat geben soll, in dem ich den Vorsitz übernehmen werde. Mit weiteren Beiräten werde ich der Geschäftsführung beratend zur Seite stehen. Aber sicher werde ich nicht mehr täglich ins Büro kommen, sonst müsste ich ja nicht aufhören. Ich freue mich, dass es mit dem Büro weitergeht. Wer Kinder großzieht, will doch auch nicht den Kontakt zu ihnen verlieren, sobald sie erwachsen sind.
Wenn wir zurückblicken, war der Bau der Freiburger Neue Messe einst die Initialzündung für Ihr heutiges Büro. Was ist seither geschehen, Herr Sacker?
Sacker: Wir hatten 25 Monate Zeit zum Planen und Bauen. Heute würden wir das vermutlich für unmöglich halten. Anfang 2000 fand die erste Messe statt, den Auftrag bekamen wir Anfang 1998. Damals war ich praktisch ein Ein-Mann-Büro, hatte aber mit der Sparkasse und der Skulpturenhalle Phleps noch zwei weitere Aufträge bekommen. Wir mussten sofort Leute einstellen, innerhalb von einigen Wochen waren wir 12 Mitarbeiter.
Wenn Sie das Büro heute sehen, mag man sich diese Improvisation kaum mehr vorstellen. War es klar für Sie, dass es diese Entwicklung nehmen kann?
Sacker: Meine Idee war es immer, eine Aufwärtsspirale zu beschreiben, bei der wir über Top-Leistungen spannendere Projekte bekommen. Und damit auch angemessene Gehälter für gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen können. Die wiederum hervorragende Arbeit leisten.
Höfler: Wir wissen natürlich, dass eine solche Leistung in unserer Branche nicht so einfach messbar ist. Wir beginnen mit einem weißen Papier. Und dann besteht unsere Arbeit darin, funktionale und ästhetische Architektur zu gestalten. Beispiele aus der Region hierfür sind die Staudinger Schule in Freiburg oder Testo in Titisee-Neustadt.
In welcher Größenordnung sehen Sie die von Ihnen geführten Sacker Architekten in Zukunft, welche Handschrift ist zu erwarten?
Höfler: Wir wollen unser Büro im Team weiterentwickeln, weil gute Architektur nicht im stillen Kämmerchen entsteht. Die Aufgaben wachsen, wir spielen durchaus bei Wettbewerben mit, wo wir erfolgreich gegen bekannte internationale Architekten antreten. Es ist reizvoll, sich immer wieder zu beweisen in der nächsthöheren Klasse. Große Projekte wie die Staudinger-Schule oder andere mit Kosten über 100 Millionen Euro gewinnt man nur, wenn man sich gegen Vertreter durchsetzt, die quasi in der Ersten Liga der Architektur oder der Champions League spielen. Und ich möchte gerne den Wohnungsbau wieder ein wenig vorantreiben.
Sie arbeiten aktuell vermehrt für Industrie-Unternehmen.
Höfler: Ja. Für Endress+Hauser haben wir gerade einen Masterplan gestaltet, der die Frage nach langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten am bestehenden Standort Maulburg zu beantworten versucht. Und wie man baulich darauf reagieren kann. Der Bereich, Firmen mit Masterplänen zu beraten, wird wachsen. Das reicht vom Gesamtareal bis zu Fertigungsorten, die wir optimieren helfen können. Auch die nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten ist für uns ein Thema.