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  • Gesundheitswirtschaft 05/2020
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Atmos: Medizintechnik für den Virenkampf

  • 24. Mai 2020
Atmos Medizintechnik in Lenzkirch
Fotos: Alexander Dietrich
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Während bei den meisten Unternehmen aktuell die Produktion heruntergefahren oder gestoppt wird, stehen beim Medizintechniker Atmos in Lenzkirch im Schwarzwald die Bänder kaum still. Im Kampf gegen das Corona-Virus sind Ihre Produkte überlebenswichtig.

VON ANNA-LENA GRÖNER

„Wir waren eines der ersten Unternehmen, das vom Bundesgesundheitsministerium eine Bescheinigung hatte, dass wir als systemrelevant gelten“, sagt Maik Greiser, Geschäftsführer der Atmos Medizintechnik GmbH & Co. KG in Lenzkirch. Das Unternehmen stellt unter anderem medizinische Absaug- und Drainagesysteme her, die in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeheimen zum Einsatz kommen.

Im Kampf gegen das Corona-Virus sind sie wichtiger denn je. „Man könnte es so sehen: Mediziner und medizinisches Personal weltweit sind die Armee, die uns gegen das COVID-19 Virus schützt. Wir sind vom Prinzip in der zweiten Reihe“, sagt Greiser. „Das bedeutet, wir liefern die Ausrüstung, damit die Armee erfolgreich kämpfen kann. Wenn wir keinen Nachschub liefern können, sind auch die Truppen an der Front machtlos.“ Um reibungslos Nachschub fertigen zu können, ist die Bescheinigung der Systemrelevanz für Atmos unentbehrlich.

Viele Zulieferer des Unternehmens machen ihren Hauptumsatz beispielsweise mit Automotive. „Wir sind in der Zuliefererkette, wenn man bei einem A-B-C-Lieferantenmanagement ist, immer auf einer D-Position“, sagt Greiser. Bedingt durch dieses Schreiben werde man heute bevorzugt behandelt, „was wir absolut begrüßen und wofür wir höchst dankbar sind.“

Der 43-Jährige leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Frank. Atmos Medizintechnik blickt auf eine 132-jährige Geschichte zurück, seit 21 Jahren ist das Unternehmen in Besitz der Familie Greiser. Mit aktuell 300 Mitarbeitern weltweit, vier Produktionsstandorten und Dependancen in über zehn Ländern werden etwa 130 Länder beliefert. Der stärkste Markt im Einzelabsatz ist Deutschland und darauf legt man bei Atmos großen Wert: made and used in Germany (hergestellt und verwendet in Deutschland).

Atmos Medizintechnik im Schwarzwald
Sie haben das Unternehmen weiter voran gebracht: Maik und Frank (links) Greiser leiten das Unternehmen in zweiter Generation.

Patente sind in der Medizintechnik unverzichtbar

27 Patente hält Atmos Medizintechnik. Sie sind für das Unternehmen wirtschaftlich unverzichtbar. Vom Start der Entwicklung bis zur Marktreife dauert es im Schnitt zwei bis drei Jahre für ein technisches Neuprodukt. Man stecke dementsprechend viel Grundlagenforschung rein, aber auch viel Zeit durch die regulatorischen Anforderungen. „Wenn wir also eine Idee haben, müssen wir diese schützen, da uns ein Neuprodukt in der Entwicklung viel Geld kostet“, sagt Maik Greiser. Es läuft gut bei Atmos.

Im vergangenen Geschäftsjahr machte das Medizintechnikunternehmen mit 36 Millionen Euro einen Rekordumsatz. Normalerweise ist der stärkste Zielmarkt die HNO-Branche. Hier sorgt das Lenzkircher Unternehmen mit den passenden Gerätschaften und praktischem Medizintechnik-Mobiliar für den richtigen Workflow. Vor zwei Monaten kam schließlich die Auftragsverdopplung für die medizinischen Absaugsysteme. Seither ist der Arbeitsalltag in Lenzkirch für die insgesamt 209 Mitarbeiter vor Ort ein anderer: Von einem Ein-Schicht- Betrieb wurde auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt.

Zum einen aus Produktionssicherheit, damit man bei einem Corona-Fall zumindest auf halber Kraft mit einer Schicht weiter produzieren werden kann, zum anderen, um der hohen Nachfrage nachzukommen. Der Geschäftsführer betont, wie dankbar er seinen Mitarbeitern für deren Flexibilität und Engagement ist, schließlich habe man alle Maßnahmen gemeinsam beschlossen. Selbst Mitarbeiter aus dem internationalen Vertrieb hätten angeboten, ihren Anzug gegen den Blaumann zu tauschen.

Alles auf Sicherheit

Um die eigene Sicherheit im Haus zu gewähren, wurden weitere Maßnahmen ergriffen. „Bei uns gibt es normalerweise viel Interaktion, eine gemeinsame Mittagspause. Jetzt haben wir das Unternehmen streng in seine Bereiche unterteilt und es darf nichts mehr im direkten, persönlichen Kontakt stattfinden.“ Trotzdem klappt die gemeinsame Arbeit einwandfrei. Der Beweis: als hätte man in Lenzkirch gerade nicht schon genug zu tun, wurde in null Komma nichts noch eine neue Produktlinie entwickelt, die „Atmos Protection Line“, Schutzschilder für die „Armee“ im Kampf gegen das Virus, um in der Abwehr-Metapher zu bleiben.

Mit den drei Produkten – hochtransparenter Gesichtsschutz sowie Schilder für Mikroskope und Endoskope – möchte man Ärzte, medizinisches Fachpersonal und alle, die im direkten Kontakt mit anderen stehen vor Viren und Bakterien schützen. Die Nachfrage nach solchen Schutzschildern kam von der eigenen Kundschaft aus dem HNOBereich. Atmos hat schnell reagiert, im Homeoffice und bei unzähligen Videokonferenzen wurde am perfekten Ergebnis gearbeitet. „Das Schwierigste war, einen Zulieferer für das Material des Schildes zu finden.

Wir hatten viele Prototypen und auch eine Erstlieferung über mehrere tausend Schilder, die wir dann gestoppt haben, weil es nicht die Qualität war, für die wir stehen.“ Doch nach nur zwei Monaten Tüftelei und regem Austausch mit den Anwendern konnte die finale „Protection Line“ Anfang Mai ausgeliefert werden. Sie geht in die ganze Welt, die Nachfrage sei riesig. Kostenpunkt: etwa 275 Euro für den Kopfträger samt 100 Schildern (ein Schild sollte einmal am Tag gewechselt werden). Greiser betont, dass man sich in der Krise auf keinen Fall persönlich bereichern wolle.

Bei allen Produkten sei man mit den Preisen konstant geblieben. „Wir haben, der Situation geschuldet, nicht einen Cent irgendwo aufgeschlagen.“ Bei der Prognose, ob es für Atmos erneut ein Rekordjahr werden könnte, bleibt Maik Greiser daher vorsichtig. Es sei unter anderem davon abhängig, wie die geplanten Investitionen im medizinischen Bereich, die oftmals staatliche Gelder umfassen, tatsächlich realisiert werden. „Wir schauen hier aktuell etwas in eine Glaskugel. Ich könnte eine genauso qualifizierte Aussage treffen, wenn Sie mich fragen würden, wie lange es noch mit dem Corona-Virus dauert.“

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