Der Meteorologe Andreas Matzarakis vom Deutschen Wetterdienst beschäftigt sich in seinem Freiburger Büro unter anderem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus. Für den Schnee im Schwarzwald hat er keine guten Vorhersagen.
INTERVIEW: DANIEL RUDA
Herr Matzarakis, der Skitourismus im Schwarzwald hat in dieser schneearmen Saison zu kämpfen. Wie werden die Winter in Zukunft aussehen?
Es wird definitiv weniger Schnee fallen. Das kann man jetzt bereits sagen, auch wenn man bei solchen Aussagen, die die Zukunft betreffen, immer vorsichtig sein muss. Prognosen, die man erstellt, sind in der Realität ja von allerlei Rahmenbedingungen abhängig, die sich ändern können. Simulationen haben aber ergeben, dass die Schneesicherheit in Mittelgebirgsregionen wie dem Schwarzwald bis 2050 um 40 Prozent abnehmen wird.
Der Klimawandel bedroht auch den Wintersport.
Richtig, der anthropogene Klimawandel, also der menschengemachte, führt durch seine Emissionen von CO2 und anderen Gasen in der Atmosphäre zur Klimaveränderung. Die Auswirkungen sind ja heute schon klar zu sehen, auch die sogenannten Klimaleugner haben da keine Argumente mehr. Es wird wärmer, das hat auch im Winter viele negative Folgen.
Dabei ist Schnee für die Natur etwas sehr Positives, er ist ein zeitverzögerter Wasserlieferant und wenn er liegen bleibt, ist er selbst eine Oberfläche, die den Untergrund schützt. Er wird aber leider immer weniger liegen bleiben in Zukunft. Die sogenannte 100-Tage-Regel wurde ja in den vergangenen Jahren am Feldberg schon des Öfteren nicht eingehalten.
Sie meinen die Faustformel, wonach es 100 Tage mit genug Schnee zum Skifahren für eine gelungene Wintersaison für den Tourismus braucht.
Genau. Und diese Marke zu erreichen, wird vor allem für Mittelgebirge, wie es der Schwarzwald eines ist, immer schwieriger. Vor allem in den letzten 30 Jahren hat die Anzahl der Schneetage stark geschwankt. In den Sechziger und Siebziger Jahren waren es regelmäßig an die 150 Tage oder deutlich mehr, da hatte es im November schon genug Schnee.

Die 100 Tage-Marke ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder erreicht worden. Stützt sich die Tourismusbranche noch zu sehr darauf?
Die guten Zeiten sind Vergangenheit. Das ist für die Branche keine Neuigkeit, die Diskussionen um den Klimawandel und Tourismus sind schon 25 Jahre alt. 2003 gab es zum Beispiel die erste Internationale Konferenz zum Thema Klimawandel und Tourismus. Und heute ist das Thema ja aktueller denn je. Man muss es inzwischen wohl eher auf eine 80-Tage-Regel runterschrauben. Viel wird dann mit künstlicher Beschneiung aufgefangen, das sehen wir ja in unserer Region.
Was halten Sie als Meteorologe von den Schneekanonen?
Generell sollte das kritisch angesehen werden, wenn man auf die energetische Seite und den Wasseraspekt schaut. Der Verbrauch ist einfach sehr groß und den Gedanken von Nachhaltigkeit sehe ich nicht.
Sie haben an einem vom Bund geförderten Forschungsprojekt der Universitäten Lüneburg und Freiburg mitgearbeitet, das einen Tourismus-Klimafahrplan für Tourismusdestinationen erstellt hat. Was raten Sie den Tourismusakteuren im Schwarzwald, bezogen auf die Winterzeit?
Vernetzen Sie sich mit anderen Regionen, bieten Sie was an, was nicht zu stark auf den Schnee setzt. Angebote kombinieren. Für die Gäste Alternativen schaffen, wenn nicht genug Schnee vorhanden ist. Den Gesundheitstourismus und Wandertourismus auch im Winter stärken, diese beiden Säulen bringen ohnehin mehr Einnahmen. Die Produkte sollten Nachhaltigkeit und Klimaschutzgedanken in sich tragen, da gibt es ja auch ein Umdenken in der Bevölkerung.
Und was den Skitourismus angeht?
Da ist es tatsächlich schwierig, weil die reinen Skifahrer auf lange Sicht wahrscheinlich in andere, höher gelegene Regionen wechseln werden, wo sie das bekommen, was sie möchten: viel Schnee.
Andreas Matzarakis
leitet seit 2015 das Zentrum für Medizinisch-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. Er leitete 18 Jahre lang die Kommission für Klima, Tourismus und Erholung der internationalen Gesellschaft für Biometeorologie. Der 59-Jährige ist außerplanmäßiger Professor an der Uni Freiburg.