Seit vier Jahrzehnten holt Baloise Session internationale Musikstars nach Basel. Zum runden Geburtstag engagierte die Festivalchefin Beatrice Stirnimann die britische Band Duran Duran, die schon lange auf ihrer Wunschliste stand. Der Termin für die Ausgabe 2026 steht bereits fest.
Text: Christine Weis • Fotos: Dominik Pluess
Für Beatrice Stirnimann geht mit dem Auftritt von Duran Duran ein Traum in Erfüllung, erzählt sie bei der Begrüßung Ende Oktober in der Eventhalle der Messe Basel. Seit 25 Jahren habe sie sich um die britischen Popikonen mit ihrem Frontmann Simon Le Bon bemüht. Dieses Mal hat es endlich geklappt. Das lag wohl daran, dass sie eigens mit einem Koffer voller Schweizer Schokolade beim New Yorker Management vorstellig war, scherzt sie. Die Band passt auch historisch zur 40. Ausgabe. Denn Duran Duran, 1978 in Birmingham gegründet, hatten 1982 mit dem Album „Rio“ ihren Durchbruch, sind also etwa so lange im Geschäft, wie die Baloise Session existiert. Ein Match, das nach Glamour und verlässlich gefüllten Hallen klingt. So sind dann die beiden Gigs an aufeinanderfolgenden Tagen ausverkauft, Tickets kosteten 170, 200 und 220 Schweizer Franken je nach Kategorie.
Die Baloise Session hat sich im Laufe der Jahre zu einem renommierten Indoor-Musikfestival mit internationalen Musikgrößen entwickelt und Basel auf der Festivalkarte etabliert. Es begann 1986 unter dem Namen Rheinknie Session, der Fokus lag damals auf Blues, Jazz und Gospel. 1995 öffnete man sich weiteren Genres wie Rock, Soul oder Funk. Seit 2013 trägt das Festival den Namen Baloise, benannt nach dem Schweizer Versicherungskonzern, dem Hauptsponsor. Nachdem der Auftritt im Jahr 2000 von James Brown ein großer Erfolg für die Konzertreihe war, erreicht das Festival ein Jahr später mit Chris de Burgh auf der Bühne das nächste Level. Die Line-ups der vergangenen Jahre lesen sich wie das Who’s who der Bandlegenden: James Brown, Paolo Conte, Deep Purple, Elton John, Herbie Hancock, Katie Melua, Cyndi Lauper, Iggy Pop, Bryan Ferry, Dave Gahan, Deep Purple oder The Beach Boys.
Das Konzept soll an die New Yorker Musikclubs erinnern. Intimes Clubambiente mit Stühlen um runde Tische mit Kerzenlicht, freie Sicht auf die Bühne, perfekte Akustik und kein Servicepersonal, das den Musikgenuss stören könnte. Getränke und Snacks holt man sich selbst im Foyer. Die Session richtet sich gezielt auch an Geschäftsleute: In der VIP-Zone gibt es ein Stehdinner, gepflegtes Networking mit Soundtrack, Desserts in den Pausen zwischen Vor- und Hauptband sowie Getränke im Konzertsaal.


Fest der Emotionen
Man muss allerdings nicht an den Tischen sitzen bleiben: Für Tanzfreudige gibt es einen Bereich direkt vor der Bühne. Bei Duran Duran wird dieser nach dem ersten Song „Velvet Newton“ freigegeben – und sofort schiebt sich ein Fanschwarm nach vorne. Simon Le Bon (Gesang), Roger Taylor (Schlagzeug), John Taylor (Bass), Dom Brown (Gitarre) und Nick Rhodes (Keyboard) liefern eine professionelle Show. Le Bons Hüftschwung hat Patina angesetzt, und es dauerte ein paar Songs, bis der Funke überspringt. Ganz so wild wie früher sind die Künstler eben doch nicht mehr, wer will es ihnen verdenken. Le Bon ist 67, seine Stimme frisch und unverkennbar, während sich die Musik stilistisch über die Jahre immer wieder veränderte – von Synth-Pop und New Wave bis zu Funk-Rock. Die Band verkaufte weltweit über 100 Millionen Tonträger und veröffentlicht regelmäßig neue Alben, teilweise mit Remixes oder Coverversionen, aber auch mit neuem Material, sie leben also nicht nur von der Nostalgie. Das aktuelle Studioalbum „Dance Macabre“ erschien 2023. Die Zeitschrift Musikexpress bezeichnete den düsteren Klangteppich treffend als „Soundtrack für eine Halloween-Party“. Im Laufe des Abends grooven sich Le Bon stärker ein und ziehen auch das Publikum mit. Für die emotionale Temperatur sorgen Hits wie „Planet Earth“, „Save a Prayer“ und „Notorious“. Allein ihr größter Hit „Wild Boys“ fehlt auf der Setlist.
Den Opener macht Singer-Songwriter JC Stewart mit Band. Der 28-jährige Nordire hat spätestens bei „Break My Heart“ die Zuhörerschaft auf seiner Seite. Mit Seitenscheitel und Trenchcoat am Keyboard oder an der Akustikgitarre überzeugt er mit einer kraftvollen, gefühlvollen Stimme. Nach zehn Songs, die meisten aus seinem Debütalbum „Space Hurts“, ist allerdings schon Schluss. Eine Zugabe ist leider nicht vorgesehen, schade.
Die zehn Baloise-Konzerte vom 17. Oktober bis zum 7. November waren mit insgesamt 15.500 Gästen ausverkauft. Neben Duran Duran wurden die Auftritte von Amy Macdonald, der amerikanischen Rockband Queens of the Stone Age und des deutschen Singer-Songwriters Johannes Oerding als Highlights genannt. Auch die Schweizer Musikszene war mit der Popsängerin Paula Dalla Corte, den Indie-Rockern Moonpools oder der Bieler Band Pegasus vertreten. Zudem gab es Pop-up-Konzerte im Innenhof des Basler Rathauses und im Jugendzentrum Liestal etwa mit der jungen Basler Singer-Songwriterin Zoë Më. Beatrice Stirnimann, die CEO der Baloise Session, ist es ein Anliegen, mit jungen Musikerinnen und Musikern auch entsprechend jungen Publikums anzusprechen. Wie sie in einem Interview mit dem TV-Sender Telebasel sagte, sei die Verjüngung des Festivals ihre Vision. Mit der aktuellen Ausgabe ist sie zufrieden: „Vier Jahrzehnte voller Musik, Leidenschaft und unvergesslicher Momente – die 40. Ausgabe der Baloise Session war ein Fest der Emotionen“, wird sie in einer Pressemeldung zitiert.
Für alle, die sich die Clubabende ins Wohnzimmer holen möchten, gibt es die Konzerte der Baloise-Ausgabe 2025 als Videos bei Arte Concert: www.arte.tv/de/videos/RC-015300/baloise-session
Die nächste Festivalausgabe findet vom 15. Oktober bis zum 5. November 2026 statt.