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Bauprojekt: Arbeiten im Hinter- und Untergrund

  • 5. März 2019
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Beim Projekt Eurosat im Europa Park übernahm das Ingenieurbüro Weiß die Bauüberwachung. Foto: Martin Szwed
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Ein Ingenieurbüro mit langer Tradition. Seit 1933 kümmern sich die Weiß Ingenieure um regionale Bauprojekte. Dabei wurden die Fachgebiete immer weiter ausgebaut. Heute betreuen 58 Mitarbeiter kleine, große und fliegende Projekte.
Von Anna-Lena Gröner
Ihre Arbeit beginnt, bevor die großen Geschütze aufgefahren werden. Bevor Bagger, Kräne und Gerüste das Feld betreten. Bevor es einen konkreten Plan gibt. Denn den machen sie. Das Ingenieurbüro Weiß mit Firmensitz im Industriegebiet Haid ist ein Freiburger Traditionsbüro, das Projekte von der Idee bis zur Bauausführung begleitet und unterstützt. Ohne sie kein Startschuss.
Und der beginnt meistens in der Tiefe. Mit dem eigenen Geotechnischen Labor können Böden, ob als Baugrund oder Baustoff, genau beurteilt werden, um schließlich alles weitere von Grund auf richtig planen zu können. Ohne die Weiß Ingenieure auch kein Zieleinlauf. Was Weiß auszeichnet sind die unterschiedlichen Disziplinen, die man unter einem Dach abdecken kann: Geotechnik, Erd- und Grundbau, Vermessung, Tragwerksplanung, Objektplanung und Fliegende Bauten sind die großen Fachbereiche.
Diese Interdisziplinarität wissen die Kunden zu schätzen, denn Zeit ist Geld und beides haben die Auftraggeber bekanntermaßen fest im Blick. „Wir haben kurze Wege und müssen beispielsweise nicht wochenlang auf ein geotechnisches Gutachten warten“, sagt Tomislav Maras, der seit 2016 im Unternehmen tätig ist und Anfang des Jahres mit drei Kollegen neu in die Geschäftsführung einberufen wurde. Mit ihrem umfassenden Angebot befinden sich die Ingenieure auf Erfolgskurs. Erst im März vergangenen Jahres hat man die eigenen Räumlichkeiten um 260 Quadratmeter auf insgesamt 1100 erweitert. Bezogen wurden die neuen Büros von der Abteilung „Fliegende Bauten“.
Diese hatte jüngst sogar das Ende der Raumfahrt mitbegleitet. Am 5. November 2017 fuhr die Kultachterbahn Eurosat im Europa-Park die letzte Runde. 29 Jahre zogen die Züge bis dahin in dem für den Park charakteristischen Kuppelbau in völliger Dunkelheit ihre Kurven. Das Ende der All-Achterbahn war gleichzeitig der Beginn für das bisher anspruchsvollste Projekt für den Freizeitpark, aber auch für das Ingenieurbüro Weiß.

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Ein Achterbahnmodell aus Holz steht in der Abteilung „fliegende Bauten“ im Ingenieurburö Weiß. Vier Jahre hatte ein Mitarbeiter daran gebaut. Fotos: A. Dietrich
Achterbahn der Ingenieure

Die beiden Unternehmen blicken auf eine lange und erfolgreiche berufliche Geschichte zurück. Fritz Weiß, der 1966 in das Ingenieurbüro seines Vaters Gustav eintrat, pflegte eine Freundschaft zu Europa-Park Vater Franz Mack und begleitete den Aufbau des heute als besten der Welt ausgezeichneten Freizeitpark von Beginn an. „Alle Achterbahnen im Europa-Park sind von uns“, sagt Martin Felber, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Ingenieurbüro Weiß. „‚Von uns‘ heißt, dass wir die Statik, die Konstruktionszeichnungen, die Vermessungen und die Geotechnische Beratung übernommen haben.“
Bei dem Projekt Eurosat wirkten die Ingenieure von Weiß auch bei der örtlichen Bauüberwachung mit. 10 Monate Bauzeit galt es einzuhalten und das bei laufendem Parkbetrieb. Felber bezeichnet den Prozess als „sehr interaktiv“ und sein Gesichtsausdruck verrät, dass es tatsächlich eine nervenaufreibende Angelegenheit gewesen sein muss. Dabei sei das Achterbahngeschäft für das Ingenieurbüro ein relativ eindimensionales Geschäftsfeld, so Maras. Hier trifft man lediglich auf technische Tücken.
Ganz anders sind Großprojekte wie beispielsweise die Renaturierung und die Hochwasserschutzmaßnahmen am Fluss Neumagen in Bad Krozingen. „Hier sind es nicht nur technische, sondern vor allem politische Herausforderungen, die wir meistern müssen“, sagt Maras. Während Achterbahnprojekte recht geradlinig verlaufen, gleichen städtische und kommunale Bauprojekte oft einer Achterbahnfahrt.
Bürgerinitiativen, Naturschutz und unterschiedliche politische Interessen gilt es dabei auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dabei werden die Ingenieure zu Mediatoren und müssen neben den fachlichen Kompetenzen auch ihr Kommunikationsgeschick unter Beweis stellen. In Denzlingen hat das Ingenieurbüro zuletzt die Erschließung des neuen über 30.000 Quadratmeter großen Gewerbegebietes „Roter Brühl“, am südöstlichen Ortsrand zwischen B294 und Elzstraße, vorgenommen.

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Martin Felber (links) und Tomislav Maras sind zwei von insgesamt sieben Geschäftsführern bei der Weiß Beratende Ingenieure GmbH.
Woher wird das Trinkwasser bezogen, woher das Löschwasser, wie wird der Strom verlegt und welche Straßenverläufe kann und wird es geben? „Alles Themen und Aufgaben, die der Laie später nicht mehr sieht“, sagt Tomislav Maras. Auch das Projekt „Im Metzgergrün“ zwischen Ferdinand-Weiß-Straße und Bissierstraße planen die Weiß Ingenieure. Hier entwickelt die Freiburger Stadtbau ein Bestandsquartier weiter.
Weiß Ingenieure sind die Erschließungsplaner und achten darauf, dass am und im Boden genug Platz für alle Leitungen ist, die es später zu verlegen gilt. Alles andere als im Hintergrund, und damit auch eine neue Erfahrung für das Ingenieurbüro, war der Neubau der Eurosat Achterbahn. 80 Millionen Menschen sind mit ihr gefahren. 120 Schienen haben ausgedient, statt Raumfahrtszenario soll der Cancan-Coaster in das Paris um die Jahrtausendwende entführen. Möglichst ruckelfrei und geschmeidig, auf einer Länge von 977 Metern.
Die größte Herausforderung: die alte Stützenstruktur bleibt erhalten. Meter für Meter mussten die alten Schienen so entnommen werden, dass die Statik der Gesamtkonstruktion erhalten bleibt. „Es war hochkomplex, da man die Spannungen, die im Schienenkörper herrschen, nicht sieht“, sagt Felber. Millimeterarbeit, dazu der Zeitdruck und die Tatsache, dass alle Schienenteile via Kran von oben in die Stahlkugel abgelassen wurden. Seit dem 12. September 2018 fährt der neue Cancan Coaster, auch dieses Projekt haben die Weiß Ingenieure erfolgreich in die Bahnen geleitet und abgeschlossen.

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