Auch Frauenfußball wird beim Sportclub erfolgreich betrieben. Nationalspielerinnen mit SC-Bezug sind Standard. Dass sie von finanzkräftigeren Vereinen abgeworben werden, ebenso. Mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale gelang kürzlich dennoch der größte Erfolg bis dato. Ein Besuch bei Birgit Bauer, die seit rund 30 Jahren die Entwicklung als Managerin vorantreibt.
Am Anfang war die Revolte. 1991 war es, da spielte Birgit Bauer bei der Spielvereinigung Wiehre Fußball und erreichte mit ihren Teamkolleginnen die Aufstiegsspiele zur Bundesliga. Nur, der Vorstand des kleinen Vereins hielt damals nichts von diesem ambitionierten Ziel. „Wir sind dann komplett geschlossen zum SC gewechselt“, sagt die 55-Jährige. Es ist die Kurzfassung, wie das alles richtig angefangen hat mit dem Frauenfußball und dem SC und Birgit Bauer – der Beginn einer Erfolgsgeschichte.
Dass die Managerin der Sportclub-Frauen heute ihr Büro im Schönbergstadion im Freiburger Westen hat, also der Heimstätte ihres damals verlassenen Vereins, geht dabei als schöner Fun Fact durch.
Anfangs war sie noch als Spielerin und Organisatorin in Doppelfunktion unterwegs, ehe Bauer fortan als richtige Managerin zur Entwicklerin des Freiburger Frauenfußballs wurde. Wobei die Bezeichnung Managerin für die damaligen Verhältnisse nicht wirklich passt. „Eher Betreuerin“, sagt Bauer und erinnert sich an diese Zeiten, als der Frauenfußball belächelt wurde, wenn überhaupt. Volker Finke soll sich damals nicht gerade über die neue Abteilung der Frauen gefreut haben, wollten die doch auch Trainingszeit auf dem Platz haben.
Der Frauenfußball war damals Bauers Hobby beim SC, wo sie unabhängig davon auch arbeitete. Auf der Geschäftsstelle war sie die erste festangestellte Kraft des Vereins, als der sich Anfang der Neunziger im Zug des Bundesligaaufstiegs der Männer zu professionalisieren begann. Unter anderem für den Kartenverkauf war Bauer zuständig, als der zu analogen Zeiten noch so aussah, dass sich frühmorgens regelmäßig eine Schlange von der Geschäftsstelle in der Schwarzwaldstraße fast bis zum Strandbad bildete.
Das Vorstellungsgespräch hatte die gelernte Industriekauffrau damals bei Achim Stocker und Volker Finke. Zum Präsidenten Stocker hatte sie eine enge Bindung, „der war mir wichtig“, sagt sie und schiebt hinterher: „er fehlt mir auch immer noch“.
Nebenher kurbelte sie stetig die Frauenabteilung an, 1998 gelang dann erstmals der Sprung in die Bundesliga, in der sich die Freiburgerinnen nach zwei zwischenzeitlichen Abstiegen längst fest etabliert haben – vor zwei Jahren sprang mit dem dritten Platz die bis dato beste Platzierung heraus. Eine ausgezeichnete Jugendarbeit ist die Basis dafür. Auch die Fußball-WM erzählte in diesem Sommer wieder von der Freiburger Qualität. Neun Spielerinnen aus dem deutschen Kader hatten einen Bezug zum SC Freiburg. Zwei Akteurinnen tragen aktuell noch das SC-Trikot. Und ein paar Wochen davor, da gelang mit dem Einzug ins Pokalendspiel der „größte Erfolg in der Geschichte unserer Abteilung“, sagt Bauer.
Nach fünf Halbfinal-Knockouts in den vergangenen sechs Jahren zogen die SC-Frauen mit einem Sieg in Hoffenheim endlich ins ersehnte Endspiel ein – „das war immer mein Traum“. Ein „wahnsinniges Erlebnis“ war es dann, dieser 1. Mai. Fast alle SC-Mitarbeiter fuhren nach Köln mit, die Delegation umfasste den gesamten Vorstand. „Das war schon toll zu erleben, wie der Verein das alles echt gelebt hat“, blickt die Managerin zurück. Dass der professionelle Frauenfußball für einen Verein wie den SC einen höheren ideellen als finanziellen Wert hat, weil er schwieriger zu refinanzieren ist, ist im Verein herauszuhören. Zahlen werden wie üblich nicht genannt. Das Gefühl, dass die Frauenabteilung nur unbeachtet nebenher mitlaufe, sagt Birgit Bauer aber, „das habe ich schon seit langer Zeit nicht mehr“. Das Pokalfinale diente als Beweis, „das Coolste“ aus Sicht der Managerin dabei: dass rund 1500 Freiburger Fans das Team in Köln unterstützten.

Das große Spiel, live übertragen in der ARD, ging mit 0:1 gegen den Favoriten VfL Wolfsburg verloren. Wie wäre das Spiel wohl verlaufen, hätte der SC mit einer seiner vielen Chancen in der ersten Hälfte die Führung erzielt? „Darüber nachzudenken bringt ja nix, da sind wir dann im Hättsch-Dätsch-Club“, sagt Birgit Bauer in trockener Art, in der das Badische Idiom der gebürtigen Ortenauerin immer mal wieder herauskommt.
Seit zwei Jahren arbeitet sie hauptamtlich als Managerin der Frauen, davor war sie 15 Jahre lang im Haupterwerb Geschäftsführerin des Badischen Radsportverbands und organisierte den Frauenfußball nebenher. Die Doppelbelastung wurde aber schließlich zu viel. „Der SC ist mein Verein, ich habe Glück, dass ich hier meine Leidenschaft zum Beruf machen durfte.“
Neben ihrem Schreibtisch hängen Wimpel und Plaketten, die ans Pokalfinale erinnern. Auf dem vollgestellten Tisch liegen Final-Spielbälle der Frauen und der U17-Juniorinnen, die kürzlich im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft standen.
„In der Jugendabteilung haben wir gar keine Probleme, Spielerinnen zu finden“, das war schon so, als der Frauenfußball noch überhaupt keine öffentliche Präsenz hatte. „Wir stecken in den Nachwuchs viel viel Arbeit“, sagt Bauer, die jede Befindlichkeit im Umfeld kennt und damit umzugehen weiß. Dazu zählen auch schwierige Gespräche mit Eltern, die quasi davon ausgehen, dass aus ihrer talentierten Tochter automatisch die nächste Nationalspielerin werden soll. Wenn es so einfach wäre.
Auf einem Sideboard stehen Pokale, am Boden reihen sich Kartons mit Fußballschuhen aneinander. An einer Wand hängen eingerahmte und signierte Trikots ehemaliger SC-Spielerinnen: Behringer, Däbritz, Leupolz. Erstere wurde 2007 als Freiburger Nationalspielerin gar Weltmeisterin. Gegenüber reihen sich die Urkunden zu den Fritz-Walter-Medaillen aneinander, die der Deutsche Fußballbund im Laufe der Jahre an Nachwuchsspielerinnen des Sportclubs verliehen hat. Über der Eingangstür hängen Handschuhe der Torhüterin Laura Benkarth. „Für Birgit“, hat die junge Fußballerin darauf geschrieben.
Behringer, Däbritz, Leupolz, Benkarth, und zuletzt auch Giulia Gwinn, die sich bei der WM ins Rampenlicht spielte. Es sind allesamt Spielerinnen, die zum FC Bayern gewechselt sind. Vor dieser anstehenden Saison verpflichteten die Münchner sogar den Freiburger Trainer Jens Scheuer. „Das tut schon weh, wenn sich die Bayern mit ihren finanziellen Möglichkeiten regelmäßig bedienen“, sagt Bauer im Bezug auf die Ex-Spielerinnen. „Wären die alle geblieben, wären wir bestimmt schon Deutscher Meister“, sagt sie dann. Ob das ernst gemeint ist, lässt sie mit einem Lächeln dahingestellt. Auf die Frage, ob der Meistertitel trotzdem mal ein realistisches Ziel sein könne, antwortet Bauer mit einem deutlichen „Nein, das ist utopisch“, weil gerade München und Wolfsburg mit anderen Möglichkeiten ausgestattet und in der Kaderbreite besser aufgestellt seien.
Im Grunde verhalte sich das bei den SC-Frauen genau wie bei der Mannschaft von Christian Streich: Die Besten vom SC spielen in der Saison darauf oft mit anderem Vereinswappen auf der Brust – und verdienen dort mehr Geld. „Das ist wohl unser Los als Verein“, so Bauer. „Früher hat mich das richtig geärgert, inzwischen bin ich da entspannter.“
Als der neue Trainer Daniel Kraus kurz im Büro vorbeischaut, stellt er sich scherzhaft als „Assistenz der Geschäftsführung“ vor. „Ist doch so, oder?“, fragt er in Richtung Bauer und lacht. „Ein junger Fußballlehrer, dem die gesamte Nachwuchsarbeit sehr wichtig ist“, vor Jahren wollte sie schon mit ihm zusammenarbeiten, jetzt habe es gepasst, sagt die Managerin, als der 35-Jährige wieder aus der Tür hinausgegangen ist, Richtung Trainingsplatz. „Ein absoluter Gewinn für den Verein.“
Auf jenem Trainingsplatz, den die Frauen-Abteilung des SC am Schönbergstadion für sich hat, wetzt an diesem sommerlichen Montagvormittag Ende Juli gerade eine Spielerin im Einzeltraining zwischen aufgestellten Hütchen hin und her. „Bundesligawürdig sind diese Bedingungen nicht“, sagt Bauer beim Blick nach draußen, womit sie nicht den Platz an sich, sondern den Umstand meint, dass ihn sich vom Bundesliga-Team bis zu den U-15 Mädchen vier Mannschaften teilen müssen – die in der Woche auf insgesamt 17 Trainingseinheiten kommen.
Bessere Trainingsbedingungen, das wünschen sich die SC-Frauen, die sich seit mehr als zehn Jahren am Schönbergstadion eingemietet haben, schon länger. Birgit Bauer hat auch eine konkrete Vorstellung, wie der Wunsch in Erfüllung gehen könnte: Mit einem Umzug ans Schwarzwaldstadion, nachdem die Männer sich in einem Jahr in ihrem neuen Stadion eingerichtet haben. Der Vorstand unterstützt die Idee und hat das auch schon bei der Stadt, dem Eigentümer des Stadions, hinterlegt. „Die Trainingsmöglichkeiten mit dem großen Platz an der Schwarzwaldstraße sind toll und wir könnten auch unsere Heimspiele im Stadion austragen“. Aktuell spielen die Frauen im Möslestadion vor durchschnittlich 1000 Zuschauern. Flutlicht, wie es schon manche Kreisligavereine haben, haben die Bundesliga-Frauen dort nicht.
Am Ende steht für Bauer, und das ist ihr wichtig, die Erkenntnis: „Damit wir weiter ein hohes Niveau in der Bundesliga und in der Ausbildung halten können, müssen Trainingsbedingungen und Infrastruktur dringend verbessert werden. Ich denke, da stehen alle in der Verantwortung.“
Text: Daniel Ruda