Holz ist einer der beliebtesten und vielseitigsten Rohstoffe. Ob Bau-, Verpackungs- und Papierindustrie oder Energiebranche – jeder baut auf Holz. Doch die Preise liegen seit Jahren im Keller, der Klimawandel trifft den Wald mit voller Wucht. Und die Corona-Krise belastet den Holzmarkt.
VON ANNA-LENA GRÖNER
„Es ist uns so nah und vertraut, dass wir manchmal vor lauter Holzprodukten den Wald nicht mehr sehen, aus dem das alles kam“, schreibt der Autor Max Scharnigg. Und diesem Wald geht es richtig schlecht. Im Kampf gegen Trockenheit, Sturmschäden und Borkenkäfer kann er nur verlieren – was sie in kurzer Zeit anrichten, braucht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, um wieder vollständig behoben zu werden.
Für die Holzwirtschaft bedeutet das eine Talfahrt ins Ungewisse. Für die Forstbetriebe ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn betroffenes Schadholz muss schnell raus aus dem Wald, um weitere Schäden, wie die Einnistung von neuen Borkenkäfern, zu vermeiden. Die wirtschaftliche Konsequenz: Das Schadholz überflutet den Markt, er ist übersättigt, die Preise rutschen in den Keller. „Das Leitsortiment Fichte hatte vor zwei Jahren in Bauholzqualität einen Preis von rund 90 Euro pro Kubikmeter. In der Zwischenzeit liegt es unter 40 Euro“, sagt Nicole Schmalfuß, Leiterin des Forstamts Freiburg.
Die Fichte ist das große Sorgenkind des Waldes. Der Klimawandel setzt vor allem ihr zu: bei Stürmen knickt sie schnell um und der Borkenkäfer fühlt sich unter ihrer Rinde besonders wohl. Der Preisverfall für ihr Holz ist enorm. „Jetzt haben wir aber die Situation, dass wir bereits 2018 viel Schadholz hatten, 2019 sehr viel und es fehlt der Zeitraum einer Marktentlastung“, sagt Schmalfuß. Für das Jahr 2020 sieht es bisher nicht besser aus.

Holz-Verkauf „frei Waldstraße“
Als Waldeigentümer bewirtschaftet das Forstamt der Stadt Freiburg über 5100 Hektar städtischen Wald, außerdem noch weitere 150 Hektar Stiftungswald der Heiliggeistspital Stiftung. Die insgesamt 40 Mitarbeiter im Forstbetrieb sind im Dauereinsatz. Oktober bis Februar ist die Haupterntezeit der zu fällenden Bäume. Anfallendes Schadholz muss das ganze Jahr geerntet und weggeschafft werden, außerdem Waldwege gepflegt und die komplette Waldpflege mit der Pflanzung bewältigt werden.
Das geerntete Holz wird „frei Waldstraße“ verkauft. Dabei werden die gefällten Baumstämme bis an die Waldstraße gerückt. Dort liegen die sogenannten Holzpolter am Wegesrand, die bunt darauf gesprühten Zahlen haben ein System: die erste Nummer steht für das Revier und die Erntemaßnahme. Die zweite Nummer kennzeichnet jeweils eine Verkaufseinheit. Über die dritte Nummer wird jeder einzelne Stamm definiert (Qualität, Holzart und Dimension). Diese Informationen sowie die Koordinaten der Polter werden in Holzlisten zusammengefasst und sind die Grundlage der Verkaufsverhandlungen.
„Das Stammholz wird an der Waldstraße verkauft und von dort aus wird es vom Käufer auf seine Kosten und unter seiner Regie ins Sägewerk gebracht,“ sagt Schmalfuß. Dabei verfolge das Forstamt Freiburg das Ziel, möglichst lokal zu verkaufen. Aber um das viele Schadholz aus dem Wald zu bekommen, „nehmen wir auch in Kauf, zu schlechteren Preisen und an weiter entfernte Kunden zu verkaufen.“ Trotzdem spiele die Holzproduktion für den Gesamthaushalt der Stadt Freiburg wirtschaftlich keine große Rolle. Das Forstamt Freiburg kalkuliert in einem „normalen“ Jahr mit Holzerlösen von rund zwei Millionen Euro.
Damit könne aber nur ein Teil der Gesamtleistungen des Forstbetriebs finanziert werden, so Schmalfuß. Im Bereich Erholungsfunktion habe man daher jährlich einen Zuschussbedarf von rund einer Million Euro, zum Beispiel für Bänke, Spielplätze, Waldwege und Aufgaben der Waldpädagogik. Für die Aufgaben beim speziellen Arten- und Biotopschutz kämen weitere 200.000 bis 300.000 Euro aus dem städtischen Haushalt hinzu.
Wirtschaftsfaktor Holz
Eine weitaus höhere wirtschaftliche Relevanz hat das Holz für Jens Borchers. Der Diplom-Volks- und Forstwirt ist Betriebsleiter des größten Privatwaldes in Südbaden, des zweitgrößten deutschlandweit: 18.000 Hektar zwischen Schwarzwald und Bodensee. Der Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg ist klar erwerbswirtschaftlich ausgerichtet, er sichert das Vermögen des Waldeigentümers Christian Erbprinz zu Fürstenberg. Leider sind auch hier die Aussichten trüb, zumal die Fichte in seinen Wäldern mit 68 Prozent den größten Flächenanteil einnimmt.

„Wir haben beachtliche, bisher bewaldete Flächen verloren, wobei sich die Verluste zunächst auf den Schwerpunkt Hochschwarzwald und die Region Lenzkirch-Schluchsee konzentriert haben“, sagt Borchers. „Durch die diesjährigen Winterstürme mit den klangvollen Namen Bianca und Sabine hat sich das Geschehen auf den gesamten Betrieb bis zum Voralpenraum ausgeweitet.“ Mehr als die Hälfte eines Jahreseinschlags liege am Boden und müsse im Wettlauf gegen den Borkenkäfer aufgearbeitet und aus dem Wald gefahren werden.
Die Kosten der Bewirtschaftung und besonders der Holzernte seien kontinuierlich nach oben gegangen, so „haben die Waldbesitzer real ständig verloren“, sagt Borchers. Die Preise für sein Stammsortiment haben sich etwa halbiert und liegen kaum mehr über den Aufarbeitungskosten, bei einigen Holzprodukten sogar darunter. Die Corona-Krise erschwert die Bedingungen auf dem angeschlagenen Holzmarkt zusätzlich.
Die Sägewerke können das Holz nicht abfahren, Absatzmärkte in Österreich oder auch Italien sind weitgehend weggefallen. Wenn der Sommer in diesem Jahr so trocken wird, wie das Jahr bisher, dann „stehen wir vor einer echten Katastrophensituation. Der Schwarzwald wie wir ihn kennen und lieben wird dann nicht mehr wiederzuerkennen sein“, sagt Borchers.
Förderung durch das Land
Auch Anja Peck, Leitende Forstdirektorin des Regierungspräsidiums Freiburg, hofft auf einen feuchten Frühsommer, der die Situation entspannt. Die Forstdirektion ist Ansprechpartner für den Kommunal- und Privatwald, der in Südbaden einen Anteil von 84 Prozent der Waldfläche ausmacht. Neben der Beratung unterstützt sie die Waldbesitzer zudem mit forstlichen Förderungen und bei der nachhaltigen Waldwirtschaft. Ohne Förderung schaffen es die Waldbesitzer gar nicht mehr, den Kampf gegen Klima und Käfer zu stemmen.
Das gesamte Förderpaket des Landes ist im „Notfallplan für den Wald“ vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz aufgelistet. „Konkret gefördert werden unter anderem das Entrinden, Hacken und Aufarbeiten von befallenen Bäumen oder der Einsatz von Hilfskräften zum Borkenkäfermonitoring. Auch bei der Wiederaufforstung der Schadflächen unterstützen wir die Waldbesitzer auf vielfältige Weise“, sagt Anja Peck. Auch teure Nass- und Trockenlager werden vom Land unterstützt.
Diese können temporär, solange der Export und die Baukonjunktur durch die Corona-Krise gebremst werden, bei einer Marktentlastung helfen. Dabei werden die geernteten Rundhölzer in entsprechenden Lagermöglichkeiten untergebracht und durch Nässe oder Trockenheit in sicherer Umgebung vor Schädlingen geschützt. Der „Notfallplan“ dürfte ein kleiner Lichtblick für die südbadischen Waldbesitzer sein.
Doch um die Krise zu meistern braucht es mehr. „Die Zukunft des Waldes hängt fast ausschließlich von Wetter und Klima ab. Außerdem muss sich die Gesellschaft darüber klar werden, ob sie dem Sterben von Wald und Forstwirtschaft in Deutschland weiter tatenlos zuschauen will“ sagt Jens Borchers.
1 Kommentar
Das ist die eine Seite der wertvollen Medaille >Wertfaktor Holz im Schwarzwald<. Die entscheidendende , die BASIS , aber ebenso spannend die andere Seite; was daraus entsteht, die Holzindustrie, die einmal eine starke Säule der Wirtschaft war? ..oder noch ist?
Auf jeden Fall ist Baden/ Schwarzwald nicht nur Auto-Land. Wo sitzen die Holz-Hidden Champions ?
Danach sucht u.a. http://www.manufaktour-kulturerbe.org / ISWIK-Institut Schwarzwälder-Industrie-Kultur
Dipl.-Ing. Alois Fleig