Ein unscheinbares Freiburger Unternehmen mit kleiner Belegschaft entwickelt sich zum Global Player in Sachen Lebensmittelverpackungen. Als Produzent ohne eigene Fabrik und mit nur zehn Mitarbeitern. Nebenher agiert es mit Erfolg noch auf zwei weiteren Märkten. Ein Besuch bei der IIC AG und ihrem Chef Wolfgang Walk.
VON DANIEL RUDA
Im vierten Stock sitzt die IIC AG, verrät das Schild unten an der Eingangstür des in die Jahre gekommenen Bürogebäudes in der Freiburger Bertoldstraße nahe der Stadtbahnbrücke. Oben empfängt Chef Wolfgang Walk im Poloshirt mit festem Händedruck zum Gespräch. Die Räume sind eng, die Fensterrahmen aus schwerem dunklen Holz lassen es optisch noch enger erscheinen, die Rollläden des Besprechungsraums sind an diesem sonnigen Morgen im August noch halb heruntergelassen. Als der 56-Jährige für mehr Licht sorgen will, lassen sie sich dreimal bitten, bis sie leise knarzend nach oben fahren. Zwei Glasvitrinen voller leerer Joghurtbecher, Margarinendosen, Frischkäseschälchen und Süßigkeitenboxen stehen an einer Wand.
Jährlich 600 Millionen Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff produziert das Unternehmen. Die Behältnisse stehen in Supermarkt- Regalen in Freiburg-Haslach, London oder Melbourne. Bekanntestes Beispiel ist die Verpackung des Philadelphia-Frischkäses, IIC regelt die weltweite Produktion. Der Frischkäse zählt zu Mondelēz, drittgrößter Lebensmittelkonzern der Welt und größter Kunde von IIC. Walk holt eine leere Philadelphia-Verpackung aus der Vitrine und schaut nach, „schreibt man mit Zett, genau“.
Es ist alles sehr unprätentiös, dabei sind es die Räume eines florierenden und agilen Unternehmens, das von Freiburg aus in den vergangenen mehr als zwanzig Jahren zu einem Global Player in der Lebensmittelverpackungsbranche geworden ist. Die Öffentlichkeit hat davon, wenn überhaupt, nicht viel mitbekommen. IIC steht für „innovative, individual, creative“, der in Emmendingen lebende Walk, ein mit einem abgewetzten Koffer globetrottender Unternehmer („früher bin ich aber viel mehr ausgeschwärmt“), spricht die Buchstaben deutsch aus. Ih Ih Zee.
Der IIC-Jahresumsatz lag zuletzt bei 32 Millionen Euro. Die Zahl der Festangestellten: zehn! 3,2 Millionen Euro Umsatz pro Kopf quasi. Eine enorme Zahl.
„Wir beschäftigen uns sehr mit dem Thema Plastikmüll und verfolgen Ansätze mit Alternativkunststoffen“
Wolfgang Walk, Vorsitzender der IIC AG
„Wir sind wie ein Dienstleister für die Industrie“, erklärt Walk das Geschäftsmodell vom Matchen des Bedarfs und des Absatzes. IIC funktioniert quasi wie ein Mischwesen aus Handelsgesellschaft und industriellem Großproduzent. Eigene Fabriken hat die Firma nicht, das Risiko soll geringgehalten werden. IIC besitzt nur die Anlagen, die von Lohnproduzenten in acht Ländern betrieben werden. In Italien, Schweden, der Türkei oder Malaysia etwa, auch Deutschland ist mit einer Produktionsstätte in Osnabrück dabei. „So können wir einen Überblick über den gesamten Markt haben.“ Die Materialien für die Produktion kauft IIC selbst, „unsere Logistikabteilung hat jeden Monat ungefähr 200 Container auf den Weltmeeren schwimmen“, fasst es Walk zusammen.
Was mit seinem eigenen Tun als junger Mann begann, der in den frühen Neunzigern Vermittlungsgeschäfte in Osteuropa für große Maschinen abwickelte und dort den Verpackungsmittelmarkt entdeckte, ist zu einem großen Business mit einem kleinen Team geworden, nachdem IIC 1995 als kleine Aktiengesellschaft gegründet wurde. Weitere Standorte mit Büros gibt es neben der Zentrale in Freiburg inzwischen in Manchester, Melbourne und Hongkong.
Der Vater eines Sohns und einer Tochter (sie arbeitet als Duale Studentin im Unternehmen), der zuletzt acht Jahre im Beirat der Volksbank Freiburg saß und sich seit Jahren im Lions-Club Emmendingen engagiert, ist hörbar stolz darauf, wie sich alles entwickelt hat. Er kommt dabei unprätentiös rüber, ohne sich in Understatement zu üben. „Das ist alles organisch gewachsen“, sagt der hemdsärmelige Unternehmer, der als kleiner Junge seinen ersten Deal mit dem Eiermann einfädelte, dem er ein paar Stra.enzüge beim Verkauf abnahm, und so sein Taschengeld quasi explodieren ließ. Später als Student der Lebensmitteltechnologie und des Wirtschaftsingenieurwesens schrieb er Software-Programme und verdiente damit sein eigenes Geld. „Ich wollte schon früh unabhängig sein und bin mit weitem Blickwinkel durch die Welt gegangen.“
Dieser Blickwinkel führt wohl auch zum Thema, das Walk schnell selbst setzt: Plastikmüll.
Er weiß, dass darüber gesprochen werden muss in Zeiten, in denen laut Deutscher Umwelthilfe jährlich zehn Millionen Tonnen davon in den Weltmeeren landet, der teilweise hunderte Jahre braucht, um sich abzubauen. Dass sich darunter auch von IIC produzierte Dinge finden, ist klar. „Wir beschäftigen uns sehr damit und verfolgen Ansätze mit Alternativkunststoffen“, erzählt Walk und präsentiert ein halbes Dutzend Versuchsexemplare aus alternativen Bio-Kunststoffen. Aus sogenanntem Oliventrester etwa, einem natürlichen Rohstoff, der bei der Olivenölproduktion zurückbleibt. Ein türkisches Universitäts-Start-up, mit dem IIC kooperiert, hat daraus einen Kunststoff entwickelt. Andere Ansätze sind ein Holzkunststoff aus Finnland oder Tapiokastärke aus Malaysia.

großen Mengen auf den Markt kommen, dauert es noch. Foto: A. Dietrich
Seit einem Jahr laufen in Zusammenarbeit mit den Kunden verschiedene Tests.„Wir wollen solche Verpackungen für den großen Markt herstellen“, sagt Walk und listet die vielen Herausforderungen auf. Angefangen bei der technisch schwierigen Entwicklung und Produktion, über die limitierten Rohstoffe, die es bräuchte, bis hin zum kapitalistischen Totschlagargument: dem Preis. „Bio-Kunststoffe hört sich gut an, aber nicht mehr, wenn klar wird, dass die Produktionskosten im Vergleich zum herkömmlichen Kunststoff um das Dreifache höher sind.“
Ein paar Tests sind indes vielversprechend. „Bis Mitte nächsten Jahres werden wir das erste Produkt auf dem Markt haben, einen Löffel aus Bio-Kunststoff“, erzählt Walk, das hänge mit der EU-Reform zusammen, die ab 2020 zum Beispiel billige Einweg-Plastikprodukte verbietet. „So lange kein Gesetzesdruck da ist, wird es ein Nischenprodukt bleiben“, sagt Walk zum übrigen Plastik, das in den Supermarktregalen steht.
Würde das gebrauchte Plastik indes wieder gesammelt und in den Produktionszyklus zurückgeführt, wäre ein Großteil des Problems gelöst, so der Unternehmer weiter. „Es muss auch aufhören, dass wir Europäer diesen Kunststoff müll beispielsweise nach Afrika exportieren, wo er dann ins Meer gekippt wird“. Walk ist im Thema, erzählt von zahlreichen Umweltsymposien und Tagungen, an denen er teilgenommen hat. Über die mangelnde Trinkwasserqualität in armen Teilen der Welt, wo auch noch die Luft verpestet ist, und direkt danach vom hervorragenden Wasser, das in der hiesigen Heimat aus dem Hahn kommt, und das ja eigentlich alle trinken müssten. Dann wären Milliarden PET-Wasserfl aschen aus dem Verkehr gezogen, die IIC aber auch nicht produziert. „Wir spüren als Unternehmen auf jeden Fall eine Verantwortung“, betont Walk. „Bio-Kunststoff e und spülmaschinenfeste Re-Use-Produkte auf den Markt zu bringen, das ist unser aktueller Ansatz.“
Export von Gewürzen und Produktion von Verkaufsanhängern nach Foodtruck-Vorbild
Bei IIC werden viele Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen verfolgt. Mit Efos und Buddy Star sitzen noch zwei eigenständige Marken unterm Firmendach. Efos verschifft seit 2010 unter anderem Gewürze, Soja, Trockenfrüchte oder Zusatzstoff e an Industriekunden. „Ich wollte schon immer mal mit Pfeffer handeln“, sagt Wolfgang Walk lapidar. Der Umsatzanteil von Efos liegt bei vier Millionen Euro.

die auch umgesetzt.“ Foto: A. Dietrich
Die Buddy Sales & Service GmbH ist der neueste Testballon, der schon erfolgreich auf den Markt geflogen ist. Sogenannte Food-Trailer, also kleine als Verkaufsanhänger konzipierte Foodtrucks, werden dafür in Freiburg entworfen und in Nordrhein- Westfalen und Rheinland-Pfalz zusammengesetzt. Die Preisspanne für einen „Buddy Star“ reicht dabei von 7500 Euro für eine mobile Küche auf vier Quadratmetern bis zu mehr als 20.000 Euro für eine größere Variante. In zweieinhalb Jahren sind bislang mehr als 300 Exemplare verkauft worden. „Es ist zwar ein Wachstumsmarkt, auf dem wir uns da befinden, aber von dem Erfolg sind wir selbst etwas überrascht“, sagt Marketingleiter Benjamin Winterhalter, der den Erfolg auch und vor allem in der Unternehmenskultur von IIC begründet sieht. „Jeder in unserem Team hat sehr viel Spielraum und Kompetenzen, um Ideen zu entwickeln“, und wenn sie gut sind, dann würden sie auch umgesetzt.
Wolfgang Walk sieht da eine Parallele zu seinem eigenen unternehmerischen Werdegang: Machen ist das Credo. Demnächst soll das Team vergrößert werden. „Es läuft hervorragend in allen Bereichen, nur die Situation um den Brexit macht uns etwas Sorgen, da England ein wichtiger Markt ist“. Ob die Briten nun die EU verlassen oder nicht, ist bei Erscheinen dieses Hefts ungewiss. Für IIC steht im nächsten Jahr aber ein Umzug an. Aus der engen Büroetage in der Bertoldstraße geht es an die Berliner Allee. Dort entsteht gerade ein Bürogebäude, wo sich die IIC AG ganz oben im sechsten Stock eingemietet hat. Das organische Wachstum geht weiter.