Der Mönchengladbacher Nationalspieler Matthias Ginter stammt aus der March bei Freiburg, absolvierte in Gundelfingen sein Abitur und kam beim SC Freiburg kurz nach seinem 18. Geburtstag zum Bundesliga-Debüt. Ginter wurde 2014 in Brasilien Weltmeister und ist weiterhin Nationalspieler, bei Gladbach in der Bundesliga und der Europa League Stammspieler. Und auch außerhalb des Platzes engagiert: Gemeinsam mit seiner Frau Christina hat er eine Stiftung ins Leben gerufen – ein Gespräch mit ihr, warum sich auch junge Menschen in Stiftungen einsetzen.
INTERVIEW: RUDI RASCHKE
Was war der entscheidende Anlass für Sie beide, die Stiftung ins Leben zu rufen, wie kam es konkret zum Stiftungszweck zugunsten benachteiligter Kinder?
Wir waren nach einem Weihnachtsbesuch auf der Krebsstation der Kinderklinik Freiburg sehr traurig. Und auch etwas geschockt, in welchen Verhältnissen die schwer erkrankten Kinder genesen sollen. Die Räumlichkeiten waren veraltet, die einzelnen Zimmer zum Teil zu klein.
Wir haben dann lange nachgedacht, wie wir helfen können, auch weil die Planung einer moderneren Kinder- und Jugendklinik bereits im Raum stand. Uns war aber bewusst, dass auch über die Klinikgrenzen hinaus Hilfe für junge Patienten benötigt wird.
So entstand der Gedanke, unsere eigene Stiftung für benachteiligte Kinder- und Jugendliche zu gründen. Für uns ist es eine Herzensangelegenheit physisch, psychisch und sozial benachteiligte junge Menschen zu unterstützen und ihnen mehr Lebensqualität zu schenken.
Warum entscheiden sich junge Menschen wie Matthias und Sie konkret für den Aufbau von etwas Eigenem statt für Spenden an bestehende Organisationen? Mit wieviel Arbeit war die Gründung für Sie verbunden?
Für uns war es sehr wichtig zu wissen, wo unsere Spendengelder hingehen, in welche Projekte sie fließen und welchen Kindern sie genau zu Gute kommen. Mit unserer eigenen Stiftung sind wir ganz transparent und wissen exakt, wo jeder Cent landet. Jedes Projekt, das durch unsere Stiiftung unterstützt wird, haben wir geprüft und wir waren bei den meisten persönlich vor Ort, um uns ein eigenes Bild zu machen.
Die Gründung der Stiftung war mit sehr viel Arbeit verbunden. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis wir uns durch alle Unterlagen gekämpft hatten und das Regierungspräsidium unsere Stiftung anerkannt hat. Das ist ein normaler Ablauf, wenn man in Deutschland eine Stiftung gründen will, trotzdem haben wir uns in dieser Zeit öfter gefragt, warum es einem so schwer gemacht wird. Am Ende waren wir sehr froh, dass wir im März 2018 die Matthias-Ginter-Stiftung eröffnen durften.
Was könnt Ihr an Spenden oder Events in der Region hier leisten?
Von Anfang an hatten wir wahnsinnig viele Anfragen und Hilferufe von bestehenden Projekten, Institutionen und auch einzelnen Familien, die um eine Unterstützung gebeten haben. Bis heute sind wir leider oft in der Situation, entscheiden zu müssen, welche Anliegen sehr dringlich sind und zeitnahe Unterstützung benötigen und welche Projekte etwas „warten“ müssen.
Wir haben schon einige Großspenden getätigt, z.B. an die Initiative der Uniklinik Freiburg für den Neubau der Kinder- und Jugendklinik. Oder auch an das Projekt Tigerherz, bei dem Kinder psychisch unterstützt werden, wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt oder gestorben ist. Auch das Projekt Essenspatenschaften ist eines, das fast seit Stiftungsgründung besteht.
Hier konnten wir mittlerweile über 100 Kindern im Kreis Freiburg mit einer monatlichen Patenschaft helfen, die die Kosten für das Frühstück und Mittagessen in der Kita übernimmt. Und dann gibt es natürlich auch viele Einzelfälle von Familien mit behinderten oder schwer erkrankten Kindern. Einmal im Jahr gibt es die große Spendengala, bei der zahlreiche Gäste aus Politik, Sport und der Gesellschaft zusammenkommen, um gemeinsam für die gute Sache zu kämpfen und zu sammeln.
Wie funktioniert Euer Stiftungswesen konkret – wie sehr hilft Matthias’ Prominenz als Spendensammler?
Hauptsächlich wird die Stiftung durch mich geleitet, natürlich mit Unterstützung durch Matthias. Jedes Projekt wird von uns beiden abgesegnet. Uns war es sehr wichtig, nicht zu Beginn direkt ein großes Team hinzustellen, welches die Arbeit für uns übernimmt, sondern an allen Prozessen und Entscheidungen beteiligt zu sein.
Damit können wir auch wirklich von „unserer“ Stiftung sprechen, die wir von der Idee über die Gründung bis hin zu jedem einzelnen Projekt persönlich aufbauen. Natürlich ist Matthias als Nationalspieler bekannt, gerade in Südbaden kennt ihn fast jeder. Das war vor allem am Anfang hilfreich, um die Stiftung und deren Zweck erst einmal unter die Leute zu bringen.
Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis als junge Stifter, welche Erkenntnisse haben Sie beide im Stiftungswesen mitnehmen können?
Eine Erkenntnis, die wir immer wieder durch das Stiftungswesen bekommen: dass es wahnsinnig viele Kinder, Jugendliche und Familien gibt, die auf Unterstützung angewiesen sind. Auch bei uns in Südbaden gibt es noch Kinder, die sich zum Beispiel ohne Unterstützung keine warme Mahlzeit am Tag leisten könnten.
Das gibt einem immer wieder zu verstehen, wie dankbar man für alles sein kann. Das schönste Erlebnis für uns als junge Stifter sind tatsächlich immer die freudigen Kinderaugen und das Strahlen der Eltern, wenn wir individuelle Hilfe leisten konnten.