Das Leistungszentrum Herzogenhorn ist vor allem für Wintersportler konzipiert. Noch profitiert es von seiner schneesicheren Lage. Über die Sorgen wegen des Klimawandels und den Ärger wegen der Parkplätze.
VON DANIEL RUDA
Der Wintersport, und dabei vor allem der professionell betriebene, hat es in diesem schneearmen Winter im Schwarzwald nicht gerade leicht. Dieses Zwischenfazit lässt sich Anfang Februar leichter ziehen als manche Loipen zwischen Feldberg und Hinterzarten, die derzeit als weißes Band in die grüne Natur gelegt werden müssen.
Die trübe Optik gab es zuletzt auch beim Skispringen in Neustadt zu sehen, wo es für die Organisatoren noch vergleichbar simpel war, die Schanze mit 3500 Kubikmetern Kunstschnee für das Event zu präparieren. Der Weltcup der Snowboardcrosser, der Anfang Februar zum fünften Mal am Feldberg steigen sollte, musste indes schon anderthalb Wochen zuvor abgesagt werden.
Zwar war’s nicht ganz grün, aber halt auch nicht weiß genug. Für die geforderte Spezialpiste der Snowboarder hätte es zehn Mal so viel Kunstschnee gebraucht wie für die Skispringer in Neustadt, das war nicht zu stemmen. Auch für den geplanten Skicross-Weltcup folgte einige Tage später die Absage.
Zu schlecht die Schneeverhältnisse, zu warm die Temperaturen für künstliche Beschneiung, hieß es Ende Januar. Einige der Profi-Snowboarder und Skicrosser stornierten denn auch ihre Zimmer, die sie im Leistungszentrum Herzogenhorn gebucht hatten. Das liegt idyllisch im Naturschutzgebiet unterhalb des Feldbergs, hat ein eigenes Loipennetz vor der Tür und der Weg zu den Pisten des Feldbergs mit dem Alpinen Trainingszentrum in Feldberg-Fahl ist nicht weit.
„Natürlich machen auch wir uns Gedanken über die Zukunft des Wintersport“,
Hans-Ulrich Wiedmann, Leiter des Olympiastützpunkts und Leistungszentrums
Noch kein Kunstschnee
Seit den sechziger Jahren ist das Leistungszentrum die Schwarzwald-Adresse unter Sportlern. Trainingscamps, Lehrgänge und Seminare werden hier abgehalten. Die deutschen Skispringer waren schon Monate vorher zu Gast, um Kondition zu bolzen. Die Hauptsaison für das Traditionshaus ist der Winter. Kunstschnee braucht es am Herzogenhorn nicht.
Zumindest noch nicht. „Das Leistungszentrum ist wegen seiner Höhenlage von 1350 Metern noch eine richtige Schneeinsel“, sagt Hans-Ulrich Wiedmann, der Leiter des Olympiastützpunkts Freiburg-Schwarzwald und damit auch Chef des Leistungszentrums ist. Ende der 50er Jahre wurde es vom Skiverband Schwarzwald erbaut, heute steht es unter der Trägerschaft des Olympiastützpunktes. „Wir haben hier noch Schneesicherheit“, betont der 65-Jährige.
Seit Saisonbeginn habe es deshalb sehr viele Anfragen von Vereinen und Verbänden gegeben, für die die Herzogenhorn-Loipen – neben dem Nordic-Center am Notschrei – momentan die einzigen Trainingsmöglichkeiten darstellen, weil es in den tieferen Lagen schlichtweg grün ist. „Hier oben haben wir von Mitte November bis Ende Januar unsere klassischen und Skating- Loipen fast täglich gespurt und viel Betrieb auf unseren Strecken“.
Ganze Wettkämpfe wie der traditionelle Silvesterlauf vom WSV Titisee-Neustadt mit über 160 Teilnehmern wurden hierher verlegt. Wiedmann sieht diese klimatischen Entwicklungen mit Sorge: „Natürlich machen auch wir uns Gedanken um die Zukunft des Wintersports, ich bin ja kein Klimaleugner, der Schnee wird wohl weniger werden“. Auch Joachim Hahne, Geschäftsführer des Skiverbands Schwarzwald klingt nicht gerade optimistisch, wenn er diesbezüglich über die Zukunft spricht.
„In solch schneearmen Wintern fehlt die Grundlage für die Ausbildung des Nachwuchses in der Fläche“, so sei zuletzt auch „Schulen im Schnee“, ein dafür konzipiertes Event am Feldberg, ins Wasser gefallen. „Das macht mir für die Zukunft große Sorgen für den Skisport Schwarzwald.“ Umso bedeutsamer seien deshalb, das sagen Hahne und vor allem Wiedmann fast mantraartig, künftig Standorte in Höhenlagen von über 1000 Metern, die auch in schlechten Wintern noch ausreichende Schneehöhen für den Trainings-, Ausbildung- und Wettkampfbetrieb von Nachwuchs- und Spitzensportlern bieten.
Stammkunde „Hobby-Sportler“
„Auch wenn es manchmal knapp war, bislang ist am Herzogenhorn keiner unserer Lehrgänge abgesagt worden“, erzählt Hahne. Rund 40 sind es pro Wintersaison, mit im Schnitt 15 Teilnehmern. Zum Areal am Herzogenhorn gehören Sporthalle, Kraftraum, Schwimmbad, Sauna, Unterrichtsräume und Deutschlands höchstgelegener Rasenplatz mit offiziellen Maßen.
Dessen Entstehung geht zurück auf das Jahr 1974, als sich die brasilianische Fußballnationalmannschaft im Schwarzwald auf die Weltmeisterschaft vorbereitete, wofür das Leistungszentrum nochmal ausgebaut worden war. Gewichtheber, Judoka, Leichtathleten, Ruderer, Ringer und auch Fußballmannschaften trainieren das Jahr über hier. Auch Schulklassen kommen regelmäßig unter, 70 Betten hat das Haus.
Der Großteil, der bis zu 14.000 Übernachtungen pro Jahr, wird in der kalten Jahreszeit gezählt, wenn vor allem Skilangläufer, Nordisch-Kombinierer und alpine Rennläufer die Gäste sind. Schwarzwälder Top-Athleten wie Olympiasieger Georg Hettich oder der zweifache Medaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014, Fabian Rießle, waren auch schon Gäste, die nach dem Training erschöpft in rustikale Betten fielen.
Die meisten Gäste sind Hobby-Sportler, die ein paar Tage bleiben. „Das ist die Stammkundschaft, die wir brauchen“, sagt Betriebsleiter Joel Blumberg. „Die Ski-Buchungen gehen bis in den März hinein, der Winter kommt in Sachen Schnee immer später ins Laufen, das merken wir.“ Der Jahresumsatz pendelt sich laut Hans-Ulrich Wiedmann zwischen 700.000 und 800.000 Euro ein, hinzu kommt ein 75.000-Euro-Zuschuss des Landes für die Erhaltung der Sportstätten.
Ärger um Parkplätze
„Wenn wir eine schwarze Null schreiben, was meistens gerade so klappt, bin ich froh“, beschreibt der langjährige Funktionär die betriebswirtschaftliche Seite. Seit Ende der Achtziger ist er Leiter des Olympiastützpunktes und sollte eigentlich schon im Ruhestand sein. Weil sich allerdings noch kein passender Nachfolger gefunden habe, macht er weiter. Ein paar Monate noch, so ist der Plan.
Zum verschobenen Ende seiner Amtszeit findet er sich gerade gemeinsam mit Betreibern der nahegelegenen Skihütten mitten in einem Clinch mit der Gemeinde Feldberg wieder. Die hat seit Beginn dieser Wintersaison an der Passhöhe ein Nachtparkverbot verhängt. Nur noch Kurzzeitparken ist erlaubt. Gäste und Mitarbeiter müssen ihre Autos aber lange stehen lassen.
„Diese Parkplatzsituation, die nach Jahren der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde komplett überraschend daherkam, bedroht uns Anlieger in unserer betrieblichen Existenz“, sagt Wiedmann. Übernachtungsgäste müssen ins Parkhaus der Gemeinde, der Fußweg mit Gepäck zum Leistungszentrum wird für sie länger und ein Aufenthalt im Umkehrschluss weniger attraktiv.
Und die bislang für Mitarbeiter reservierten Parkplätze sollen nun jeweils 120 Euro im Monat kosten. Johannes Albrecht, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, sagt zur Situation, dass er eine Parkraumbewirtschaftung für den gesamten Feldberg angeregt hat. Bisher habe jeder zu sehr das gemacht, was er will und was ihm nützt. Fürs Miteinander bräuchte es aber eine Konzeption für alles. Das gelte auch für das Herzogenhorn.
„Diese Maßnahme schadet ja genau denen, die die Region sucht und braucht, den Übernachtungsgästen“, sagt Hans- Ulrich Wiedmann. Als nächstes steht wohl der Gang vors Verwaltungsgericht an.