Die Unternehmensgruppe Faller Packaging setzt weiter auf Nachhaltigkeit und Wachstum. Das Corona-Jahr 2020 wurde vom Verpackungshersteller gut gemeistert, jetzt steht die größte Investition der Unternehmensgeschichte an.
VON ANNA-LENA GRÖNER
Faller Packaging wurde als Verpackungsspezialist für Pharma- und Healthcare-Produkte mit Beginn der Pandemie als „systemrelevant“ eingestuft. Vor allem die erste Jahreshälfte 2020 stellte die Unternehmensgruppe mit insgesamt sieben Standorten in Europa, davon drei in Südbaden, vor große Herausforderungen: „Es kam zu einer überdurchschnittlichen Nachfrage unserer Produkte, da unsere Kunden ihre Sicherheitsbestände hochgefahren haben“, sagte Geschäftsführer Daniel Keesman.
Um dem Bedarf nachzukommen, waren die knapp 500 Produktionsmitarbeiter am Hauptsitz in Waldkirch mit Zusatzschichten im Dauereinsatz, das habe gut funktioniert und Faller sei insgesamt gut durch das vergangene Jahr gekommen, so Keesman: „Der Umsatz an unseren deutschen Standorten ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben, in unseren internationalen Niederlassungen in Polen und Dänemark ist er sogar gestiegen.“
So kann Faller Packaging einen Jahresumsatz von 143 Millionen Euro verbuchen, immerhin ein Plus von 2,2 Prozent. Die Investitionen des Unternehmens fielen im vergangenen Jahr niedriger aus als geplant: statt der vorgesehenen Rekordsumme von 14,5 Millionen Euro, setzte Faller etwa 8,8 Millionen Euro ein und trieb damit die Weiterentwicklung seiner Standorte voran.
Die Pandemie hat auch bei Faller nicht nur die Art des Arbeitens verändert – Homeoffice, neue virtuelle Angebote im Messebereich sowie digitale Interaktionen – sondern auch die Produktnachfrage: so stieg das Interesse an sämtlichem Verpackungsmaterial für Impfprodukte, hingegen sank die Nachfrage bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten. Grund dafür sind beispielsweise weniger Erkältungs- und Grippefälle in den Wintermonaten, verursacht durch Abstand, Maske und „stay at home“-Maßnahmen.
Mehr recyclebare Verpackungen
Die gesteigerte Nachfrage sowie der enge Kontakt von Faller Packaging zu Impfstoff- und Testherstellern habe schließlich im vergangenen Jahr auch zu neuen Produktlinien geführt: zum Beispiel thermo-sensitive Etiketten für gekühlte Impfstoffe oder die „Easy Take Box“, eine platzsparende Faltbox für Corona-Schnelltests, die zusammen mit dem Freiburger Medizintechnik- Unternehmen „Spindiag“ entwickelt wurde.
Beim wirtschaftlichen Ausblick auf das Jahr 2021 bleibt Geschäftsführer Keesman optimistisch: „Im 1. Quartal 2021 liegen wir bereits über unserem Plan.“ Der Geschäftsmann glaubt außerdem an einen steigenden Wachstumsmarkt der EU sowie eine positive Wirtschaftsdynamik durch eine impfbedingte Herdenimmunität.
Auch rechnet Faller Packaging mit einer Sonderkonjunktur: „Wir erwarten, dass im zweiten Halbjahr vor allem in den Hausarztpraxen geimpft wird und es somit verstärkt zu Lieferungen von Einwegspritzen kommt. „Hier sind wir gut vorbereitet“, sagt Daniel Keesman. Durch die frühe Zusammenarbeit mit dem Waiblinger Verpackungstechnik- Unternehmen „Sytegon“ (ehemals Bosch Packaging) kann Faller mit den sogenannten „Eco-Safe-Pack“ bruchempfindliche Produkte umweltfreundlich verpacken, so auch Impfdosen und Spritzen.
„Nachhaltigkeit ist schon lange in der Unternehmenspolitik verankert“, sagte Michael Faller, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. Faller Packaging setze vermehrt auf nachwachsende Rohstoffe, gibt den eigenen Papierausschuss zu 100 Prozent zurück in den Recyclingkreislauf und die Entwicklungsabteilung arbeite stetig an umweltfreundlichen, individuellen Verpackungslösungen. Zum 18. Mal brachte das Unternehmen jüngst seinen Nachhaltigkeitsbericht heraus.
Neubau in Waldkirch
Für die Zukunft hat sich das Unternehmen weitere Projekte vorgenommen, das größte: bis Anfang 2025 möchte Faller am Hauptsitz Waldkirch mit allen knapp 600 Mitarbeitern einen neuen Unternehmenssitz beziehen. Ende April gab der Gemeinderat der Stadt grünes Licht für das Gewerbegebiet „Inried“ im Nordosten der Stadt, das bisher eigentlich als neues Wohn-Bauland vorgesehen war. Hier soll Ende 2022, Anfang 2023 mit dem Faller-Neubau begonnen werden, der etwa drei Jahre Bauzeit in Anspruch nehmen wird.
Die bisherigen Werke 1 und 2 seien „am Ende ihrer Nutzungsdauer und nicht mehr zukunftsfähig“, sagt Michael Faller. Der etwa 300 Meter weite Abstand zwischen den Gebäuden behindere zudem einen effizienten Ablauf. Im nachhaltigen Neubau, geplant vom Architekturbüro „Carré“ aus Gutach, wird alles unter einem Dach vereint: eine einstöckige Produktion mit automatisierter Infralogistik, ein Hochregallager mit insgesamt 7500 Stellplätzen sowie dem Faller Campus, in dem unter anderem die Verwaltung untergebracht wird.
Die Stadt Waldkirch begrüßt den Umzug, versichert Bürgermeister Roman Götzmann: „Wir freuen uns, dass wir Faller Packaging weiterhin in Waldkirch halten können, damit zeigen wir erneut, dass wir eine Stadt zum Wohnen und zum Arbeiten sind.“ Was passiert mit den alten Standorten? Auf dem Gelände des Werk 1 entstehen neue Wohnungen, das wurde bereits beschlossen. Für den zweiten Standort ist ein Mischkonzept aus Gewerbe, Handel und Wohnraum vorgesehen. Auch der Verkaufswert des Altgrundstück muss noch ausgehandelt werden.
Für den Neubau-Invest gibt es hingegen schon eine Hausnummer: mit angedachten 50 Millionen Euro ist es die größte Einzelinvestition in der 140-jährigen Unternehmensgeschichte von Faller. „Eine Größeneinordnung, die einem manchmal ein flaues Bauchgefühl vermitteln kann“, sagte Michael Faller. „Aber wir wissen, dass es die richtige Entscheidung ist, da sie das Unternehmen für die Zukunft weiter gut aufstellt.“