Über drei Stunden täglich verbringen die Deutschen im Schnitt im Internet. Die Browser-Startseite ist dabei meistens eine Suchmaschine, meistens der Marktführer Google. Mit Gexsi gibt es jetzt eine Alternative, mit der jeder einen guten Zweck unterstützen und sogar gezielt Gutes für die Region tun kann.
VON ANNA-LENA GRÖNER
Google hat als Suchmaschine ganz klar die Nase vorn – weiß alles, sieht aber auch alles und merkt sich das. Daten werden gespeichert, Nutzerprofile erstellt und lästige Werbeanzeigen vom letzten Internetshopping verfolgen einen beim Netzspaziergang noch lange.
Tracking nennt sich das und ist vielen Nutzern anscheinend egal – noch. Die Rufe nach mehr Nachhaltigkeit, Sicherheit und Sinn werden auch im Netz lauter. Die Suchmaschine Gexsi möchte unter anderem damit punkten, dass sie keine Daten speichert.
Lediglich woher die Suchanfrage kommt, lässt sich nachvollziehen – und das hat einen guten Zweck. Ein Treffen mit Gexsi-Gründer Andreas Renner. Seine Gründer- Kollegen Kevin Fuchs und David Diallo sitzen in Berlin. Der 52-jährige Renner ist vor drei Jahren aus der Hauptstadt wieder zurück in die Heimat gekehrt.
Positive Wirkung
Im Kreativpark in der Lokhalle in Freiburg hat er einen Platz im Social Innovation Lab – Zentrale regionaler Start-ups, die der Überzeugung sind, dass sozial und wirtschaftlich durchaus Hand in Hand gehen kann. Dieser Überzeugung ist man bei Gexsi.
Das Unternehmen ist B Corp zertifiziert (ein weltweites Netzwerk aus Unternehmen, die Gewinn und positive Wirkung im Gleichgewicht halten. Rechtlich sind sie dazu verpflichtet, Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf alle Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten zu berücksichtigen), hat eine Suchmaschine entwickelt, mit der die Nutzer soziale Projekte unterstützen, ohne selbst in die Tasche greifen zu müssen.
Die Eingabe ins Suchfeld reicht aus. Über die Gexsi-Menüleiste erfahren die Nutzer, welches Projekt aktuell unterstützt wird, alle zwei bis drei Wochen ein neues. „Wir suchen vor allem Projekte aus, denen die Sichtbarkeit hilft“, sagt Renner.
Zudem tragen alle vorgestellten Organisationen zu den 17 UN Zielen für eine nachhaltige Entwicklung bei (Sustainable Development Goals). „Wir wollen mit unserer Suchmaschine den Gründerspirit unterstützen und langfristig die Finanzierungslücke für soziale Unternehmer schließen.“ Zuletzt wurden über 300 Euro für das Freiburger Projekt „Bike Bridge“ erklickt, bei dem geflüchtete Frauen das Fahrradfahren lernen können.
Auch plastikfreie Kaugummis, bezahlbare Sanitäranlagen für die Armutsviertel in Lima und schwimmende Solaranlagen wurden bereits gefördert. Gexsi ist selbst ein Social Business, die kompletten Firmenanteile wurden für einen symbolischen Euro der Stiftung Good Impact Foundation übertragen.
Somit garantiert das Unternehmen, dass 100 Prozent der Gewinne einem gemeinnützigen Zweck zufließen. Jeder Nutzer, der Gexsi als Standard-Suchmaschine einrichtet, erzielt mit seinen Suchanfragen im Schnitt etwa einen Euro im Monat. Davon fließt mehr als die Hälfte in das ausgeschriebene Projekt, der Rest wird für laufende Kosten eingesetzt.
Mit der Seite bw.gexsi.com möchte man außerdem gezielt Projekte aus Baden-Württemberg unterstützen. Das Geld der Suchanfragen, die aus der Region kommen – und das lässt sich nachvollziehen – fließt direkt dorthin.
Aber wie lässt sich mit einer vergleichsweise winzigen Suchmaschine überhaupt Geld verdienen? Dafür hat Gexsi einen Vertrag mit Microsoft abgeschlossen und nutzt die vorhandenen Such-Algorithmen der Bing-Technologie. Durch die Ausspielung von Suchanzeigen werden Werbeeinkünfte generiert.
Diese werden nach dem Modell des so genannten „Revenue Sharing“ mit Microsoft geteilt, „asymmetrisch zu unseren Gunsten“, sagt Renner. Dank so genanntem Affiliate Marketing erzielt das Suchmaschinen Start-up zudem Kaufprovisionen: Wenn ein Nutzer beispielsweise über die Gexsi-Suche auf die Website der Deutschen Bahn gelangt und dort ein Ticket kauft, wird es am Umsatz beteiligt.
Gemeinsam auf der Suche für das Gute
Zwar hat Google weltweit einen Marktanteil von aktuell 87,96 Prozent, aber der Markt sei groß genug. „Zwischen Google und Microsoft sind wir der lachende Dritte“, sagt der gelernte Volkswirt und meint damit die sozialen Suchmaschinen im Allgemeinen. Denn sie kommen an.
Ecosia ist ein gutes Beispiel: Das Unternehmen mit Sitz in Berlin spendet knapp die Hälfte seiner Einnahmen an soziale Naturschutzorganisationen. Dank Suchanfragen und Klicks wurden bereits über 75 Millionen Bäume gepflanzt.
Gexsi möchte mehr Abwechslung bieten und vor allem kleine innovative Sozialunternehmer unterstützen. Im Mai 2018 ging die erste Beta-Version der Suchmaschine an den Start, inzwischen ist man technisch bereit für die große Reichweite und wagt den Schritt in die Öffentlichkeit.
Noch sind es überschaubare 700 Nutzer, die Gexsi als Standardsuchmaschine installiert haben. Alleine sie würden jedoch schon über 90.000 Klicks im Monat generieren. Das erklärte Ziel: Ende 2020 sollen es mindestens 15.000 Nutzer sein, das Jahr darauf deutlich über hunderttausend.
Um mehr Reichweite zu bekommen, setzt das Start-up zudem auf strategische Partner: Unternehmen, Organisationen oder Vereine. Für die Sichtbarkeit der eigenen Marke können mit Hilfe eines Browser-Plug-In das Erscheinungsbild individuell gestaltet, der eigene News Feed integriert und relevante Links als Icons gesetzt werden; Gexsi arbeitet im Hintergrund. Per Link wird die personalisierte Suchmaschine schließlich an alle Mitglieder oder Mitarbeiter verschickt, als Startseite festgelegt und schon tut man gemeinsam Gutes.
Ein Teil der Einnahmen wird dabei von Gexsi direkt für regionale Projekte eingesetzt, der andere Teil – 70 Prozent der durch die Mitarbeiter oder Fans des Partners erzielten Einkaufsprovisionen – fließt dem Unternehmen oder der Organisation zu. „Dass das Geld auch dort für eine gute Sache eingesetzt wird, ist für uns nur logisch“, sagt Andreas Renner. Am Ende gibt es sogar die lachenden Vierten.