Was netzwerk südbaden ausmacht, ist das Thema dieser Ausgabe. Antworten auf diese Fragen gibt es auch von Herausgeber Daniel Schnitzler und Anzeigenchef Philipp Anton. Seit der ersten Ausgabe von netzwerk südbaden sind sie beim Magazin dabei. Ein Gespräch über Wandkalender, Finanzen und österreichische Ableger.
INTERVIEW: DANIEL RUDA
Wenn ihr an die Anfangstage von netzwerk südbaden zurückdenkt, was kommt euch da in den Sinn?
Daniel Schnitzler (DS): Als wir angefangen haben, hatte ich mit dem Thema Zeitschriften und Journalismus gar nichts am Hut. Ganz ehrlich: Ich habe auch damals gar nicht so richtig gewusst, was wir da inhaltlich im Heft machen. Da habe ich auf meinen damaligen Mitgesellschafter Markus Hemmerich vertraut. Aber ich habe gedacht, das könnte ein spannendes Projekt sein, weil es nichts Vergleichbares gab. Es war einfach komplett neu für mich.
Philipp Anton (PA): Ich muss an meinen ersten Arbeitstag fürs netzwerk denken. Ich bin in einen kleinen Raum gesetzt worden, da stand eine Palme, ein Schreibtisch, ein Stuhl und ein Monitor ohne Rechner drin …
DS: Das war ein sehr schönes Büro, Philipp (lacht)

PA: Es hing auch noch ein Kalender an der Wand. Dann hieß es, ich soll loslegen und Umsatz machen. Und dann saß ich da. Nach ein paar Stunden ist Daniel wieder reingekommen mit „Wie ist die Lage?“, seiner Standardfrage, die stellt er heute noch jedes Mal, wenn er ins Büro kommt.
Ich habe mir eine Liste mit meinen Wunschkunden gemacht, die ich für uns gewinnen wollte. Und dann habe ich halt losgelegt. Bei der ersten Ausgabe des Magazins lag der Anzeigenumsatz bei gerade einmal 7000 Euro.
Wenn wir weiter Gas geben, könnten wir am Ende dieses Geschäftsjahres zum ersten Mal die Million schaffen. Das ist ein Ziel.
Wir fragen unsere Gesprächspartner im Heft immer nach Umsatzzahlen und freuen uns über Transparenz. Also…
PA: Verglichen mit den 7000 Euro von damals liegen wir heute im monatlichen Schnitt bei mehr als dem Zehnfachen.
DS: Wenn wir weiter Gas geben, könnten wir am Ende dieses Geschäftsjahres zum ersten Mal die Million schaffen. Das ist ein Ziel. Weil wir inzwischen auch einen ordentlichen Kostenapparat haben, bedeutet viel mehr Umsatz im Umkehrschluss aber nicht automatisch auch viel mehr Ertrag.
Guter Journalismus und gutes Design
Das netzwerk südbaden als kleines regionales Wirtschaftsmagazin mit einer Auflage von aktuell rund 6000 funktioniert also am Markt. Was hat zu dieser positiven Entwicklung geführt?
DS: Der gute Journalismus und das Design des Produkts sind essenziell. Da haben wir riesige Sprünge gemacht im Vergleich zu früher, als das Heft, seien wir ehrlich, richtig krautig ausgesehen hat und die inhaltliche Ausrichtung auch eine ganz andere war. In den Anfangstagen war das netzwerk südbaden noch eher als Informationsdienst gedacht. Wir haben mit der Zeit aber gemerkt: Umso besser die Themen und Texte sind, umso schöner das Layout, umso besser die Haptik, desto positiver fällt das Feedback aus.
Welche Investitionen hat es dafür gebraucht?
DS: Schlicht gesagt: Investitionen in Qualität. Das heißt zum einen, eine Redaktion aufzubauen, die aus mehr als einer Person besteht, sowie eine inhouse-Grafi k und gute Fotografen zu installieren. Wir haben also unser Team vergrößert und sind vor rund einem Jahr auch in ein größeres Büro gezogen.
Zum anderen ist uns auch die Ausstattung unseres Produktes wichtig. Wir haben auf hochwertiges Papier umgestellt. Sind von einer Rückendrahtheftung auf Klebebindung gewechselt. Das alles macht die Produktion erheblich teurer. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass sich das auszahlt. Hinzu kommt, dass wir drumherum für die Kunden viel machen.
Netzwerk Treffen
Der Name netzwerk südbaden soll ja auch Programm sein. Wie lässt sich dieser Ansatz verfolgen?
PA: Das hat auch in dem kleinen Büro aus den ersten Tagen seinen Ursprung. Den Wandkalender habe ich damals genommen, umgedreht und das Heft in die Mitte gemalt. Dann habe ich überlegt, was drumherum passieren kann oder muss, damit wir Kunden langfristig an uns binden. Denn solche Dauerbrenner, die mehrere Anzeigen hintereinander schalten, sind für uns überlebenswichtig. „Netzwerk-Treffen“ war ein Begriff, den ich aufgeschrieben habe.
Daraus entstand die Idee, mehrere Kunden und Interessierte zusammen zum Essen einzuladen und andere kleine Aktionen zu starten, damit alle sich kennenlernen und austauschen können. Am Anfang war eine Handvoll Leute dabei, dann wurden es zehn, dann zwanzig und dann noch mehr.
DS: Wir haben das Konzept weiterentwickelt und aus diesen Netzwerk-Treffen dann Business-Talks gemacht. Die Sache also mit fachlichem Inhalt gefüllt. Wir suchen uns dafür Unternehmen aus, die zu unseren Kunden zählen, und bei denen machen wir eine Veranstaltung zu einem bestimmten Thema. Mit Referenten oder Podiumsdiskussionen und einem schönen Rahmenprogramm samt Bar oder Foodtrucks.
PA: Neben kleineren Treff en und Aktionen, die mir immer noch sehr wichtig sind, sind es vor allem diese größeren Events, die sensationell ankommen. Es geht uns dabei vor allem darum, dass wir unseren Kunden eine Plattform bieten, auf der sie sich mit anderen Geschäftspartnern in der Region vernetzen können. Sie sollen einen Mehrwert davon haben.
DS: Die größte Veranstaltung war bislang in Emmendingen im Autohaus Schmolck im Jahr 2017, da sind über 200 Unternehmerinnen und Unternehmer gekommen.
PA: Wir standen da, haben uns die Ellenbogen gegenseitig vor Freude in die Seiten gedrückt. Schau mal, der ist da. Schau mal, die sind gekommen.
DS: Umso digitaler alles um uns herum wird, desto wichtiger ist es, dass die Leute sich face to face kennenlernen. Leute untereinander zu vernetzen ist für uns ein wichtiger Teil von netzwerk südbaden. Das kostet uns Zeit und Geld, aber die Kunden geben uns das auf Dauer zurück, indem sie das Heft mit Anzeigen unterstützen und Abonnements abschließen. Die Basis von diesem ganzen Tun ist eben unser Heft. Umso besser das ist, umso besser funktioniert auch der Rest.
Ein harter Ritt
Habt Ihr auch mal Zweifel?
DS: Andauernd. Das ist wirklich so. Print wurde ja schon so oft totgesagt. Wir sind noch am Leben und uns geht es gut, aber trotzdem hat man das alles im Hinterkopf und fragt sich, was passiert, wenn wichtige Kunden aus irgendwelchen Gründen kein Geld mehr in Anzeigen auf Papier stecken wollen.
Zudem ist die Produktion jeder Ausgabe vor allem in der Endphase für unsere kleine Redaktion um Rudi Raschke herum, für unsere Artdirectorin Ann-Kristin und für Philipp jedes Mal ein harter Ritt. Da gibt es immer wieder Situationen, wo man einfach nur hoff t, dass es wieder gut ausgeht.
PA: Für mich ist es jeden Monat ein Kampf, genug Umsatz mit Anzeigen zu erwirtschaften, damit wir unsere Kosten decken und Gewinne erwirtschaften können. Aber das gehört dazu, und es klappt am Ende dann doch fast immer. Ich bin sowieso ein notorischer Optimist.
DS: Am Anfang vom Monat setzen wir uns immer ein Umsatzziel. Manchmal ist es so, dass eine Stunde vor Drucklegung die letzte Anzeige reinkommt, mit der wir das Ziel erreichen. Es ist jetzt nicht so, dass wir ab Mitte des Monats da sitzen und sagen: Läuft.
PA: Das gab es noch kein einziges Mal.
netzwerk tirol
Welche Ziele setzt sich das netzwerk für die nächsten Jahre?
DS: Wir wollen neue Geschäftsideen entwickeln, mit denen wir uns auf ein breiteres Fundament stellen können. Wir sind zum Beispiel dabei, das Thema Weiterbildung unter unser Dach zu bekommen, indem wir Seminare von Coaches aus der Region anbieten werden. Dann haben wir mit netzwerk südbaden Corporate eine eigene PR-Abteilung für Native Ads und PR-Advertorials aufgebaut, die vor allem für unsere neue Website aktiv sein wird.
Diese wollen wir nicht mit riesigen Werbebannern zupflastern, sondern mit PR-Geschichten monetarisieren. Dann probieren wir uns gerade auch am Thema Podcast aus. Ich bin gespannt, wie das alles funktionieren wird. Und zudem bringen wir bereits seit März mit netzwerk tirol ein Magazin nach Südbadener Vorbild heraus, das mit einer eigenen Redaktion und Mediasales in Innsbruck ebenfalls monatlich erscheint.
Warum gerade in Tirol?
DS: Wir haben gerade zu Tirol viele gute, auch freundschaftliche Beziehungen, unter anderem zu Professor Stephan Laske, einem Volkswirten an der Universität Innsbruck. Gerade er hat immer mit großem Interesse die Entwicklung von netzwerk südbaden verfolgt und wir kamen in vielen Gesprächen zu dem Ergebnis, dass ein vergleichbares Organ auch in Tirol laufen kann. Die ersten Ausgaben funktionieren recht vielversprechend.
PA: Wir haben bereits einen Anzeigenkunden, der in Südbaden und in Tirol schaltet.
Zum Schluss: Etabliertes Wirtschaftsmagazin oder Start-up auf dem regionalen Medienmarkt, wohin schlägt das Pendel nach fünf Jahren netzwerk südbaden aus?
DS: Etabliertes Start-up, würde ich sagen. Das macht sich in der Arbeitsweise, im Umgang und an der Struktur bemerkbar. Es ist einfach noch handgestrickt, was wir hier machen. Und das mag ich auch. Mit unserer Art haben wir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, die vielleicht etwas schwerfälligere Strukturen haben.
Wir sind viel beweglicher und wir müssen als Monatsmagazin auch nicht mit anderen konkurrieren, bei denen es eher darum geht, eine Nachricht möglichst schnell zu verbreiten. Unglaublich wichtig ist es, dass wir mit unserem Stil am Ende einen qualitativ hochwertigen Journalismus mit spannenden Inhalten in einem schönen Heft bieten, das einen ganz eigenen Blick auf die Region wirft.
PA: Wir sind ein cooles kleines Team, in das jeder seine Stärken richtig einbringt. Und das macht es dann möglich, dass wir es hinbekommen, jeden Monat ein Heft mit regelmäßig mehr als 100 Seiten zu produzieren. Es ist schon eine besondere Konstellation von Charakteren. Wir haben in diesen fünf Jahren etwas Gutes aufgebaut. Wir leben diesen netzwerk-Gedanken wirklich.
DS: Wir glauben alle an dieses Produkt. Ich freue mich sehr, wenn wir netzwerk südbaden stetig voranbringen und unsere Leser und Anzeigenkunden weiter dafür begeistern können.

