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Iris Wolff: „Bücher sind Schatzkammern gegen das Vergessen.“

  • 8. Januar 2021
Iris Wolff netzwerk südbaden
„Das Leben, das wir schützen wollen, will auch gelebt sein.“ Iris Wolff hofft darauf, nächstes Jahr ihre Leser wieder persönlich treffen zu können. Foto: Annette Hauschild/Ostkreuz
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Die in Freiburg lebende Schriftstellerin Iris Wolff legt in diesem Jahr einen viel beachteten Roman vor. Feiern muss sie allerdings ohne ihr Publikum. Ein Gespräch über den Sinn des Lesens, die Kraft der Literatur und die Qualität von Heimat in Zeiten von Corona.

INTERVIEW: CHRISTINE WEIS

Ende August erschien Ihr Buch „Die Unschärfe der Welt“. Es begeistert Leser und Literaturkritiker gleichermaßen, es war auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und für den Wilhelm-Raabe-Preis nominiert. Ein Buchstart, wie er besser nicht sein könnte, wäre da nicht die Pandemie. Wie sind Sie durch dieses Jahr gekommen?

Obwohl ich es eigentlich besser weiß und versuche, mir über die Zukunft keine allzu festen Bilder zu machen, so ziehe ich doch immer wieder in Vorstellungen ein. Wenn ich an diesen Herbst gedacht habe, habe ich mir die Buchmesse vorgestellt, die Lesereisen, all die Orte und Menschen, die ich kennenlernen kann – und dann kam alles anders. Zunächst sah es so aus, als bliebe mein Buch verschont, ich habe mitgefühlt, mit meinen Kolleginnen und Kollegen, deren Bücher im Frühling herausgekommen sind, und teilweise nicht eine einzige Lesung hatten. Zwischen August und Oktober konnte ich vierzehn Veranstaltungen realisieren, alle mit viel kleinerem Publikum, aber immerhin. Als dann der zweite Lockdown kam, war ich demoralisiert. Die Kultureinrichtungen haben über Wochen Hygienekonzepte erarbeitet, die Lesungen liefen geordnet ab, und dann wurden Kunst- und Kultureinrichtungen mit Freizeiteinrichtungen gleichgesetzt und von einem auf den anderen Tag geschlossen. Mich hat das betrübt und auch wütend gemacht. Aber mir geht es zum Glück noch gut, mein Roman findet viele Leserinnen und Leser, was nicht zuletzt an meinem wunderbaren neuen Verlag liegt.

Das Virus treibt die Menschen auseinander und zwingt sie zu Hause zu bleiben. Literaturkritikerin Sigrid Löffler empfiehlt, zum Buch zu greifen, lesen sei ja ungefährlich. Kann Lesen ein guter Krisenbegleiter sein?

„Könnte ein größeres Wunder geschehen, als dass wir für kurze Zeit durch die Augen eines anderen zu sehen vermöchten?“, schreibt Henry David Thoreau in „Walden“. Literatur wohnt die Möglichkeit inne, unterschiedliche Standpunkte auszuprobieren. Gute Geschichten und Gedichte schulen die Fähigkeit, Unterscheidungen in der eigenen Lebenswelt vorzunehmen. In einem Buch leiht mir jemand buchstäblich seine Augen, und lässt mir dabei sowohl die Freiheit als auch die Zeit, mich dazu in Beziehung zu setzen. Zwischen der ersten und der letzten Seite liegt jedes Mal aufs Neue die Erfahrung, dass das, was ich habe oder mir wünsche, nicht selbstverständlich ist, Gewissheiten, materieller Wohlstand, körperliche Unversehrtheit. Lesen hat mit Wagemut zu tun. Es bedeutet Überschreiten – der eigenen Grenzen, des eigenen Horizonts. Natürlich liest man auch zum Zeitvertreib, weil Lesen unbestreitbar Lustgewinn ist. Erzählen übrigens auch!

Bene, eine Figur in „Die Unschärfe der Welt“, führt einen Buchladen. Er hat für jede Lebenslage einen Buchtipp. Am liebsten wäre ihm allerdings, jeder Kunde würde ein Buch von seinem persönlichen Empfehlungstisch mitnehmen. Ist das auch eine Liebeserklärung an den Buchhandel, dem die Kunden heute ins Internet entgleiten, wo nicht ein Mensch, sondern Algorithmen Empfehlungen geben?

Unbedingt! Ich liebe die digitalen Möglichkeiten, und will nicht ohne leben. Aber ist es nicht abstrus, bei wie vielen täglichen Belangen wir inzwischen auf den persönlichen Kontakt verzichten? Ich möchte in einen Laden gehen, „Guten Tag“ sagen, kurz plaudern – egal ob ich Bankgeschäfte erledige oder ein Buch kaufe. Mein Lieblings-Buchhändler, Michael Schwarz in Freiburg, kennt meine Lesevorlieben, hat Tipps, weist mich auf Bücher hin, die ich sonst nicht entdecken würde. Er nimmt Anteil an meinem Leben als Autorin, hat einen Rat, wenn es, wie in diesem Herbst von der Longlist nicht auf die Shortlist weitergegangen ist, weil er den Literaturbetrieb, den Markt, von einer anderen Seite her kennt. Ich bin dankbar, dass die Menschen in diesem Jahr dafür gesorgt haben, dass es den lokalen Buchhandel noch gibt. Und ich möchte – passend zu dieser Jahreszeit – wiederum Bene zitieren, der sich über alle freut, die wissen, dass Bücher ganz und gar ausreichende Weihnachtsgeschenke sind.

Alle Ihre Romane spielen in Rumänien in Siebenbürgen oder im Banat, wo sie aufgewachsen sind. Welche Rolle spielt dieser Ort Ihrer Kindheit und was bedeutet Freiburg für Sie, der Ort, wo Sie seit 2013 leben?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Geschichten mich nicht mehr an die Orte meiner Herkunft führen. Dafür ist die Sehnsucht nach diesem Landstrich zu groß. Als Kind habe ich mir immer wieder alles in Erinnerung gerufen, das Licht, die Gerüche, die Häuser, Gärten und Menschen, damit ich nichts vergesse. Heute kann ich schreibend an diesen verlorenen Orten anwesend sein, besser noch, ich weiß, dass meine Leserinnen und Lesern auch durch sie hindurchgehen. Letztlich sind es vielleicht symbolische Orte, die dazu beitragen, dass man als Leserin, als Leser den Figuren nah sein kann. Gleichzeitig freut es mich, dass die Welt, die ich beschreibe, immer größer wird. Mein dritter Roman „So tun, als ob es regnet“ endet auf La Gomera, das aktuelle Buch verhandelt durch den Fall der Mauer auch Deutsche Geschichte, spielt in Berlin, an der Nordsee und in Stuttgart. Aber leben möchte ich augenblicklich nirgendwo sonst als in Freiburg. Heimat ist eben nicht nur der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Es bedeutet, von Menschen umgeben zu sein, die man liebt. Bedeutet, bestimmte Qualitäten ins Leben einzuladen, für die man sich entschieden hat.

Die Stadt hat Ihnen dieses Jahr das Stipendium des Reinhold-Schneider-Preises verliehen. Auch dieser Festakt konnte nicht stattfinden. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Es ist nicht selbstverständlich, in seinem künstlerischen Schaffen von der eigenen Stadt wahrgenommen und geschätzt zu werden. Oftmals ist es leichter, in der Fremde Anerkennung zu finden – und nichts ist aufregender, als in der Stadt zu lesen, wo einen die Menschen auch in anderen Rollen kennen. Ganz besonders macht diese Auszeichnung, dass damit an einen Ehrenbürger der Stadt erinnert wird, der sich der Suche nach der Wahrheit verschrieben hat, in seinen Geschichten Geschichte transzendiert. Bücher sind Schatzkammern gegen das Vergessen, und so ein Stipendium, so ein Preis, setzt einen in eine bestimmte Tradition. Ich empfinde das als Ehre und freue mich auf den Festakt, der im nächsten Jahr nachgeholt wird. Wagen Sie einen Blick ins nächste Jahr. Wie groß ist Ihre Hoffnung, bald wieder persönlich mit Ihren Lesern zu interagieren? Ich gehe davon aus, dass dies irgendwann im Frühling wieder sein darf. Besser: sein muss. Das Leben, das wir schützen wollen, will auch gelebt sein.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten …

Dann würde ich mir wünschen, dass wir die Sprache der Natur wieder lernen, uns verbinden, mit dem, was uns umgibt.

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