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Startup: Gründerzeit 2.0

  • 25. Februar 2019
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Innovation an der Uni Basel, Simon Ittig. Foto: Christian Flierl/Uni Basel
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Ein Blick auf die Startup-Szene in Basel ist vor allem einer auf wissenschaftliche Forschungsarbeit im medizinischen Sektor Life Sciences. Darunter findet sich auch das beste Startup Europas. Eine Übersicht zu einem Investions-Wachstum um 72 Prozent.
Von Daniel Ruda
Lebende Bakterien so zu modifizieren, dass sie in Tumoren wachsen, dort Wirkstoffe direkt in Zellen freisetzen und dem Immunsystem dabei helfen, Krebs zu bekämpfen. Ziemlich kurz gefasst ist damit der komplexe Ansatz von T3 Pharma umschrieben, einem vor vier Jahren aus Laboren der Basler Uni heraus gegründeten Startup. Vor drei Monaten ist es in Berlin auf der renommierten Falling– Walls-Wissenschaftskonferenz zum „2018 Science Start-Up of the Year“ gekürt worden.
Es steht somit gerade an der Spitze von Basler Jungunternehmen im Bereich der sogenannten Life Sciences, einem Mix aus Biologie, Biomedizin und Biotechnologie. Aufgrund der in Basel ansässigen großen Pharmaunternehmen dominiert diese Sparte auch die Startup-Szene. „Es ist noch ein wenig zu früh, um über die zählbaren Folgen dieser Auszeichnung sprechen zu können“, sagt Simon Ittig, CEO von T3 Pharma.
Sich über die Schweizer Grenze hinaus in einem guten Licht zu präsentieren, das sei erst einmal das Ziel vor der Teilnahme am internationalen Wettbewerb gewesen. Das wurde erreicht, ob dadurch weitere Investoren ins Geschäft einsteigen werden, müsse sich nun zeigen, erzählt der 36-jährige weiter. Die Gründung des Startups vor vier Jahren geht auf die Forschungsarbeit des Schweizers gerade nach seinem Doktortitel in Mikrobiologie zurück. Das war 2012, seither ist viel geschehen.
Diverse Stiftungen und eine kleine Gruppe von privaten Investoren haben bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Schweizer Franken in die Forschungsarbeit des Teams investiert, das mit der Anzahl seiner Stammkräfte keine Fußballmannschaft stellen könnte. In einem Jahr sollen an Krebspatienten erste klinische Studien durchgeführt werden, in diesem Zug wird es weitere solche Millionenbeträge benötigen. Ziel und Hoffnung ist, dass sich das Potenzial des Therapieansatzes bewahrheitet und irgendwann die Marktreife dafür erlangt wird.
„Bis dahin dürfte wohl ein dreistelliger Millionenbetrag in unserer Idee stecken“, sagt Mikrobiologe Ittig zum Blick in die Zukunft und spricht von „High Risk, High Benefit“ für die Investoren. Das sei normal auf diesem medizinischen Gebiet, auf dem es gerade für Jungunternehmen langen Atem brauche. Die Grundlagen sind jedenfalls geschaffen, um das investierte Geld zu verzigfachen. Ohnehin wird auch in der Schweiz immer mehr in Startups investiert.
Das zeigt der Ende Januar von der Plattform startupticker.ch herausgegebene Swiss Venture Capital Report. Darin ist zu lesen, dass im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Franken in Schweizer Startups investiert worden sind. Mit einem 32-prozentigen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl auf 1,24 Milliarden Euro (zum Vergleich: Im Kanton Zürich landeten davon alleine 515 Millionen, in Basel waren es 142 Millionen Franken – mächtige 72 Prozent Zuwachs.
Fast neun von zehn Franken flossen am Rhein in die Sparte Life Sciences. „100 Millionen Franken davon sind allein in drei Startups geflossen“, so Stefan Kyora, Chefredakteur von startupticker.ch. Dieser Sparte hat sich auch Basel Area Swiss, ein öffentlich finanzierter Verein zur Wirtschaftsförderung in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Jura verschrieben. 120 Startups wurden im vergangenen Jahr unterstützt, angefangen mit Workshops und Seminaren, Beratung von spezialisierten Mentoren aus der Wirtschaft oder Förderungen von bis zu 250.000 Franken für die aus Sicht einer Jury interessantesten Jungunternehmen in den drei Schwerpunktbereichen Biotechnik, Gesundheitswesen und Produktionstechnologien.

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Der Technologiepark Basel befindet sich im sogenannten Stücki Park, dem Herz eines modernen Quartiers im Norden Basels. Foto: Alexander Dietrich
Sprecher Thomas Brenzikofer bringt vor allem auf den Punkt, dass in sogenannten Accelerators (sinngemäß: „Beschleunigern“) mit austarierten Förderprogrammen, „die nächste Generation erfolgreicher Jungunternehmen an die Region Basel gebunden werden soll“. Mit dem Technologiepark Basel gibt es eine weitere Institution, die dieses Ziel verfolgt. Derzeit haben sich dort insgesamt 24 Tech-Startups, der Name des ebenso öffentlich finanzierten Technologieparks ist Programm, mit insgesamt rund 140 Mitarbeitern in dem modern geschnittenen Gebäude zu moderaten und flexiblen Konditionen Büros und Labore eingemietet.
„Die meisten der CEOs der Startups sind dabei Deutsche, es ist nur ein Schweizer dabei“, erzählt Geschäftsführerin Nina Ryser in Bezug auf den Faktor Grenznähe. Vor allem im Pharmabereich würden viele Deutsche in der Schweiz ihr Geld verdienen, das sei auch in Sachen Startups inzwischen so. Anders aufgestellt ist dagegen die privatwirtschaftlich finanzierte Startup Academy Basel, dort ist das Feld an Startups breiter gestreut.
Aktuell werden 85 Jungunternehmen beim Aufbau ihrer Geschäftsidee unterstützt, die für eine Gebühr von 80 Franken im Monat unter anderem Coworking-Plätze nutzen können und zwei Jahre lang einen Mentoren an die Seite gestellt bekommen. Dem Bereich Life Sciences ist dort nur ein Viertel der Jungunternehmen zuzuordnen. Vor allem kleinere Geschäftsideen mit Alltagsbezug finden sich hier wieder. Stop in Basel ist so ein Beispiel, ein Projekt zum Fahrradtourismus in der Stadt, das 2020 an den Start gehen soll.
Der in Basel lebende Südafrikaner Albert Louw, einer der drei Gründer, schwört auf die Unterstützung durch die Academy: „Wie viele kleine Startups machen wir das ja neben unserem Hauptberuf, und deshalb ist die Unterstützung mit den Workshops und vor allem mit dem guten Mentor für uns sehr wichtig“. Seit 2010 gibt es die Startup Academy, 190 Jungunternehmen sind bis heute begleitet worden, mehr als 90 Prozent von ihnen bestehen noch, 500 Arbeitsplätze haben sich daraus ergeben, erzählt Vizepräsident Florian Blumer.
„Als gemeinnütziger Verein haben wir inzwischen eine sehr gute Vernetzung mit der Wirtschaft erlangt“, die gehe inzwischen auch über Basel hinaus. So soll aus der Startup Academy Basel mit Hilfe eines Förderfonds der Migros-Gruppe im kommenden Jahr sogar die Startup Academy Swiss mit mehreren Standorten entstehen. „Startups sind einfach allgegenwärtig“, fasst es Blumer zusammen.

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