Einer der Stifter-Schauplätze, bei denen man in der Region am meisten ins Staunen kommt? Der liegt mit Sicherheit dort, wo die Stiftungen der Erzdiözese Freiburg verwaltet werden.
VON RUDI RASCHKE
Überraschend ist weniger das Vermögen von einer Milliarde Euro, über das die Stiftungen alleine 20 bis 21 Millionen Euro Überschüsse erwirtschaften und jährlich 15-17 Millionen Euro zur Ausschüttung bringen – überraschend ist vielmehr der Umgang der Stiftung mit Transparenz, modernen Strukturen, auch mit innerkirchlichen Debatten um die Geldanlage.
Johannes Baumgartner verwaltet die sieben Stiftungen als Stiftungsvorstand im gesamten Raum der Erzdiözese, bis weit ins Nordbadische und ins Schwäbische reichen die Adressen. Seit 2017 gibt es die „Stiftungen der Erzdiözese“ als „Dach“ eines Organigramms, das neu aufgestellt wurde und seither auch eigenverwaltet wird.
„Wir sind Teil des Ordinariates, aber wir sind ausgegliedert und rücken in eine größere Selbstständigkeit“, sagt Baumgartner über die rechtlich eigenständigen Stiftungen. Diese Selbstständigkeit findet ihren Ausdruck auch im neuen Gebäude, dass er und seine Mitarbeiter im Herbst nächsten Jahres beziehen können.
Am Freiburger Hauptbahnhof entsteht gerade die Neubebauung des Volksbank-Areals mit der neuen Bankzentrale, einer neuen Aula des St.Ursula-Gymnasiums und eines Hotels. In Bauherrengemeinschaft der Freiburger Schulstiftung, der Volksbank und des Breisgauer Katholischen Religionfonds. Nach der Fertigstellung des fünfgeschossigen Gebäudeteils an der Ecke Rosastraße werden hier dann auch die Stiftungsgelder und -inhalte verwaltet, bisher geschieht das noch im kirchlichen Mittelpunkt der Stadt, hinter dem Münster an der Schoferstraße.
Vorreitern unter den Bistümern
Sieben Kirchenstiftungen, die in einem Bau des Hamburger Architekten Hadi Teherani verwaltet werden – der Wettbewerb war einer der am prominentest besetzten in den vergangenen Jahren in Südbaden – das lässt aufhorchen. Auch weil die rund 300 Jahre alte Stiftung der Kirche als Bauherr mit diesem Thema erstmal stärker in der Öffentlichkeit Beachtung fand.
Was Johannes Baumgartner nicht unrecht ist, weil die neue Ausrichtung auch ein verändertes Potenzial und eine neue Problematik kirchlicher Stiftungen reflektiere, wie er erklärt. Einerseits vor dem Hintergrund gesunkener Kirchensteuereinnahmen und zunehmender Austritte – eine große Pfarrpfründe-Stiftung kümmert sich um das Gehalt der künftigen Priester.
Aber auch weil eine transparente Aufbereitung und ein Marketing für Kirchen-Stiftungen das Vermögen durch Nachlässe und Zustiftungen mehrt. Der Erzbischöfliche Stuhl ist überhaupt erst seit vier Jahren eine Stiftung des öffentlichen Rechts, aus deren Vermögen unter anderem die Besoldung und die Kosten der Amtsführung der Erzbischöfe bestritten werden, andernorts tun dies vereinzelt noch die Länder.

Foto: Volksbank
Zugleich sind mit einer neuen Satzung vom Sommer 2019 weitere Schritte ergriffen worden, um das Vermögen der Diözese von dem der Stiftungen zu entzerren. Freiburg zähle mit der Aufgliederung zu den Vorreitern unter den Bistümern. Zum Aufbau eigener Strukturen gehört eine eigene Aufsicht, wenn auch nicht die des Regierungspräsidiums.
Aber eben auch ein Aufsichtsrat, der komplett von außen besetzt ist. Für ein jahrhundertealtes Unternehmen stellt sich der Stiftungsbereich der Kirche recht zeitgemäß auf: Zu den Anlagen der Stiftungen gehören auch Solarparks links und rechts der Autobahn A5 im Mix mit Immobilien, „deswegen gibt es uns noch“, sagt Baumgartner. Er spricht selbstironisch von „langweiligen Dingen“, wenn es um Anlagen wie Verpachtungen, Mietshäuer oder Erbbaurechte geht.
Stiftungsrückgrat Erbbaurecht
Aber er weiß, dass gerade Letzteres eines der angesagten Themen ist, wenn es darum geht, die Mieten-Misere in den Städten anzugehen. In den sieben Stiftungen werden rund 9000 Erbbaurechte verwaltet, die ältesten aus den 30er-Jahren, manche wurden in den 90er-Jahren erstmals erneuert, inzwischen sind sie meist auf 99 Jahre angelegt.
„Sie stellen unsere wichtigste stabile Einnahmequelle dar“, sagt Baumgartner. Auch ein kreatives Grundstücksmanagement gehört dazu – seit Jahren wird in der Nachbarschaft um großzügige Kirchenareale und Pfarrhäuser geprüft, ob sich noch mit Wohnungsbau verdichten lässt. Natürlich wirbt die Kirche auch darum, dass Einzelpersonen ihren Nachlass oder Teile davon an kirchennahe Stiftungen vererben.
Etwa 12 Gespräche mit Privatleuten, die an die Stiftungen herantreten, führe er pro Jahr, sagt Baumgartner. Auch Stiftungen mit Privatnamen sind unter dem Dach der Erzbistums- Stiftungen möglich. Die Gründe fürs Vererben? Mal soll die Renovierung einer heimischen Kirche unterstützt werden, mal seien es generell religiöser Bezug und Vertrauen in die Kirche.
Baumgartner sagt dies und spricht selbst auch den Vertrauensverlust an, den andere dagegen in der Kirche erleben. Ihm ist sichtlich daran gelegen, ein sauber berichtendes, sozial-nachhaltiges Stiftungs-Management anzubieten. Neben den Solarparks sind dies erschwingliche Wohnungen zum Preis von durchschnittlich gut 8 Euro pro Quadratmeter.
„Als Stiftung sind wir dem Gemeinwohl verpflichtet und auch, dass wir beim Anlegen in den Spiegel schauen können. Wir bauen landauf, landab Wohnungen. Sind wir jetzt verpflichtet, damit das Maximale rauszuholen für einen hohen Ertrag für soziale Zwecke? Ich denke nein.
Wir haben hier die Verpflichtung, Erträge zu erwirtschaften, aber auch fair zu sein, christlich-sozial.“ Das sagt Johannes Baumgartner mit Blick auf den einen oder anderen Diskurs, ob kirchliche Organisationen am einen Ort den Profit optimieren müssen, um andernorts Gutes tun zu können. Auch dies gehört zu den zeitgemäßen Fragen, denen sich die Stiftung der Erzdiözese stellt.