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Tüftlertum aus Lahr – das Unternehmen Hans Fleig

  • 1. Januar 2020
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Kunststoffgranulat rein, gewünschtes Produkt raus: in der neuen Produktionshalle arbeiten 27 Maschinen im Dauereinsatz. Foto: Peter Hölzle
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Als andere der Wirtschaftskrise zum Opfer fielen, hat die Hans Fleig GmbH in Lahr in neue Technologien Zeit und Geld investiert. Nach 50 Jahren Firmenjubiläum ist das Unternehmen heute ein erfolgreicher Hidden Champion der Region.

VON ANNA-LENA GRÖNER

Der Oskar des Mittelstandes steht zwischen der Weihnachtsdeko auf dem Empfangstresen des Unternehmens. Nachdem die Hans Fleig GmbH zum vierten Mal in Folge für den „Großen Preis des Mittelstandes“ nominiert war, ging die Auszeichnung in diesem Jahr endlich nach Lahr.

„Besonders nachhaltiger und innovativer Weltmarktführer“, dürfen sich Wolfgang Isenmann und seine drei Geschäftspartner seither auf die Fahnen schreiben. Das Besondere: für diese Auszeichnung nominieren sich die Unternehmen nicht gegen eine hohe Startgebühr selbst, sondern werden von anderen Mittelständlern vorgeschlagen.

Die Hans Fleig GmbH hat ihre Nominierung in diesem Jahr der Volksbank Ortenau und der ONI-Wärmetrafo GmbH zu verdanken. „Dabei sind wir nicht einmal Kunde der Volksbank“, sagt Isenmann und lenkt den Blick von der Trophäe auf die eigentlichen Auszeichnungen des Unternehmens: in einer Glasvitrine im Eingangsbereich wird die ganze Erfolgsgeschichte präsentiert.

Die Fleig Produkte

„Bis in die 90er Jahre hieß es immer: je kleiner desto Fleig“, sagt der Geschäftsführer und deutet auf das mittlere Fach in dem technische Kleinteile ordentlich nebeneinander liegen. Das Unternehmen baut und konstruiert seit 1968 Spritzgießwerkzeuge. Die Kernkompetenz ist der technische Kunststoffspritzguss.

Anfangs vor allem für Kunden aus der Automobil- und Elektrobranche, seit der Wirtschaftskrise hat man sich breiter aufgestellt und neue Kunden aus weiteren Branchen dazugewonnen. Besonders zwei Entwicklungen brachten das Lahrer Unternehmen weit nach vorne: der Zündspulenkörper und die Dünnwandtechnologie.

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Mit mutigen Projekten und Investitionen treiben die vier Geschäftsführer die Hans Fleig GmbH voran: Thorsten Braun, Bernhard Vetterer, Wolfgang Isenmann und Edmund Barth (v.li.). Foto: Hans Fleig GmbH

„Ich weiß noch sehr gut, als wir 2005 mit den Zündspulenkörpern angefangen haben. Damals kam ein Materialproduzent, der spezielle Kunststoffe für diese Spulen herstellt, auf uns zu und sagte: ‚Herr Isenmann, wir hatten schon einige, die sich daran die Zähne ausgebissen haben‘.

Irgendwann, bei einem nächsten Messebesuch, meinte er: ‚Respekt, solche Wadenbeißer wie Fleig brauchen wir mehr in Deutschland‘. Das war für uns der Startschuss für die Zündspule“, sagt Isenmann.

Inzwischen ist Fleig Allein-Lieferant für den amerikanischen Automobilzulieferer Borg Warner und liefert 12 bis 14 Millionen Zündspulenkörper im Jahr direkt an die Bänder. Wolfgang Isenmann zeigt auf die Spulen, die im obersten Vitrinenfach ausgestellt sind.

Den Lahrer Geschäftsmännern kam der Diesel-Skandal beinahe wie gerufen, schließlich sind solche Zündspulen unverzichtbare Bauteile bei Autos und Motorrädern mit Verbrennungsmotor. Ob Daimler, Audi, BWM oder VW, beinahe überall steckt inzwischen ein Fleig-Teilchen drin.

Mut für neue Branchen

Dann holt Wolfgang Isenmann etwas aus dem Glaskasten, das aussieht, wie eine Schablone von einem Mini-Elefanten. In der Medizintechnik wird dieser dünne Kunststoff als Dichtung bei Beatmungsgeräten eingesetzt. „Mit unserer Dünnwandtechnologie konnten wir in eine völlig neue Branche einsteigen.“

Beauftragt wurde das Lahrer Unternehmen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, über 4000 Entwicklungsstunden stecken dahinter. Der Aufwand und das Risiko haben sich gelohnt. Was vorher nur durch Stanzen möglich war und viel Abfallmaterial hinterließ, ist dank der eigens konstruierten und gebauten Maschinen nun auch im Spritzgussverfahren möglich.

Das Ergebnis: hauchdünne Bauteilchen, die vielseitig eingesetzt werden. Inzwischen rollen nicht mehr nur Elefanten übers Band, Fleig hat sich mit seiner Dünnwandtechnologie eine Monopolstellung erarbeitet.

Gemeinsam mit Thorsten Braun, ebenfalls Geschäftsführer und zuständig für den Bereich Produktionsplanung, geht es in die heiligen Hallen des Schwarzwälder Unternehmens. Auf dunklen Holzpalletten am Boden stehen bis zu zwanzig verschiedene Spritzgussmaschinen, alle entwickelt und produziert by Fleig.

Bis zu 120 Kilo wiegt so ein Werkzeug, Kostenpunkt zwischen 10.000 und 80.000 Euro. Mit diesen Unikaten kann das Unternehmen auf ganz spezielle Kundenwünsche eingehen und für sie in Serienproduktion gehen.

Angekommen in der Welt

Einen Raum weiter sind Regale bis unter die Decke mit Kartons gefüllt. „Wir sind weltweit angekommen, dadurch müssen wir gut und teilweise sehr sportlich planen“, sagt Thorsten Braun. Da man sich und den 40 Mitarbeitern, die normalerweise im 3-Schicht-Betrieb arbeiten, um die Weihnachtsfeiertage ein paar Tage frei geben möchte, wird bei Fleig gerade fleißig vorproduziert.

Das Unternehmen wächst, das zeigen Geschäfts- und Mitarbeiterzahlen, aber auch die eigenen Räumlichkeiten. Eine dunkle Linie auf dem Boden verrät noch, wo einst das Ende der Produktionsräume war.

Seit 2016 kann man diese Linie einfach übertreten und steht dann in der großen Halle, in der 27 Robotermaschinen im Akkord arbeiten. Sie schmelzen Kunststoff bei 300 Grad, gießen es in vorgefertigte Spritzgussformen und spucken das fertige Produkt schließlich aus. Darunter Kleinstteile für einen Ikea-Premiumlieferanten, die besagten Zündspulkörper, aber auch Teile, die in jeden Vorwerk-Thermomix gehören.

Am Ende der Produktionshalle zeigen Isenmann und Braun die neueste Investition: eine 180.000 Euro Maschine der Schwarzwälder Firma Arburg. Hier entstehen für einen Kunden, ein junges Start-up-Unternehmen aus Bühl, Coffe-to-go-Becher aus nachhaltigen und regionalen Rohstoffen, wie Mais, Holz und Lignin.

„In den letzten Jahren sind doch viele Unternehmen mit ihrer Produktion ins Ausland gegangen, um bei den Kosten zu sparen. Das haben wir auch gemerkt. Inzwischen kommen aber viele wieder zurück, sie haben Lehrgeld bezahlt und unsere Beratung macht uns langfristig einfach sehr stark“, sagt Produktionsplaner Thorsten Braun.

Seit Firmengründer Hans Fleig das Unternehmen 2002 an die neue Geschäftsführung übergeben hat, versucht das Führungs-Quartett vernünftig und gesund zu wachsen, zwischen drei bis fünf Prozent jährlich. Die Planzahlen für 2019 liegen bei einem Umsatz von etwa 5,5 Millionen Euro. Das Komplettangebot von Konstruktion, Formenbau und Spritzguss kommt an, mutige Investitionen und Tüftlertum zahlen sich aus.

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