Die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Offenburg und Medizintechnik-Unternehmen der Region ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der Ausbildung für die Medizintechnik-Branche.
VON CHRISTINE WEIS
An der Hochschule Offenburg mit ihren rund 4000 Studierenden richten sich die Studieninhalte nach Bedarf und Anspruch der regionalen Wirtschaft. Hier studiert man nicht im Elfenbeinturm, sondern praxisorientiert und mit beruflicher Relevanz. Das Fächerspektrum der Hochschule umfasst Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik, Medizintechnik und Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Medien und Informationswesen. Das Fach Medizintechnik führten die Offenburger zum Wintersemester 2010/11 ein.
Erster Honorarprofessor auf dem Gebiet wurde im selben Jahr Peter Osypka. Der Inhaber des gleichnamigen Medizintechnik-Unternehmens gilt als Begründer der Hochfrequenz-Katheterablation. Auf seine Initiative hin wurde bereits 2011 das „Peter Osypka Institute for Pacing and Ablation“ an der Hochschule gegründet. Die Ausstattung des auf Kardiologie spezialisierten Instituts wird auch für Fortbildungen von Ärzten im Bereich der Herzschrittmacher- und Defibrillatortherapie sowie der kardiale Hochfrequenzablation mit verschiedenen Ablatorsystemen genutzt.
Derzeit ist im Gespräch, zusätzlich zu den Bachelor- und Masterstudiengängen Medizintechnik, einen Bachelor-Studiengang Medizininformatik anzubieten. Daran lässt sich erkennen, dass man auf den steigenden Bedarf einer wachsenden Medizintechnik-Branche, in der die Digitalisierung zunehmend wichtiger wird, reagiert. „Es gibt viele, langjährige und erfolgreiche Kooperationen zwischen der Hochschule und der hiesigen Wirtschaft im Bereich Medizintechnik“, sagt Andreas Otte, Professor an der Fakultät Elektrotechnik, Medizintechnik und Informatik.
Wissenschaftliche Nachwuchskräfte
Allein dieser Fachbereich stand im Wintersemester 2019/2020 durch Betriebspraktika mit 26 vorwiegend regionalen Unternehmen in Kontakt. Dazu zählen etwa Aesculap in Tuttlingen, Osypka in Reinfelden, Schölly Fiberoptic in Denzlingen oder PI miCos in Eschbach. Die Betriebe profitieren vom hohen Ausbildungsniveau der Hochschule, wo sie auch ihre Nachwuchskräfte finden können. Viele der Abschlussarbeiten und Promotionen entstehen in direkter Zusammenarbeit mit den späteren Arbeitgebern der Absolventen, etwa mit Inomed Medizintechnik aus Emmendingen. Der Mittelständler ist in den Bereichen intraoperatives Neuromonitoring, funktionelle Neurochirurgie, Schmerztherapie und Diagnostik tätig und beschäftigt mehrere ehemalige Studierende der Hochschule Offenburg.
Bereits seit 2013 gehört Stryker Leibinger in Freiburg zu den Forschungspartnern der Hochschule. Mit dem Marktführer bei Implantatsystemen für den Kopf-, Hand- und Fußbereich sowie der computergestützten Chirurgie im Orthopädiebereich bestehen zudem Drittmittelverträge. Derzeit forscht man gemeinsam an neuen Navigationskonzepten für die Chirurgie und im Bereich Augmented Reality (computergestützte Erweiterung der Wahrnehmung).
Auf dem Gebiet legt die Hochschule aktuell eine beachtliche Studie zur intelligenten Neuroprothetik mit Unterstützung von Augmented Reality und moderner 3-D-Drucktechnik vor. So entwickeln Simon Hazubski, Harald Hoppe und Andreas Otte ein einzigartiges System zur Aktivierung motorisierter Handprothesen durch Tracking mit Augmented-Reality-Brillen. Das Kontaktnetz der Hochschule spannt sich neben der Industrie auf Kooperationen mit Forschungsinstituten aus, wie beispielsweise mit der HNO-Universitätsklinik Freiburg.
Die Partner in der Region sind für den Studienort Offenburg wichtig, aber man engt sich nicht darauf ein, was die Hochschule über die Grenzen hinweg renommiert. Gerade laufen unter anderem Forschungsprojekte mit dem österreichischen Hörsysteme-Hersteller MED-EL und auf dem Gebiet der synchronisierten Herz-Kreislauf-Unterstützung mit Xenios in Heilbronn.