Sie sind in Freiburg und Furtwangen angesiedelt, in Offenburg und Weil – und ihre Abnehmer in der ganzen Republik oder dem Rest der Welt. Unterneh-men, die hier mit unterschiedlichen Ausprägungen Künstlicher Intelligenz arbeiten. Sie digitalisieren Maschinen, Steuerbelege, Medizinbefunde oder regionale Ansiedelungen. Mit Software, die aus sich selbst immer mehr Daten generiert. Wir stellen acht spannende KI-Firmen vor. „Analog But Digital“ ist eines davon.
Eine CNC-Fräse zum Beispiel, die schon Jahre oder gar Jahrzehnte in der Werkshalle eines typischen Mittelständlers ihren Dienst leistet und der Digitalisierung in etwa so fern ist wie Christian Streich dem Hochdeutschen. Solch eine alte Maschine ist das Objekt der Begierde für das Start-up „Analog But Digital“.
Ihr eine digitale Komponente zu verpassen, darum geht es. „Mit unserer Lösung ist eine schnelle und unkomplizierte Analyse von Maschinen in Echtzeit möglich, unabhängig von Typ und Alter“, erklärt Florian Braun, er ist einer von vier Gründern. Die Lösung besteht aus zwei Elementen, das eine kommt in Form einer kleinen blauen sogenannten „Upgrade-Box“ daher, die mit Hilfe von zwei Kabeln einfach mit der Zielmaschine verbunden wird und dann unabhängig vom Firmennetzwerk ihre Daten sammelt und digitalisiert. Danach kommt die eigentliche Entwicklung zum Zug: Eine Software, die auf Basis automatisierter Auswertungen die Leistung und Auslastung der angedockten Maschine ausrechnet und dem Kunden auf einem Portal im Browser Infos etwa über die Auslastung gibt.
Alte Maschinen digitalisieren
Der 33-jährige Braun spricht von einer „schmalen KI“, die zum Einsatz kommt. Noch. „Wir bauen langsam einen Stamm an Maschinendaten auf, aus der die selbstlernende Software künftig mehr und bessere Muster erkennen kann“, sagt er. Denn: „Die Erkennungsalgorithmen brauchen Futter“. Damit die Künstliche Intelligenz zukünftig selbständig Tipps geben könne, wie Kapazität und Effizienz von Maschinen gesteigert werden können, oder wann welches Bauteil ausgetauscht werden sollte. „Das ist die langfristige Vision.“
Seit drei Jahren gibt es das Start-up „Analog But Digital“ nun, die Informatiker betreiben es neben ihren eigentlichen Festanstellungen nebenbei. Es wächst im kleinen Maßstab ohne Hilfe eines Investors, dafür aber mit Unterstützung von einzelnen mittelgroßen Industriekunden, die ihre Maschinenparks quasi als Labore zur Verfügung stellen – eine Win-Win-Situation. Die Anzahl an regulären Kunden, die für jeweils 800 Euro Anschaffungspreis und anschließenden monatlich 80 Euro im Abomodell ihre analogen Maschinen so digital analysieren lassen, ist momentan noch zweistellig. „Das wird sich aber dieses Jahr noch ändern“, sagt Braun, das Start-up blüht gerade auf.
Ausgezeichnet als „Leuchtturmprojekt“
Ein paar Wochen ist es her, da kam die Nachricht rein, dass die Anwendung nun eines von 13 „Leuchtturmprojekten zur Industrie 4.0“ im Land ist, ausgezeichnet vom Wissenschaftsministerium in Stuttgart. Der Themenfokus: Angebote von Künstlicher Intelligenz, die in der Unternehmenspraxis schon Einzug gehalten haben. Das brachte einerseits eine Ehrenurkunde und eine Glasplakette mit sich, die nun als Wanderpokal durch die Home Offices gereicht werden kann, ein eigenes stationäres Büro hat die junge Firma nicht. Die sieben Mitarbeiter sind über ganz Baden-Württemberg verstreut. Der Firmensitz ist in Weil am Rhein, wo Braun lebt. Vor allem aber hat die Auszeichnung die öffentliche Wahrnehmung erhöht und den Gründern einen Push gegeben, dass ihre Entwicklung Potenzial hat. Das Jahr 2020 läuft insgesamt gut, „wir schreiben jetzt auch erstmals schwarze Zahlen“, sagt Florian Braun. Die ersten beiden Kollegen können sich bald in Vollzeit der eigenen Firma widmen und sich verstärkt um Marketing und Vertrieb kümmern.