Eine überfällige Diskussion: Auch wenn das Rock-Business männlich dominiert sein mag – ein ausschließlich männlich besetztes Festival-Programm wie bei der ersten Bekanntgabe der „Southside“-Künstler fällt unangenehm auf.
Simon Langemann
Die Stadionrock-Giganten Foo Fighters, die Wave-Pop- Legenden The Cure, die Punk-Opas von den Toten Hosen und die Folk-Popper Mumford & Sons: Wieder einmal schmücken illustre, aber wenig überraschende Namen das Programm des Southside Festivals. Das Event in Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen ist mit 60.000 Zuschauern das mit Abstand größte Open-Air im Südwesten. „Wir haben definitiv nichts anbrennen lassen – aber Ihr werdet brennen! For sure“, frohlockten die Veranstalter angesichts ihrer ersten Ankündigungen.
45 Festivals beteiligen sich etwa seit 2017 an der EU-unterstützten Initiative „Keychange“, die bis 2022 für paritätische Geschlechterverhältnisse auf den Bühnen sorgen möchte. Die Hurricane- und Southside-Verantwortlichen schienen an einem solchen Wandel kein offensichtliches Interesse zu haben – was auf Facebook und Twitter für kontroverse Debatten sorgte, angestoßen durch den populären Musikjournalisten Linus Volkmann. Der Veranstalter ließ mit einer Stellungnahme indes bis zur nächsten „Bandwelle“ auf sich warten, die dann in der Tat auch weibliche Künstlerinnen wie die Alternative- Rock-Band Gurr oder die queer-feministische Rapperin Sookee mit sich brachte. „Dass sich unter den ersten 25 Künstlern keine Frauen befanden, hat einen einfachen Grund: Von den angefragten weiblichen Acts gab es bis zum Zeitpunkt der ersten Ankündigung keine finalen Zusagen, was sich mittlerweile ja auch geändert hat“, hieß es im Statement von FKP Scorpio.
Das gilt auch und vor allem für die Headliner. Wie schlägt man sich dahingehend eigentlich in Südbaden? Freiburg ist nicht Barcelona. Und das Zelt-Musik-Festival hat sicher nicht die Spielräume, die man von einem Open-Air-Bigplayer wie dem Southside Festival ruhig erwarten darf. Doch bei einer Solokünstlerin (Loreena McKennit), einer Drummerin (Metronomy) sowie einem weiblichen Duo-Part (Carrousel) unter bisher 14 angekündigten ZMF-Konzerten drängt sich doch der Eindruck auf: Da geht noch was.
Kultur: Wie weiblich wird der Festival-Sommer?