Kultur: Wie weiblich wird der Festival-Sommer?

Eine überfällige Diskussion: Auch wenn das Rock-Business männlich dominiert sein mag – ein ausschließlich männlich besetztes Festival-Programm wie bei der ersten Bekanntgabe der „Southside“-Künstler fällt unangenehm auf.

Simon Langemann

Die Stadionrock-Giganten Foo Fighters, die Wave-Pop- Legenden The Cure, die Punk-Opas von den Toten Hosen und die Folk-Popper Mumford & Sons: Wieder einmal schmücken illustre, aber wenig überraschende Namen das Programm des Southside Festivals. Das Event in Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen ist mit 60.000 Zuschauern das mit Abstand größte Open-Air im Südwesten. „Wir haben definitiv nichts anbrennen lassen – aber Ihr werdet brennen! For sure“, frohlockten die Veranstalter angesichts ihrer ersten Ankündigungen.

netzwerk südbaden

Die amerikanischen Rocker „Foo Fighters“ kommen spielen erneut auf dem Southside Festival. Foto: FKP Scorpio

Doch im Netz stieß die Mitte Oktober veröffentlichte erste „Bandwelle“, so der Festival-Slang, auf durchaus gemischtes Feedback. Denn sah man sich die 25 Acts einmal genauer an, entdeckte man vor allem eines: Männer. Soweit das Auge reichte. Sei es in der Besetzung der genannten Headliner – oder im Feld der weniger hochkarätigen Künstler. Die zuständige Hamburger Konzertagentur FKP Scorpio, die dasselbe Line-Up stets auch beim parallel veranstalteten Hurricane Festival in Niedersachsen auflaufen lässt, traute sich im Jahr 2018 tatsächlich, einen Programmentwurf ohne jede weibliche Beteiligung zu präsentieren. Dabei ist der Frauenmangel auf Konzertbühnen bei weitem kein neues Thema.

45 Festivals beteiligen sich etwa seit 2017 an der EU-unterstützten Initiative „Keychange“, die bis 2022 für paritätische Geschlechterverhältnisse auf den Bühnen sorgen möchte. Die Hurricane- und Southside-Verantwortlichen schienen an einem solchen Wandel kein offensichtliches Interesse zu haben – was auf Facebook und Twitter für kontroverse Debatten sorgte, angestoßen durch den populären Musikjournalisten Linus Volkmann. Der Veranstalter ließ mit einer Stellungnahme indes bis zur nächsten „Bandwelle“ auf sich warten, die dann in der Tat auch weibliche Künstlerinnen wie die Alternative- Rock-Band Gurr oder die queer-feministische Rapperin Sookee mit sich brachte. „Dass sich unter den ersten 25 Künstlern keine Frauen befanden, hat einen einfachen Grund: Von den angefragten weiblichen Acts gab es bis zum Zeitpunkt der ersten Ankündigung keine finalen Zusagen, was sich mittlerweile ja auch geändert hat“, hieß es im Statement von FKP Scorpio.

netzwerk südbaden

Immerhin jung, aber eben auch alles Männer: Die Österreicher Band „Bilderbuch““Bilderbuch“. Foto: FKP Scorpio

Als Veranstalter könne man insbesondere mit der ersten und wichtigsten Bandveröffentlichung nicht unbegrenzt warten. Ob es sich dabei um eine faule Ausrede oder die Wahrheit handelt? Das wissen nur die Festivalmacher selbst. Unabhängig davon sei dahingestellt, ob weibliche Acts in den untersten Zeilen des Programms wirklich viel bewegen, wenn als große Zugpferde weiterhin Männer gehobenen Alters spielen. Dem Primavera Sound in Barcelona gelingt im Jahr 2019 der Gegenentwurf: Unter dem Claim „The New Normal“ kündigte das dreitätige Open-Air-Festival kürzlich sein vollständiges Programm an, das zu mehr als 50 Prozent aus Frauen besteht.

Das gilt auch und vor allem für die Headliner. Wie schlägt man sich dahingehend eigentlich in Südbaden? Freiburg ist nicht Barcelona. Und das Zelt-Musik-Festival hat sicher nicht die Spielräume, die man von einem Open-Air-Bigplayer wie dem Southside Festival ruhig erwarten darf. Doch bei einer Solokünstlerin (Loreena McKennit), einer Drummerin (Metronomy) sowie einem weiblichen Duo-Part (Carrousel) unter bisher 14 angekündigten ZMF-Konzerten drängt sich doch der Eindruck auf: Da geht noch was.