Sie sind in Freiburg und Furtwangen angesiedelt, in Offenburg und Weil – und ihre Abnehmer in der ganzen Republik oder dem Rest der Welt. Unternehmen, die hier mit unterschiedlichen Ausprägungen Künstlicher Intelligenz arbeiten. Sie digitalisieren Maschinen, Steuerbelege, Medizinbefunde oder regionale Ansiedelungen. Mit Software, die aus sich selbst immer mehr Daten generiert. Wir stellen acht spannende KI-Firmen vor. Darunter auch „Psiori“ aus Freiburg.
VON ANNA-LENA GRÖNER
„Psiori“ ist ein Wortspiel, das sich aus den Worten „a priori“ und „a posteriori“ zusammensetzt und so viel bedeutet wie: bestehendes Wissen wird kombiniert mit dem Wissen, das durch Datenverarbeitung herauskommt. Diese Kombi macht sich das Freiburger KI-Unternehmen „Psiori“ zunutze und liefert damit seinen Kunden Lösungen in Form eigener Produkte oder smarter Bausteine für bestehende Anlagen. Die „Psiori“-Kunden kommen vor allem aus dem Medizin- und Industrie-Bereich.
„Eine Spezialität von uns ist, dass wir ‚Reinforcement Learning‘ machen. Das heißt, es geht um selbstlernende Regler und darum, dass es dort keinen Menschen mehr gibt, der diese korrekten Daten vorgibt“, sagt Geschäftsführer Sascha Lange. Solche softwaregesteuerten Regelkreise lernen aus ihren eigenen Versuchen und Irrtürmern.
Gemeinsam mit Lars Eickmeier und Volker Voß gründete Lange 2014 das KI-Unternehmen. Inzwischen hat es 40 Mitarbeiter, mehrere Minderheitsbeteiligungen, eine 100-prozentige Tochter in Wilhelmshaven (IntelligentMobiles) und kann einige Ausgründungen vorweisen. Etwa drei Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet „Psiori“. Vor allem die Beteiligung der österreichischen Andritz AG vor zwei Jahren hat das Unternehmen vorangebracht.
Der Anlagenbauer mit Sitz in Graz ist ein „Global Player“ und beliefert führende Papierhersteller, Metall-Verarbeiter und Minenunternehmen. Seither arbeitet auch „Psiori“ international und bringt seine KI in möglichst viele Andritz-Anlagen ein. Ihr erster selbstlernender Regler geht aktuell in Perth in Australien für den australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP in den Betrieb. Er soll einen reibungslosen Übergang des abgebauten Erzes – mehrere tausend Tonnen pro Stunde – von den schwenkbaren Laufbändern auf die Waggons ermöglichen, ohne dass diese überlaufen oder die Trichter verstopfen.
Die größte Herausforderung für „Psiori“ bei solchen Projekten: die entwickelte Software aus der Forschung direkt für den Produktionsbetrieb fertig zu machen. Doch es gelingt. In Florida arbeitet das Unternehmen gerade an einem Regler, der einen 40-Meter hohen Kran in einem Papierwerk autonom steuern soll. Hoch hinaus geht es aktuell leider nicht: Die Pandemie stellt die drei Geschäftsführer vor neue Herausforderungen, wie sie ihre Projekte auf der ganzen Welt weiter vorantreiben, ohne vor Ort zu sein.
Das klappt dank Digitalisierung oft gut, aber ein Vor-Ort-Arbeiten ist in vielen Fällen unausweichlich. „Wenn ich keine Niederlassungen in den USA oder Australien habe, darf ich seit einem dreiviertel Jahr dort nicht mehr hinreisen, sagt Sascha Lange. „Wir brauchen daher dringend Regelungen, wie man woanders arbeiten kann.“ Alternativ ziehen die Geschäftsführer eine Firmengründung im Ausland in Betracht.
In Freiburg schätze man hingegen den engen Draht zur Uni und die gute Ausbildung dort wie an der Hochschule Offenburg. „Wir können mit talentierten Absolventen arbeiten und ihnen eine Brücke ins professionelle Umfeld bauen“, sagt Lange.