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Freiburg: Die Stadt, die immer schläft

  • 17. April 2022
Freiburg Innenstadt
Grauer Alltag in Freiburgs Innenstadt. Foto: unsplash
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Eine Reihe von Vorträgen im Rahmen eines Kolloquiums zur Freiburger Innenstadt wollte noch einmal den Dialog über den Wandel ankurbeln. Stadt, FWTM und ihre Gäste tun sich dabei schwer mit Ideen.

VON RUDI RASCHKE

Bei der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) gibt es aktuell eine Vielzahl von Sonderbeauftragten. Es gibt den Pop-Beauftragten, einen Manager für die Innenstadt und bald auch einen für die Attraktivierung des Schloßbergs. Beinahe wäre noch ein Nachtmanager dazu gekommen. Einen für Kreativität gibt es bisher nicht.

Die städtische Wirtschaftsförderung wäre vielleicht gut beraten, so einen Creative Director einzustellen, beispielsweise nach Vorbild der Stadt Manchester. Dort bekam 2004 die Design-Legende Peter Saville den Job. Der Bedarf im Breisgau? Möglicherweise hätte die Stadt Freiburg sich mit einem derartigen Beauftragten erspart, dass ihr ein Gebraucht-Logo für den Tourismus angedreht wird (netzwerk südbaden berichtete). Und sie hätte auch eine etwas kreativere Veranstaltung für die Innenstadt auf die Beine stellen können, als das lang erwartete Kolloquium, das am 22. März über die Bühne ging.

Schauplatz war das Konzerthaus, geboten waren drei Vorträge und eine Abschluss-Diskussion. Keiner der Redner aus Köln, München und Dortmund hatte besondere Mühe darauf verwandt, sich mit der Innenstadtsituation in Freiburg zu beschäftigen. Zu erleben waren bei der mehr als vierstündigen Veranstaltung dann viel zu viele Folien, die das thematisierten, was ohnehin jeder im Saal wusste: Der Online-Handel läuft dem Einzelhandel den Rang ab.

Der Kölner Architekt Caspar Schmitz-Morkramer vertrat die schlichte These, dass der Innenstadt-Umbau längst begonnen hat. Seine Antwort darauf waren Skizzen, in denen er in Fußgängerzonen zwei gelbe Schirme und drei Skateboarder gezeichnet hatte. Der Münchner Professor Alain Thierstein, ein – mit Verlaub – wenig sympathischer Zeitgenosse mit mürben Covid-Witzchen, forderte wenig mutiger, den „Straßenraum neu zu denken“.

Ergebnis seiner Forschung: Konsumenten ziehen weg, andere kommen her. Und der Signa-Konzern des österreichischen Milliardärs René Benko mache gar nicht so viel falsch. Zur Erinnerung: Signa greift für Karstadt deutsche Millionensubventionen ab und versteuert in Luxemburg.

Mutloses Freiburg

Man bekam Mitleid mit den tapferen Einzelhändlern in den Reihen vor einem, die hierfür einen Nachmittag opferten. Einen Mittag, der ihnen einmal mehr ein „selbst Schuld“ für ihre Berufswahl vorzuhalten schien. Motivation sieht anderes aus. Stadtplanungschef Roland Jerusalem hatte die Besucher aus Stadt und Handel bereits zu Beginn mit der Bitte um gemeinsame Anstrengungen, dem Verweis auf Fachkommissionen beim Städtetag und der Idee „die Nutzungsstruktur der Innenstadt gemeinsam zu überdenken“ begrüßt.

Es klingt zunehmend wie der höfliche Zuruf eines Schwimmbadbetreibers an einen Ertrinkenden, er solle jetzt halt mal ein wenig mitmachen. Irgendwann beim zweiten der jeweils knapp einstündigen Vorträge stellte sich unweigerlich die Frage, warum sich die Stadt Freiburg bei so einem Kolloquium offenkundig nichts traut. Wenn es schon Experten aus Köln und andernorts sein müssen, die sich wenig auf Freiburg vorbereitet haben: Hätte man nicht wenigstens unterhaltsamere einladen können, zum Beispiel gut informierte Trendexperten wie Mike Meiré (Agentur Meiré & Meiré) oder Raphael Gielgen (vitra)?

Gibt es nicht bessere Formate und Orte – Barcamps oder Ideenwerk-stätten vielleicht, muss es wirklich Dreifach-Frontalunterricht mit Podiumsdiskussion in der Tagungsstätte sein? Einen Hoffnungsschimmer bot Jens Nussbaum vom Beratungsunternehmen Stadt + Handel, auch er mit wenig Freiburg-Expertise. Aber er zeigte schlüssig und an Beispielen, wie Städte Resilienz gegen Attraktivitätsverluste entwickeln können.

Die Moderatorin des Nachmittags lobte den „flotten Vortrag und die bunte Darstellung“. Freiburg im Jahr 2022. In der abschließenden Diskussion äußerten Vertreter von Stadt und FWTM, dass jetzt immerhin ein Prozess gestartet werden könne, sich alle jetzt ein bisschen bewegen mögen und Veränderungen nun mal weh tun.

Franziska Pankow von der FWTM gab der berechtigten Hoffnung Ausdruck, dass im viel bewegten Freiburg vielleicht einmal mehr die Initiative von der Basis ausgeht – also sich die Bürger der Sache annehmen. Es klang nach einer angemessenen Idee mit Blick auf das im Kolloquium Erlebte.

 

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