Sport ist oft Spiel, zum Beispiel Fußball oder Tennis. Neben den Klassikern verbreiten sich immer wieder neue Sportarten in der Region. Dazu zählen Padel, Spikeball, Wingfoiling und auch Quadball. Das sind laut Jana Strahler, Professorin für Sportpsychologie am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Freiburg, derzeit Trendsportarten „mit unterschiedlicher Reichweite und Dynamik“. Padel gelte derzeit international als eine der am stärksten wachsenden Sportarten überhaupt. Roundnet sei niederschwellig und gewinne besonders bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung. Wingfoiling sei zwar weniger breitensportlich zugänglich als Padel oder Spikeball, besitzt laut Jana Strahler aber „einen hohen Innovations- und Trendfaktor“. Quadball ist für die Sportpsychologin indes eher eine „aufstrebende Nischensportart“. Was braucht es, damit eine Sportart zum Trend wird? „Es wachsen besonders Sportarten, die drei Dinge kombinieren: soziale Interaktion, niedrige Einstiegshürden und Erlebnischarakter“, sagt Jana Strahler und verweist auf aktuelle Studien. „Viele Menschen suchen heute weniger klassische Vereinsbindung sondern stärker flexible, gemeinschaftliche und spielerische Bewegungsformen.“ Zudem würden soziale Medien die Sichtbarkeit dynamischer und visuell attraktiver Sportarten erheblich verstärken.
Text: Susanne Maerz
Wingfoiling

Scheinbar mühelos fliegen die Menschen beim Wingfoiling übers Wasser, das Board bewegt sich fast einen Meter über der Oberfläche. Dabei ist es kleiner als das beim Windsurfen. Und im Unterschied dazu ragt ein vertikaler Mast ins Wasser, an dem ein Unterwasserflügel, das sogenannte Hydrofoil, angebracht ist. Er sorgt für Auftrieb und Stabilität. In der Hand halten die Sportlerinnen und -sportler ein aufblasbares Segel (Wing), das leichter und handlicher als ein klassisches Surfsegel ist. „Beim Wingfoiling braucht man weniger Wind als beim Windsurfen oder Kiten. Es ist deshalb hier am Bodensee an viel mehr Tagen möglich“, erklärt Claudio Scattarelli. Der 35-Jährige betreibt in Allensbach die Surfschule Treibgut, in der er neben klassischen Surf- und SUP- immer mehr Wingfoiling-Kurse anbietet. Inzwischen erwirtschaftet er etwa die Hälfte des Umsatzes damit – Tendenz steigend. „Es ist aber eine relativ komplizierte Sportart“, sagt Scattarelli. Man benötige eine besonders gute Balance und ein eben solches Gefühl für den Wind. Die Ursprünge der Wingfolings reichen in die US-amerikanische Surfszene der 1980er-Jahre zurück. Als Erfinder des modernen Wingfoils, wie man Board samt Segel nennt, gilt Tony Logosz von der Kitesurfmarke Slingshot, die 2011 einen Prototyp entwickelte. Weitere Firmen folgten und schließlich der Durchbruch der Sportart. Seit 2019 boomt sie – am Meer, ebenso wie an Seen.
Padel

Ob in Ihringen, Freiburg, Kenzingen, Mahlberg, Biberach, Offenburg oder Appenweier: An immer mehr Orten in der Region entstehen Padel-Clubs und -Courts. Erfunden 1969 in Mexiko, breitete sich die Mischung aus Tennis und Squash von dort erst in Spanien und später vor allem in Argentinien aus. Inzwischen ist der Sport in vielen lateinamerikanischen und europäischen Ländern beliebt. Padel wird auf Plätzen gespielt, die von Glas- oder Drahtgitter umzäunt sind, in Hallen oder unter freiem Himmel. Der Padelball ähnelt dem Tennisball, hat aber weniger Druck und ist dadurch langsamer. Die Schläger sind etwas kleiner und haben keine Bespannung. Der Schaumstoffkern ist von einer Schlagfläche aus Carbon oder Fiberglas umgeben. Gespielt wird meist im Doppel „Durch die Wände, die aktiv ins Spiel einbezogen werden dürfen, entstehen schnell längere Ballwechsel. So macht es auch Einsteigern schnell Spaß“, berichtet Raphael Neumann, dem es selbst so ging, als ein Bekannter ihn das erste Mal zum Padel mitnahm. Weil es damals noch kein Angebot in Offenburg und naher Umgebung gab, fasste er vergangenes Jahr zusammen mit drei Freunden den Plan, selbst eines zu schaffen. Sie gründeten The Padel Club GmbH, die sie nebenberuflich betreiben, investierten rund 300.000 Euro und eröffneten vor Kurzem in Appenweier-Urloffen ihre Anlage mit drei sogenannten Doublecourts und einen Singlecourt. Dass nun auch an anderen Orten in und um Offenburg Padel-Courts entstehen, nehmen sie sportlich: Schließlich sei die Nachfrage groß genug.
Roundnet

In vielen Parks packen vor allem junge Menschen immer häufiger Netze aus, die ähnlich wie ein kleines Trampolin, in einen runden Rahmen gespannt sind und auf fünf Füßen stehen. In Zweierteams schlagen sie dann einen weichen Ball mit einem Durchmesser von rund zehn Zentimetern nach ähnlichen Regeln wie beim Volleyball über das Netz hin und her. Die Sportart, die sich in den vergangenen zehn Jahren von Parks in Turnhallen, von Freundeskreisen in Vereine ausgebreitet hat, heißt – passend zum Sportgerät – Roundnet, wird aber häufig auch Spikeball genannt. Und zwar nach dem US-amerikanischen Hersteller des Balles, mit dem ursprünglich gespielt wurde. Inzwischen gibt es mehrere Varianten, auch das Regelwerk wurde angesichts des Ligabetriebs, den es seit ein paar Jahren gibt, angepasst. Eines ist indes geblieben: „Man kann Roundnet super im Park spielen, man kommt schnell rein, und schon nach etwa einer Stunde Ausprobieren gelingen die ersten Ballwechsel“, erklärt Ann-Kathrin Kurfess, die sich im Verein Blackforest Monkeys aus Freiburg als Trainerin engagiert und selbst vor ein paar Jahren, während ihres Medizinstudiums, über Kommilitonen zum Roundnet gekommen ist. Als sie Trainingsmöglichkeiten für die Wintermonate suchte, lernte sie den Verein kennen, der inzwischen einer der deutschlandweit größten ist. Die Schwarzwaldaffen richteten 2019 die erste Deutsche Meisterschaft aus und spielen inzwischen in der 2. Roundnet Bundesliga.
Quadball

Wie im Film oder Buch geht es natürlich nicht: Da rasen Harry Potter und seine Mitschülerinnen und Mitschüler beim Quidditch auf Besen durch die Luft und jagen auf halsbrecherische Art und Weise kleinen fliegenden Bällen hinterher. Gleichwohl hat es dieser Sport, auf abgewandelte Art und Weise, ins reale Leben geschafft. Zwei Studenten aus Vermont gelten als Erfinder des realen Quidditch, das Elemente aus Rugby, Handball und Dodgeball vereint. Eine Mannschaft besteht aus sieben Spielerinnen oder Spielern. Sie führen je ein Kunststoffrohr zwischen den Beinen, das den Besen simulieren soll, und spielen mit fünf Bällen. 2023 wurde Quidditch weltweit in Quadball umbenannt – laut dem Deutschen Quadballbund unter anderem, um die Sportart von der Harry-Potter-Welt zu lösen und die Professionalisierung zu fördern. In Deutschland gibt es mehrere, nach Regionen aufgeteilte Ligen. In der südlichen sind die Black Forest Bowtruckles aus Freiburg dabei. „Seit 2014 verbinden wir sportlichen Ehrgeiz mit einer starken Gemeinschaft und stehen für Vielfalt, Fairness und Zusammenhalt“, heißt es auf ihrer Website. Sportpsychologin Jana Strahler von der Uni Freiburg findet am Quadball „die kulturelle Dynamik“ spannend: „Community, Identifikation, Diversität und spielerische Teaminteraktion stehen stark im Vordergrund. Damit spiegelt Quadball Entwicklungen wider, die generell für moderne Trendsportarten typisch sind.“