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Kramer: Gut isoliert

  • 30. Juli 2026
Kramer
Der Neubau der Kramer GmbH in Rheinfelden wurde innerhalb eines Jahres errichtet. Foto: Maxi Höck
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Die Firma Kramer hat einen rund fünf Millionen Euro teuren Neubau in Rheinfelden eingeweiht. Der Standort ist ein besonderer für das Familienunternehmen mit Sitz in Umkirch, denn am Hochrhein liegen dessen Ursprünge.

Text: Susanne Maerz

Die Fassade aus Aluminiumblech, im Eingangsbereich in türkis-leuchtenden Lettern der Schriftzug „Kramer seit 1929“: Beides steht für die Geschichte der Kramer GmbH. Aluminiumblech ist ein wichtiges Arbeitsmaterial am Standort Rheinfelden, der auf Dämmtechnik spezialisiert ist. Aus rund 80 Tonnen Blechen werden hier im Jahr vor allem Rohrleitungen und Behältnisse für die Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie geschnitten, gestanzt und geformt. Zudem werden die zugekauften Dämmstoffe konfektioniert.

Der Bereich Dämmtechnik war es auch, mit dem sich Unternehmensgründer Fritz Kramer im Jahr 1929 selbstständig machte. Zwar nicht in Rheinhelden, jedoch im gerade einmal rund zehn Kilometer entfernten Grenzach, wo Kramer zuvor für die Firma Roche gearbeitet hatte, die wiederum erster und ältester Kunde des Unternehmens ist. Sieben Jahre später verlegte er den Firmensitz nach Rheinfelden in die Güterstraße. 90 Jahre lang sollte der Standort bestehen bleiben. Der Firmensitz indes wurde 1963 erst nach Freiburg, wo es seit 1950 eine Niederlassung gab, und 2010 dann nach Umkirch verlegt, wo im Gewerbegebiet ein Neubau entstanden war.

Seit März dieses Jahres, nach einem achttägigen Umzug bei laufendem Betrieb, der laut Geschäftsbereichs- und Niederlassungsleiter Jochen Kiener eine große Kraftanstrengung für Produktion, Lager, Logistik und Verwaltung bedeutete, läuft die Produktion am neuen Standort in Rheinfelden im ebenfalls neuen Gewerbegebiet Einhäge. Das alte Grundstück wurde an den Lidl-Konzern verkauft, der dort nun seinen deutschlandweit größten Discounter mit rund 2200 Quadratmetern Verkaufsfläche errichtet.

Die Kramer GmbH verfügt auf dem neuen, rund 5400 Quadratmeter großen Grundstück über eine Gebäudefläche von 2000 Quadratmetern. Produktionshalle, Lager- und Bürofläche belegen jeweils rund ein Drittel davon. Letztere sah bei der Eröffnungsfeier Ende Juni noch etwas verwaist aus – was vor allem daran liegt, dass hier Platz für Wachstum ist: Bislang arbeiten 11 der insgesamt knapp 50 Beschäftigten am Standort im Büro, nun ist in diesem Bereich Platz für 22. Auch sonst gibt es hier Erweiterungsmöglichkeiten. Der Umzug wurde zum einen wegen des Modernisierungsbedarfs, zum anderen angesichts der Neugestaltung der Bahnhofsachse in Rheinfelden im Zuge der Elektrifizierung und des Ausbaus der Hochrheinbahn nötig. „Die Planungen der Stadt Rheinfelden ließen den Schluss zu, dass Industrie- und Handwerksunternehmen in diesem Quartier künftig weniger gefragt sein würden“, erklärte Daniel Weckesser.

Standort Rheinfelden ist Zentrale für die Dämmtechnik

Gleich geblieben ist das Geschäftsfeld der Kramer GmbH: Die Niederlassung Rheinfelden ist nach wie vor der wichtigste und neben Singen mit seinen etwa 20 Mitarbeitenden auch einzige Standort für die Dämmtechnik, einer von inzwischen vier Geschäftsbereichen des Familienunternehmens. Innerhalb der Gemeinde umzuziehen, war der Unternehmerfamilie wichtig: „Viele stellen den Standort Deutschland infrage, wir nicht“, betonte Daniel Weckesser, der seit Anfang des Jahres zu seinem Vater Matthias Weckesser und Alexander Butsch in die Geschäftsführung aufgerückt ist und dort die vierte Generation repräsentiert, vor den geladenen Gästen. Zum einen kommen viele der langjährigen Kunden aus der Region, für die Kramer sich inzwischen vor allem um Wartung und Instandhaltung der Anlagen kümmert, zum anderen sieht Weckesser den Geschäftsbereich nicht zuletzt angesichts der Energiewende als besonders wichtig an: „Die günstigste und nachhaltigste Energie ist die, die gar nicht erst verloren geht“, sagte er. Dem Unternehmen sei es daher wichtig, den Beruf des Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz-Isolierers sichtbarer zu machen. Mit dem neuen Standort seien bessere Voraussetzungen dafür gegeben. Die Entscheidung für den circa fünf Millionen Euro teuren Neubau, laut Daniel Weckesser „ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte“, sei geprägt vom Denken des Familienunternehmens in Jahrzehnten und nicht in Geschäftsjahren. „Gerade in diesen Zeiten, gilt es Mut zu beweisen“, sagte auch Niederlassungsleiter Jochen Kiener in seiner Ansprache.

Kramer
Weihen den neuen Standort von Kramer in Rheinfelden ein: Niederlassungsleiter Jochen Kiener und die drei Geschäftsführer Matthias und Daniel Weckesser sowie Alexander Butsch (von links). Foto: Maxi Höck

Denn die Wirtschaftskrise macht auch vor der Kramer GmbH nicht halt, die an ihren elf Standorten 330 Mitarbeitende beschäftigt, davon 180 in Umkirch. Im Geschäftsjahr 2025/26 (bis 30. Juni) bewegte sich das Unternehmen laut Daniel Weckesser immerhin in etwa auf Vorjahresniveau und setzte voraussichtlich um die 90 Millionen Euro um. Die genauen Zahlen stehen noch nicht fest. Auf den Bereich Dämmtechnik entfielen rund elf Millionen Euro – je nachdem, wann ein großer Auftrag aus der Schweiz abgerechnet wird, waren es sogar mehr –, etwa ebenso viel auf den Ladenbau. Den überwiegenden Teil des Umsatzes erwirtschaftet Kramer mit dem Kühlraumbau, allen voran mit Großprojekten für den Discounter Lidl.

Während er mit der Entwicklung des Bereichs Dämmtechnik sehr zufrieden sei, laufe der Kühlraum- und allen voran der Ladenbau nicht wie erwartet, sagte Daniel Weckesser nach dem offiziellen Teil. „Wir kämpfen wir aktuell mit circa 20 Prozent weniger Auftragseingängen als im Vorjahr.“ Dies werde sich aber erst später im Umsatz bemerkbar machen. „Im Kühlraumbau fehlen die Großprojekte“, erklärte Matthias Weckesser, der sich mit dem Wechsel seines Sohnes in die Geschäftsführung aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Die Lebensmittelbranche investiere nicht mehr wie früher. Es würden zwar viele Angebote geschrieben, die Aufträge würden aber nicht vergeben, ergänzte Daniel Weckesser.

Dass es auch rund laufen kann, zeigt nicht zuletzt der Verlauf des Neubauprojekts, das vom Architekten Frank Rosenkranz aus Kirchzarten und der als Generalunternehmer fungierenden Trötschler Industrie- und Gewerbebau GmbH aus Hugstetten entworfen beziehungsweise realisiert wurde. Zwischen Spatenstich und Umzug lag ein Jahr – und sowohl Zeit- als auch Kostenrahmen wurden eingehalten, wie Daniel Weckesser betonte.

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