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  • Labor 7/2026
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EMV-Labor: Unsichtbaren Kräften auf der Spur 

  • 20. Juli 2026
EMV-Labor Black Forest Testlab
Das Herzstück des Labors ist eine knapp sieben Meter hohe Halbabsorberhalle.
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Ob Herz-Lungen-Maschine oder Klimaanlage: Bevor elektrische Geräte zum Einsatz kommen, müssen sie beweisen, dass sie störungsfrei funktionieren. Das Black Forest Testlab in Unadingen prüft diese auf elektromagnetische Verträglichkeit. 

Text: Christine Weis • Fotos: Alex Dietrich 

Am Ortsrand von Unadingen hat man einen freien Blick über die weiten Felder und Waldgebiete der Baar. Am Ende der Straße, wo der Weizenacker beginnt, steht eine helle Werkhalle: ein ungewöhnlicher Ort für ein Hightech-Labor, doch der Firmenname Black Forest Testlab passt zur ländlichen Kulisse zwischen Titisee-Neustadt und Donaueschingen. „Wir nennen das Labor liebevoll unsere weiße EMV-Ranch“, sagt Josip Brkic zur Begrüßung. Gemeinsam mit Francesco Iemma hat er das Start-up für verschiedene EMV-Testmethoden vor fast drei Jahren gegründet. EMV ist die Abkürzung für elektromagnetische Verträglichkeit. „Elektronische Geräte dürfen andere Systeme nicht stören – und sie dürfen selbst nicht gestört werden“, erklärt Brkic das Prinzip und ergänzt: „Wenn früher das Handy klingelte, knarzte das Autoradio, denn die Funkwellen des Mobiltelefons störten die Elektronik von Radio und Lautsprechern.“

Das ist heute anders. Ohne bestandene EMV gibt es keine Zulassung für den Markt mehr. Da setzt das Black Forst Testlab an: „Wir liefern die Messwerte und Prüfberichte, die Herstellerfirmen benötigen, um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften nachzuweisen und ihre Produkte zertifizieren zu lassen“, sagt Iemma. Dazu gehöre etwa die CE-Kennzeichnung, ohne die ein Produkt nicht in der EU verkauft werden darf. 

„Elektronische Geräte dürfen andere Systeme nicht stören – und sie dürfen selbst nicht gestört werden.“ – Josip Brkic

Eine geeignete Immobilie für ihr Unternehmen zu finden, sei nicht einfach gewesen, erzählen die beiden Geschäftsführer. Denn für das Equipment brauchen sie eine Hallenhöhe von sechseinhalb Metern. Viele Gewerbebauten lagen darunter, klassische Industriehallen wiederum seien zwar hoch genug gewesen, hätten aber nicht die notwendige Infrastruktur geboten. Fündig wurden die Gründer, die aus Villingen-Schwenningen stammen, schließlich in Unadingen. Verkehrsgünstig an der B31 gelegen, seien sie für ihren Kundenkreis aus der Region Freiburg, dem Raum Tuttlingen und der nahen Schweiz gut erreichbar. 

Die Wände der Halbabsorberhalle sind mit Kacheln aus einem keramischen Spezialmaterial verkleidet. Hier prüfen die Chefs selbst, einer davon ist MaschinenbauMechatroniker Francesco Iemma.

Das Herzstück des Labors ist eine knapp sieben Meter hohe Halbabsorberhalle – eine Art metallischer Kubus, der sich bis unters Satteldach streckt. „Das war Zentimeterarbeit“, sagt Francesco Iemma. Ist die schwere Tür geschlossen, wird der Raum vollständig von der Außenwelt abgeschirmt. Elektromagnetische Signale dringen weder hinein noch hinaus. „Es ist im Grunde wie eine Konservendose“, sagt Brkic. Dass nichts hinausdringe, sei wichtig, denn das könnte Funkverbindungen von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst behindern. 

Die Wände sind mit Kacheln aus einem keramischen Spezialmaterial verkleidet. Zusammen mit den schwarzen Absorberkeilen verhindern sie Reflexionen elektromagnetischer Wellen. Nur unter diesen Bedingungen lassen sich präzise Messungen durchführen. Vereinfacht erklärt, funktioniert das so: Im abgeschirmten Raum läuft das testende Gerät. Ihm gegenüber steht in bis zu drei Metern Entfernung eine Antenne, die elektromagnetische Wellen aussendet. Damit lässt sich prüfen, wie gut das jeweilige Gerät elektromagnetischen Einflüssen standhält. Das Prozedere dauert durchschnittlich eine Stunde, wird am PC dokumentiert und von einer Kamera aufgezeichnet. Je nach Frequenzbereich werden unterschiedliche Antennen eingesetzt. 

„Alle Systeme müssen zuverlässig nebeneinander funktionieren. Ein Smartphone darf niemals ein Dialysegerät oder eine Infusionspumpe beeinträchtigen.“ – Francesco Iemma  

Grundsätzlich könne hier fast jedes elektronische Gerät untersucht werden, ob Reifendrucksensoren, Insulinpumpe oder Kühlschrank. „Es muss halt durch die Tür passen“, scherzt Josip Brkic. Ihre Kunden kommen aus verschiedenen Branchen von Maschinenbau bis Medizintechnik. Für Letztere können sie beispielsweise Endoskope, Defibrillatoren oder Herz-Lungen-Maschinen prüfen. Wie wichtig die EMV gerade hier ist, zeigt sich besonders in Krankenhäusern. Auf einer Intensivstation arbeiten zahlreiche elektronische Geräte gleichzeitig, hinzu kommen Funkverbindungen. „Alle Systeme müssen zuverlässig nebeneinander funktionieren. Ein Smartphone darf niemals ein Dialysegerät oder eine Infusionspumpe beeinträchtigen“, erläutert Francesco Iemma.  

Für die verschiedenen Testmethoden hat das Labor entsprechendes Equipment.

Physikalische Phänomene 

Im Black Forest Testlab wird nicht nur die elektromagnetische Störstrahlung geprüft, die ein Gerät selbst aussendet, sondern auch seine Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen. Dazu gehören elektrostatische Entladungen, Strahlung, Leitungsstörungen, Spannungsschwankungen, Netzausfälle oder Überspannungen etwa durch einen Blitzeinschlag. 

Das Phänomen der elektrostatischen Entladungen kennen viele Menschen aus dem Alltag: Man läuft über einen Teppich und bekommt beim Berühren einer Türklinke einen kleinen Stromschlag. Dabei entlädt sich elektrische Spannung – ein elektromagnetischer Effekt. Für Menschen ist eine solche Entladung meist harmlos, empfindliche Elektronik kann sie jedoch beschädigen. Bei einer weiteren Anwendung mit der Nahfeldsonde spüren die Experten elektromagnetische Störquellen direkt auf Leiterplatten auf. Eine Sonde tastet die Platine Punkt für Punkt ab und erstellt eine farbige Karte der elektromagnetischen Felder. Rot markierte Bereiche zeigen an, welches Bauteil die Störung verursacht. 

Besonders stolz sind die Gründer auf ihre sogenannte Reverberation Chamber, eine Modenverwirbelungskammer, die bislang nur wenige Labore haben. Anders als in der Absorberkabine werden elektromagnetische Wellen hier nicht unterdrückt, sondern gezielt reflektiert. Metallwände und ein rotierender Reflektor, der sogenannte Stirrer, werfen die Wellen immer wieder zurück. So entsteht ein nahezu gleichmäßiges elektromagnetisches Feld, das den Prüfling gleichzeitig von allen Seiten trifft. „Das Verfahren wird mit neuen Normen künftig deutlich wichtiger werden“, sagt Iemma. Insbesondere Hersteller von Elektrofahrzeugen setzen zunehmend auf dieses Verfahren. 

Ein Labor, viele Messmethoden 

Für den Aufbau ihres Labors investierten Josip Brkic und Francesco Iemma einen hohen sechsstelligen Betrag. Das Geschäft sei gut angelaufen, sie erwarten für 2026 einen Umsatz von rund einer Million Euro. Der Schritt in die Selbstständigkeit war bewusst gewählt. Sie wollten branchen- und konzernunabhängig arbeiten und ihre Expertise einem breiteren Kundenkreis anbieten.

„Viele meiner Kollegen fanden das Thema eher nervig, mich begeisterte es.“ – Josip Brkic

Hatte sich schon als Jugendlicher in seiner Ausbildung für das Thema EMV begeistert: Geschäftsführer Josip Brkic. Helmholtzspulen können Magnetfelder
erzeugen

Josip Brkic (43) beschäftigte sich bereits während seiner Ausbildung zum Industrieelektroniker mit EMV und Normenwesen. „Viele meiner Kollegen fanden das Thema eher nervig, mich begeisterte es“, erzählt er. Nach verschiedenen Stationen und einer Weiterbildung zum Techniker war er ab 2012 im EMV-Labor in Trossingen tätig, das zur Marquardt-Gruppe aus Rietheim-Weilheim gehört. Dort lernte er Francesco Iemma (34) kennen. Der studierte Maschinenbau-Mechatroniker hatte zuvor bei einem Unternehmen für Lichtmesstechnik gearbeitet. Dass Industrieunternehmen eigene EMV-Zentren für Entwicklungs- und Freigabeprüfungen betreiben und ihre Leistungen teilweise auch extern anbieten, gibt es häufiger. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Gebäudetechnikhersteller Siedle in Furtwangen. Andere wiederum arbeiten mit externen Laboren zusammen, wie das Black Forest Testlab nun eines ist. 

Josip Brkic und Francesco Iemma machen alles selbst: Kundenberatung, Prüfstrategien und Messungen. Unterstützt werden sie von zwei Ingenieuren und einer Mitarbeiterin im Backoffice. Inhaltlich haben sie ihre Schwerpunkte aufgeteilt: Brkic verantwortet vor allem Projekte aus den Bereichen Automotive, Luft- und Schifffahrt. Iemma betreut Prüfungen für Medizintechnik, Haushaltsgeräte, Industrie- und Gebäudetechnik. Ganz trennen lassen sich die Bereiche jedoch nicht. Ein Elektroauto etwa gehört zur Mobilität, geladen wird es aber immer häufiger auch zu Hause und damit im Umfeld klassischer Haushaltstechnik. 

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