Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen wie Burn-out und fallen eine Zeitlang oder dauerhaft im Arbeitsleben aus. Über Gründe und mögliche Strategien spricht Britta Menne, Ärztliche Direktorin der Rehaklinik Glotterbad.
Interview: Susanne Maerz
Frau Menne, kann man sagen, dass die Menschen, die zu Ihnen in die Reha kommen, eine unfreiwillige Auszeit von ihrer Arbeit und ihrem Alltag machen?
Britta Menne: Diese Formulierung finde ich sehr unglücklich. Eine Auszeit ist etwas Positives, etwas, das man sich nimmt. Wer zu uns kommt, hat eine behandlungsbedürftige, gesundheitliche Einschränkung. Die Bezeichnung unfreiwillige Auszeit hat etwas Verharmlosendes und Stigmatisierendes, was man gerade bei psychischen Erkrankungen häufig erlebt. Das gleiche gilt, wenn man sagt: Ach, da fällt ja schon wieder einer aus. Da steht zu sehr der Verlust der Arbeitskraft für den Arbeitgeber im Vordergrund, und der Unterton schwingt mit: Der soll sich nicht so anstellen. Es fehlt der respektvolle mitfühlende Umgang und der Blick darauf, dass der Arbeitnehmer krank ist, nicht mehr kann und vielleicht sogar schon früher hätte ausfallen müssen. Das fällt bei körperlichen Erkrankungen vielen oft leichter. Daher, und weil Betroffene befürchten, als nicht belastbar zu gelten und aussortiert zu werden, ist die Angst weit verbreitet, am Arbeitsplatz über mentale Belastungen zu sprechen.
Fällt es vielen Menschen schwer, sich selbst einzugestehen, dass sie eine Reha brauchen?
Menne: Seit Corona gehen immer mehr Menschen offener mit psychischen Belastungen um, gerade auch die jüngere Generation. Schwieriger wird es, wenn Menschen die Erfahrung machen, dass Kolleginnen oder Kollegen wegen psychischen Erkrankungen auf irgendeine Art stigmatisiert oder ausgegrenzt werden. Auch, wenn das Thema im betrieblichen Gesundheitsmanagement keine Beachtung findet, trauen sich viele nicht, mit der eigenen Problematik nach außen zu treten. Wir beobachten außerdem, WEITERLESEN…