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Auf einen Espresso mit Nicolas Höfler

  • 19. August 2026
Nicolas Höfler
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Zum Saisonende hat der 36-Jährige seine Karriere als Bundesligaprofi beim Sport-Club Freiburg beendet. Nun kehrt er in die zweite Mannschaft zurück. Beim Espresso spricht er über die schweren vergangenen Jahre, seine Zukunftspläne und über seine Frau.

Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego

Nicolas Höfler mag seinen Vornamen nicht. Deshalb nennt ihn jeder Chicco. „Spektakulär ist die Geschichte nicht“, erzählt der 36-Jährige. Er habe früher seiner Tante und seinem Onkel lustige Spitznamen verpasst – „und dann kamen die mit Nicolas-Chicolas. Das blieb hängen.“ Beim Espresso an seinem neuen Arbeitsplatz im Möslestadion fühlt er sich sichtlich wohl, es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Vier Jahre hat Chicco Höfler im Fußballinternat des SC Freiburg gewohnt, nachdem er als 15-Jähriger vom Bodensee nach Freiburg gekommen war. Nach insgesamt 21 Jahren für den Sport-Club, davon 13 in der ersten Mannschaft, hat er vergangene Saison seinen Abschied als Profi gefeiert. Er geht mit einer beeindruckenden Bilanz: Einzig Christian Günter und Andreas Zeyer haben mehr Spiele für den SC gemacht als er. Dennoch seien die vergangenen beiden Spielzeiten für ihn nicht leicht gewesen, sagt er: „Die letzte Saison war im Grunde die Fortsetzung der vorherigen. Nur sind meine Einsatzzeiten noch einmal deutlich zurückgegangen.“ Es hatte ihn zunächst unvorbereitet getroffen, dass er als einstiger Stammspieler häufiger auf der Bank sitzt, seit ausgerechnet sein ehemaliger Teamkollege Julian Schuster Trainer ist. „Ich musste erstmal lernen, damit umzugehen“, sagt er heute. „Trotzdem war es eine schöne Zeit.“

Gegen Ende der Saison stand Chicco Höfler dann doch wieder häufiger auf dem Platz, hatte zudem wichtige Einsätze in der Europa League. „Dass ich dann doch noch einmal die Chance bekommen habe, wichtige Spiele zu machen, kam für mich fast überraschend. Weil es meine letzte Profisaison war, fühlt sich der Abschied jetzt anders an.“ Also ein bittersüßes Ade? Höfler überlegt: „Ja, natürlich war es auch bitter. Ich habe mich körperlich gut gefühlt und hatte auch das Gefühl, dass ich sportlich noch viel beitragen kann. Aber so ist Fußball. Irgendwann beginnt jeder Verein, sich neu aufzustellen.“ Man müsse lernen, damit umzugehen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Ich glaube, das ist mir gelungen.“

Nicolas Höfler (hier mit der Redakteurin Julia Donáth-Kneer) ist wieder dort, wo alles anfing: Im Möslestadion, wo die zweite Mannschaft trainiert und die Freiburger Fußballschule ihren Sitz hat.

Sein neues Spielfeld ist die zweite Mannschaft, Training im Mösle-, Spiele im Dreisamstadion. Die Entscheidung für die Regionalliga ist ihm nicht leichtgefallen. „Ich habe fast ein halbes Jahr mit mir gerungen.“ Jetzt freut er sich aber auf seine neue Aufgabe, der SC nennt ihn einen „Stützenspieler“: Er soll den jüngeren Spielern Orientierung geben und auf sowie neben dem Platz Stabilität vermitteln. Eine Aufgabe, die Höfler, der immer als jemand galt, der Ruhe und Struktur ins Spiel bringen kann, auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Für ihn selbst könnte es eine gute Vorbereitung für langfristige Ziele sein: Die B-Trainer-Lizenz hat er bereits, an der A-Lizenz ist er dran. „Im Moment ist Trainer für mich die naheliegendste Perspektive“, sagt er. Der Cheftrainerposten müsse es gar nicht sein, der SC Freiburg als Arbeitgeber vermutlich aber schon: „Ich glaube, dass ich meine Qualitäten auch in anderen Rollen gut einbringen kann. Wichtig ist für mich eher, dass ich in einem Umfeld arbeiten kann, mit dem ich mich identifiziere“, sagt er. Die Erfahrungen der vergangenen Saisons haben ihn gelehrt, wie wichtig Kommunikation ist. „Zwischen dem, was ein Trainer sagt und dem, was bei einem Spieler ankommt, liegen oft Welten. Ich weiß jetzt aber sehr genau, wie sich Spieler fühlen, die nicht spielen, wie sie mit Enttäuschungen umgehen und wie wichtig da die Worte vom Trainer sind.“

Diese Erfahrung hilft nicht nur Höfler, dem Fußballprofi, sondern auch Papa Chicco. Sieben Kinder haben seine Frau und er, von Ruhe kann man da vermutlich nicht sprechen. „Bei uns ist immer was los“, sagt er und lacht. „Natürlich versuchen wir, Struktur reinzubringen. Aber bei Kindern redet man manchmal auch einfach gegen eine Wand.“ Oft kämen Freunde und Nachbarskinder vorbei, das Haus ist immer voll. „Ich finde das super. Wir wollten immer, dass unser Zuhause ein Ort ist, an dem sich Kinder wohlfühlen.“

Auf die Frage, ob er noch etwas erwähnen möchte, nickt Chicco Höfler und sagt: „Ja, meine Frau. Ohne sie wäre all das nicht möglich. Sie hat während meiner gesamten Karriere so viel aufgefangen, und tut das bis heute. Sie hat die Nächte mit den Kindern übernommen, den Alltag organisiert und dafür gesorgt, dass ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Davor habe ich den allergrößten Respekt.“

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