Luca Isenmann führt seit zwei Jahren die aus einem Ingenieurbüro entstandene Orbau-Gruppe in Zell am Harmersbach, die zu einem der größeren Bauunternehmen in der Ortenau gewachsen ist. Der 27-Jährige erntet inzwischen die ersten Erfolge seiner Arbeit.
„Ich hatte die Freiheit, etwas anderes zu machen, konnte es mir aber nicht vorstellen. Entwickeln, Planen, Bauen, Verkaufen, Verwalten: Alle Bereiche von Orbau interessieren mich sehr, deshalb wollte ich keinen anderen Job machen. Das Besondere an unserem Unternehmen ist, dass es aus der Planung kommt und vor vielen Jahren mit der Übernahme einer Baufirma in die Praxis gegangen ist. Bei den meisten Bauunternehmen ist es umgekehrt.
Ich war gerade einmal 25 Jahre alt, als ich vor zwei Jahren direkt nach der Hochschule ins Unternehmen und in die Geschäftsführung eingestiegen bin. Mir war es wichtiger, möglichst lange mit meinem jetzt 73-jährigen Vater zusammenzuarbeiten, um von seiner Erfahrung zu profitieren, als anderswo Einblicke zu gewinnen. Diese Entscheidung hat mit meiner Haltung zu tun. Den passenden Rat dazu habe ich vor Kurzem in dieser Rubrik gefunden: Erfolg entsteht da, wo Weitblick und Qualität zusammenkommen. Das entspricht unserer Arbeitsweise als Familienunternehmen, das mit manchen Projekten viele Jahre verbringt, vom ersten Strich bis zur Umsetzung.
Und es passt auch zu meiner Herangehensweise. Als junger Chef übernehme ich immer mehr Bereiche von meinem Vater. Jetzt kommen langsam Projekte an Land, die ich initiiert habe. Wenn die Mitarbeitenden sehen, dass die Unternehmensnachfolge funktioniert, steigt ihre Akzeptanz. Mein Einstieg fiel in eine sehr schwierige Zeit. Pandemie, Kriege, hohe Materialpreise und steigende Zinsen haben die Baukonjunktur abgewürgt. Aber ich sehe es auch positiv, denn wäre es gut gelaufen, hätten wir nicht unsere Strukturen hinterfragt. Wir haben einen Prozess gestartet, der alles auf Links dreht. Wir verknüpfen das Kaufmännische mit Vertrieb und Bauleitungen, um bei allen Projekten die Liquidität besser im Blick zu haben. Damit wollen wir auch unsere Mitarbeitenden fördern, eigenverantwortlich zu handeln.
Weitblick und Qualität zeigen sich auch in einer Neuerung, die unser Gebäudetechnik-Ingenieur Kevin Rudolph schon 2022 initiiert hatte, die wir seither weiterentwickelten und von der jetzt die ersten profitieren: eine Betonkernaktivierung, die zum Kühlen und Heizen genutzt werden kann. Sie lässt sich in Neubauten integrieren, funktioniert in Verbindung mit Wärmepumpen und sorgt für angenehme Raumtemperaturen Sommer wie Winter. Ein Bewohner unserer neuen Mehrfamilienhäuser in Elgersweier rief während der Hitzewelle an, um zu berichten, wie angenehm kühl er es hat. So etwas ist natürlich eine schöne Bestätigung.“
Protokoll: Kathrin Ermert
Luca Isenmann (27) ist auf Baustellen groß geworden, viel mit Gipsern, Maurern, Zimmerleuten unterwegs gewesen und wollte schon immer das Unternehmen seines Vaters übernehmen. Die Frage war nur: mit welcher Ausbildung? Burkhard Isenmann hatte Bauingenieurwesen studiert, Luca entschied sich für Architektur, weil sie alles zusammenführt, wie er findet. Nach dem Studium in Stuttgart und Karlsruhe stieg er 2024 in den Familienbetrieb mit rund 150 Mitarbeitenden ein und teilt sich die Geschäftsführung mit seinem Vater.