Tobias Bertsch ist seit 2008 Kapitän der Breisacher Fahrgast-Schifffahrt. Der 53-Jährige stammt aus Calw, lernte erst Schreiner und ließ sich während seiner sechs Jahre bei der Marine zum Seematrosen ausbilden. Seitdem lässt ihn die Arbeit auf dem Wasser nicht mehr los. Bevor er auf dem Rhein zwischen Straßburg und Basel unterwegs war, steuerte er Rundfahrten von Düsseldorf aus.
Wie kommen Sie zur Arbeit?
Ich habe einen kurzen Arbeitsweg und komme daher zu Fuß. Ich wohne nur wenige Gehminuten vom Hafen entfernt im Ortskern von Breisach.
Erklären Sie bitte kurz, was Sie machen.
Als Schiffsführer fahre ich zusammen mit einem Kollegen im Wechsel die beiden Ausflugsschiffe Weinland Baden und Napoleon. Dabei sind wir auf verschiedenen Routen auf dem Rhein, dem Altrhein, dem Rheinseitenkanal und durch den Colmar-Kanal unterwegs. Wir erledigen alles, was zum nautischen Betrieb gehört, dazu gehören auch Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie die Reinigung des Oberdecks.
Welche Werkzeuge dürfen an Ihrem Arbeitsplatz nicht fehlen?
Der Laptop mit den Flusskarten und der Satellitennavigation sowie das Funkgerät. Und obwohl es dank der modernen Technik eigentlich nicht mehr notwendig ist, benutze ich häufig und gerne ein klassisches Fernglas.
Clean Desk oder kreatives Chaos – welcher Typ sind Sie?
Bei mir ist alles geordnet, die Dinge liegen an ihrem Platz, damit sie schnell greifbar sind.
Womit lenken Sie sich am liebsten ab?
Während der Fahrt trage ich die Verantwortung für bis zu 250 Passagiere. Da bin ich konzentriert und lasse mich nicht ablenken. Ab und zu läuft Musik. Eine schöne Abwechslung ist es, wenn Kinder an Bord sind, die fragen, ob sie zu mir ins Steuerhaus dürfen. Sofern es die Bedingungen zulassen, ist das kein Problem, dann lasse ich sie auch mal das Steuer halten. In meiner Freizeit entspanne ich beim Lesen, gerne mit einem Krimi auf einer Bank im Kaiserstuhl.
Was machen Sie am liebsten und was am wenigsten gern?
Am liebsten fahre ich das Schiff bei schönem Wetter. Besonders der schmale Colmar-Kanal hat es mir angetan: Dort ist es ruhig, die Bäume säumen das Wasser und reichen fast bis ans Schiff. Weniger schön ist es, nach einer Schiffsparty spät abends oder nachts das Deck aufzuräumen und zu putzen, damit alles für die Fahrgäste am nächsten Tag wieder blitzblank ist.
Wie verbringen Sie Ihre Mittagspause?
Ich esse zwischen den Fahrten gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen an Bord. Der Koch bereitet immer etwas Gutes für uns zu.
Protokoll: Christine Weis