Er gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft, geht in der lauten und konzerndominierten Debatte um Reformen und Standortbedingungen aber oft unter. Die negativen Nachrichten kommen vor allem von den großen Konzernen, momentan insbesondere aus der Automobilindustrie. Deshalb fragen wir: Wie geht es dem Mittelstand? Vier Antworten aus der Region.
Text: Kathrin Ermert

„Eine Stärke der mittelständischen Industrie hierzulande war das Ökosystem. Deshalb ist es relevant, wenn Teile davon verlagert werden, weil sie hier nicht mehr wettbewerbsfähig sind.“
Hanna Böhme (50) war bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Singapur und Peking, bevor sie als Geschäftsführerin zur Freiburger Wirtschaftsförderung (FWTM) wechselte. Seit Anfang 2026 ist sie Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbands WVIB.

„Unsere Kunden investieren jetzt in Personal und besetzen Schlüsselpositionen, um die richtigen Leute zu haben, wenn die Krise vorbei ist. “
Marco Baier (38) ist seit 2023 geschäftsführender Gesellschafter der Freiburger Personalberatung und -vermittlung Limberger + Dilger. Zuvor hat er für Trenkwalder, die Argo-Gruppe und die Firma Contempo gearbeitet, bei der er auch sein duales Studium Personalmanagement absolvierte.

„Der Standort Deutschland hat großes Engineering-Potenzial, viel Motivation und Spirit. Das sind gute Zutaten, um Zukunft zu gestalten.“
Nicole Kurek (51) ist seit 2022 im Vorstand der Sick AG für „People & Culture“ zuständig. Der Waldkircher Sensorhersteller restrukturiert sich derzeit und baut in Deutschland 500 Stellen ab, nachdem das Ergebnis erheblich gesunken war. Kurek war zuvor 20 Jahre in der Automobilindustrie tätig.

„Die Talsohle durchlaufen und warten, dass die Konjunktur wieder anzieht, können Familienunternehmen deutlich besser.“
Olaf Rank (55) hat seit 2011 an der Universität Freiburg eine Professur für Unternehmensführung, Organisation und Personal inne. Sein Forschungsschwerpunkt sind Netzwerkanalysen. Der Betriebswirt stammt aus Ulm, hat in Hohenheim studiert, in Mannheim promoviert und in Bern habilitiert.