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Auf einen Espresso mit Anne Kissner

  • 28. Januar 2026
Anne Kissner
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Die 37-Jährige war schon Fitnessinfluencerin, bevor es Instagram überhaupt gab. Heute erreichen sie und ihr Mann mit der Marke Bodykiss mehr als eine Million Menschen im Internet. Ein Besuch in ihrem Neubau in Königschaffhausen am Kaiserstuhl.

Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego

Bei den Clips war es teilweise eiskalt. Denn Anne Kissner, damals die erste deutschsprachige Fitnessfrontfrau auf Youtube, und ihr Mann Daniel Henninger drehten fast den gesamten Content draußen in der Scheune von Henningers Vater in Endingen. Die zwölf Jahre alten Workoutvideos – Anne Kissner langärmelig mit dicken Socken und Handschuhen auf der Sportmatte – gehören immer noch zu den beliebtesten Inhalten ihres Accounts, wurden millionenfach angesehen. „Dass wir von Youtube kommen, wissen nicht alle. Inzwischen kennen uns die meisten von Instagram“, sagt die 37-Jährige.

Wir sitzen an ihrem langen Holztisch in dem rund 400 Quadratmeter großen Haus, das Kissner, die eigentlich Juristin ist, und Henninger, Wirtschaftsinformatiker, im Gewerbegebiet bei Königschaffhausen gebaut haben. Das Gebäude vereint Wohn-, Büroräume und ein vollausgestattetes Fitnessstudio. Zunächst habe es Probleme mit der Baugenehmigung gegeben, berichtet Kissner. Man musste das Landratsamt erst überzeugen, dass das Haus zu einem großen Teil gewerblich genutzt wird. Nicht nur für die Workoutvideos, die jetzt Indoor produziert werden können und nach wie vor Hunderttausende erreichen, sondern auch für ihr 2017 gegründetes Unternehmen Bodykiss, das Sportartikel und Fitnessmode entwirft, produziert und im eigenen Onlineshop verkauft. Der Designprozess findet in Königschaffhausen statt, die Logistik hat eine Firma in Heilbronn übernommen.

Kann sich sehen lassen: Der private Workoutbereich, in dem auch die Videos für den Youtube-Account entstehen. Fitnessmatten sowie Bälle verkauft das Unternehmen selbst, ebenso wie Kleidung und Accessoires.

Zudem schreibt Kissner Fachbücher und hat mit ihrem Mann seit zehn Jahren ein erfolgreiches Fitnesscoachingprogramm auf dem Markt. Außerdem sind sie Eltern von zwei kleinen Kindern. Also mehr als genug zu tun. Dazu kommt der Content, den die Influencerin für Instagram produziert. Nach wie vor machen Social-Media-Kooperationen rund 30 Prozent des Umsatzes aus. „Das macht mir Spaß, es ist aber auch ein täglicher Balanceakt“, erzählt Kissner, die jahrelang für Puma und Red Bull gearbeitet hat. „Man möchte interessant und nahbar bleiben. Nahbar kann ich auf jeden Fall, ich zeige einfach meinen Alltag.“ Das mit dem Interessant-Sein muss man sich erarbeiten. „Wenn du nicht täglich dranbleibst, merkt das die Community und auch der Algorithmus dankt dir das nicht.“ Sie weiß: Ihre Präsenz ist das beste Marketing. Die Outfits, die sie vor der Kamera trägt, werden viel öfter gekauft.

Seit sie Mutter geworden ist, haben sich nicht nur die Kooperationspartner geändert, auch die Community ist raus- oder mitgewachsen. Es sind fast nur noch Frauen, etwa im selben Alter – und fast alle aus dem süddeutschen Raum. „Das ist bei Influencermarken häufig so, dass man die Person mit der Region verknüpft“, erklärt Kissner. Dabei stammt sie nicht von hier. Einen großen Teil ihrer Jugend hat sie in Singapur verbracht, kam erst nach dem Abitur zurück nach Deutschland, studierte Jura in Freiburg und lernte im Nachtleben ihren jetzigen Mann kennen. 2008 ist sie zu ihm gezogen. Aus Singapur nach Königschaffhausen, ein ungewöhnlicher Weg – nicht nur der Dialekt war eine Herausforderung. „Daniel kann sogar hören, ob jemand aus Wyhl oder aus Endingen kommt“, erzählt Anne Kissner und lacht.

Für sie ist das Badische neu gewesen. Ihr Vater kommt aus Mettmann (NRW), ihre Mutter ist Chinesin. Deren familiäre Beziehungen nach Shanghai kommen dem Unternehmerpaar heute zugute. Sie haben die Bodykiss-Produktion dorthin verlegt, woher auch die Stoffe stammen. „Ich bin sehr deutsch in meiner Mentalität, aber ich weiß, wie die chinesische funktioniert“, sagt Kissner. Vor allem Respekt in Geschäftsbeziehungen sei den Chinesen wichtig. „Wie man formuliert, dass einem etwas nicht gefällt, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen, das hat mir meine Mutter schon früh beigebracht.“

Immer eingeplant: Platz zum Spielen für die beiden Kinder. Derzeit baut die Familie ein Ferienhaus auf der Insel Koh Samui und begleitet den Prozess von Anfang an auf Instagram. Auch dorthin haben sie familiäre Bande: Daniel Henningers Stiefmutter stammt aus Thailand.

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