Seit gut anderthalb Jahren ist sie Chefredakteurin der Badischen Zeitung. Beim Espresso im Freiburger Kohi Café spricht die 47-Jährige über die Kraft des Lokaljournalismus und die Bedeutung der Region.
Text: Julia Donáth-Kneer • Fotos: Santiago Fanego
Es ist nicht leicht, einen Termin mit Carolin Buchheim zu finden. Doch wenn es dann klappt, ist es wunderbar entspannt. Das Interview findet auf der Fensterbank des Kohi Cafés in der Freiburger Gartenstraße statt, dem Eckchen der Innenstadt, das genauso verborgen wie zentral ist. Seit vergangenem Jahr ist Buchheim Chefredakteurin der Badischen Zeitung, sie teilt sich den Job mit Stephan Schröter (57). Zu tun hat sie genug. „Mein Tag könnte locker doppelt so viele Stunden haben“, sagt sie. Während der Journalist Schröter von Axel Springer zur BZ wechselte, ist Buchheim ein Eigengewächs.
Schon als kleines Kind habe sie Zeitung gespielt, Themen ausgesucht und zusammengestellt. Anfang der 2000er, zu einer Zeit, als es das Wort „bloggen“ nicht mal gab, begann Carolin Buchheim damit, „Dinge ins Internet zu schreiben“. Markus Hofmann, damals bereits Leiter der Digitalinhalte bei der BZ, stolperte über ihre Inhalte und stellte sie ein. Buchheim wurde die erste Onlinevolontärin des Badischen Verlags und eine der ersten Redakteurinnen des Portals Fudder.de, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, als es 2007 den Grimme-Preis erhielt. 2014 wechselte sie von der Digital- in die Stadtredaktion, bevor sie im April 2025 die Chefredaktion übernahm. „Ich habe mal meinen Hut in den Ring geworfen“, erzählt sie. „Solche Stellen werden nicht jeden Tag ausgeschrieben“.




Nirgendwo sei sie besser aufgehoben als hier. „Mein Herz schlägt für das Lokale und Regionale“, sagt sie. Zwar sinken die Auflagenzahlen der Tageszeitungen in Deutschland seit Jahren, aber das sei kein Grund für Verlustängste. „Die Herausforderung ist natürlich riesig“, sagt Buchheim, die aus Dinslaken stammt und fürs Jurastudium nach Freiburg kam. „Aber ich glaube, dass die Bedingungen hier trotzdem gut sind. Man kann wahnsinnig interessante Themen machen: wirtschaftlich, kulturell, gesellschaftlich. Dazu kommt die Grenzregion. Wenn ich unser
Verbreitungsgebiet anschaue, würde ich mir tatsächlich keinen anderen Ort in Deutschland aussuchen.“ Nah dran sein will Buchheim nicht nur an den Lesenden, sondern auch an den Kolleginnen und Kollegen. Nach ihrem Jobantritt reiste sie mit ihrem Co-Chefredakteur durch die Region und besuchte alle 13 Standorte der einzelnen BZ-Redaktionen.
Und was bringt die ehemalige Onlinespezialistin für die gedruckte Zeitung mit? Zunächst mal Erfahrung: Mit den Digitalinhalten der großen Player wie Meta oder Tiktok kann man nicht mithalten. Dennoch soll die Onlinenutzung Spaß machen. „Das Internet ist natürlich nicht unser Feind, im Gegenteil. Ich bin besonders dankbar für jeden digitalen Abonnenten“, erklärt Buchheim und betont: „Wir konkurrieren aber nicht nur mit anderen Onlineangeboten, sondern vor allem mit Medienferne und Desinteresse – und natürlich mit Akteuren, die kein Interesse an freier Berichterstattung haben.“ Es ist ein Thema, das ihr am Herzen liegt und dem sie entschieden entgegentreten will. „Wenn jemand ,Lügenpresse‘ ruft, kann man darauf immerhin noch antworten. Schlimmer ist es, wenn die Menschen aufgeben. Wenn sie glauben, sie könnten ohnehin nichts mehr ändern, oder zumachen, weil ihnen alles zu schlimm erscheint.“ Dann müsse es darum gehen, ihnen bewusst machen, warum es guten, freien Journalismus braucht und was er auch im kleinen, alltäglichen Leben bewirken kann.
In den anderthalb Jahren als Chefredakteurin sei vieles zu kurz gekommen, vor allem die Zeit mit ihren Freunden. „Klar ist es stressig, aber es ist positiver Stress“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Carolin Buchheim trennt nicht zwischen Job, Selbstverständnis und öffentlicher Funktion. Lokaler Journalismus erfüllt eine demokratische Funktion, davon ist sie überzeugt. Für sie persönlich heißt das auch: Man muss den Menschen zuhören, ob man nun im Dienst ist oder nicht, weil es oft vor allem um jene Geschichten geht, die sonst nicht erzählt werden würden.

Am Ende des Gesprächs berichtet Carolin Buchheim von ihrem liebsten Fund. Sie war vor einigen Jahren in Ligurien und entdeckte an einer Pinnwand in einer kleinen Olivenölmühle einen ausgeschnittenen Artikel aus der Badischen Zeitung von November 1995: „Olivenöl, die Butter des Südens“ von Wolfgang Abel. „Ich konnte es kaum glauben. Das war der schönste Ort, an den mir je ein BZ-Artikel begegnet ist“, sagt sie. „Und dort hochrelevant. Das liebe ich.“