Eine New Yorkerin und zwei New Yorker halten große Stücke auf südbadische Innovationen, denken aber, dass diese ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Das wollen sie ändern. Ihre Organisation Cross Bridge Ventures soll die hiesige Forschungslandschaft und Start-up-Szene mit Geld und Rat unterstützen.
Text: Kathrin Ermert
Der Termin war nicht zufällig gewählt. Einen Tag vor dem Käpsele Innovation Festival luden die US-amerikanischen Alumni der Uni Freiburg, Jeffrey Himmel und Susanne Wilke, Personen aus der hiesigen Wirtschaft und Wissenschaft ein, um ihre Ideen und Pläne vorzustellen. Dafür hatten sie einen weiteren New Yorker dabei: Randy Howie ist Maschinenbauer und Mitgründer der Nonprofit-Organisation New York Robotics, war zuvor viele Jahre Chef einer Softwarefirma und hat schon früh mit künstlicher Intelligenz gearbeitet.
Jeffrey Himmel, ein rüstiger Rentner, der mehr als 40 Jahre in Führungspositionen des US-Stahlunternehmens Artco Steel Corporation gearbeitet hat, verbrachte Mitte der 1970er-Jahre einige Semester in Freiburg, blieb der Stadt und Region seither verbunden und engagiert sich seit fast zwanzig Jahren als Alumni der Uni Freiburg. Er hat die Nordamerika-Sektion gegründet, die „American Friends of Freiburg University“, und ein transatlantisches Mentorenprogramm aufgebaut, das deutsche Akademikerinnen und Akademiker mit der US-Wirtschaft verbindet und sammelte dafür im Laufe der Jahre mehrere Millionen Euro Spenden ein. Sein Engagement, das er nun auf die Freiburger Tech- und Gründungsszene ausweiten will, begründet Himmel mit einer amerikanischen Tradition: Den Institutionen, die einen geprägt und gefördert haben, etwas zurückzugeben.
Susanne Wilke ist gebürtige Deutsche, studierte, lebt und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in den USA und fördert Life-Science-Unternehmen. Als sogenannte Kauffman Felllow ist sie darauf spezialisiert, vielversprechende Start-ups zu identifizieren und zu unterstützen. Gemeinsam mit Himmel besucht sie regelmäßig Südbaden und sei jedes Mal erstaunt, was sich hier alles tut, sagt Wilke. Sie sieht die Region als Vorreiter im Ingenieurs- und Technologiebereich, aber die Kapitalisierung und Kommerzialisierung hinkten nach, auch im Vergleich zu anderen europäischen Innovationszentren. „Da können wir helfen“, sagte Wilke. Und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch als Partner und Mentoren. Die Idee sei ein „Innovation Corridor“ zwischen New York und Freiburg. Randy Howie kann sich beispielsweise Kooperationen zwischen der „explodierenden Freiburger Gründerszene“ und seinem New Yorker Robotik-Netzwerk vorstellen. Die Tech-Unternehmen in New York wachsen laut Howie sechsmal so schnell wie die restliche US-Wirtschaft.
Die drei aus New York wollen dazu beitragen, „das Beste beider Länder zu verbinden“ und damit der deutschen Wirtschaft eine neue Richtung und neuen Schwung geben, sagt Himmel. Denn welche Folgen eine Deindustrialisierung haben kann, beobachteten sie gerade in Donald Trumps Vereinigten Staaten. Der Auftritt in Freiburg fand in einem frühen Stadium statt. „Es ist das erste Mal, dass wir unsere Pläne öffentlich vorstellen“, erklärt Wilke. Und Himmel präzisiert auf Nachfrage: „Wir arbeiten gerade daran, Investoren in den USA zu finden, wollten aber, dass Unternehmen hier wissen, was wir vorhaben.“ 50 bis 60 Millionen Dollar sei das Ziel für den Venture-Fonds. „Diese Kooperation mit New York ist ein Weihnachtsgeschenk“, sagt Friedhelm Beyersdorf zu den Plänen des US-Trios. Der frühere Ärztliche Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen und Gründer des Start-ups Resuscitec setzt sich im Ruhestand für disruptive Technologien ein. „Ich rate sehr dazu, die sich dadurch bietenden Möglichkeiten zu nutzen.“


