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Daten: Im Netz der Genossen

  • 5. Mai 2019
netzwerk südbaden
Ron Spelt ist Chef der Internetagentur Adimals in Bad Krozingen, die für das WLAN Projekt verantwortlich ist – selbst jedoch keine Website hat. Foto: ZVG
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Eine Volksbank bringt gratis WLAN ins Markgräflerland und spricht von „digitaler Wirtschaftsförderung“ – aber steckt noch mehr dahinter?
Von Philipp Peters
Die Volksbank Breisgau-Markgräflerland wird zum WLAN-Anbieter. In Bad Krozingen, Breisach, Müllheim und Neuenburg soll bald das neue Netz live geschaltet werden. Es sei „eines der größten in Deutschland und startet mit rund 60 Access-Points“, heißt es in einer Mitteilung der Bank. „Gegen die großen Onlineplayer und für unsere regionale Wirtschaft können wir etwas tun“, sagt Bankchef Norbert Lange. Es beginne nun damit, „die Region aktiv zu digitalisieren“.
Die südbadische Bank ist nicht die erste, die dieses Modell nutzt. Und es geht auch nur vordergründig darum, die Region mit schnellem, mobilem Internet zu versorgen. Es geht ums Geld. Und das will man wohl mit den Daten der Kunden verdienen. Dietmar Kößler versichert jedoch: „Ein Erlösmodell gibt es noch nicht.“ Kößler ist Geschäftsführer der Breisgau- Markgräflerland Medien, quasi der Betreibergesellschaft des WLANs.
Einen niedrigen sechsstelligen Bereich werde die Bank jetzt investieren, genauer sagt er es nicht. „Es ist auch nicht günstiger, als eine Filiale zu sanieren“, so Kößler. Doch ob mit dieser Investition auch mal Geld verdient werden kann, ist aktuell noch unklar. Bewegungsmuster für Bankangebote Die Bank wünscht sich „eine intelligente Online-Plattform, die der Region im immer härter werdenden Online- und Direkt-Business Wettbewerbsvorteile verschafft“. So lange die WLAN-Nutzer den Bedingungen zustimmen, ist das natürlich erlaubt. Bezahlt wird dann eben nicht mit Geld, sondern mit persönlichen Daten.
Doch Allgemeine Geschäftsbedingungen gibt es zurzeit noch nicht. Was der WLAN-Betreiber seinem Nutzer abverlangt, ist noch nicht einsehbar. Dabei ist das doch die entscheidende Frage: Was gibt der einzelne Nutzer von sich preis und was passiert mit diesen Informationen? Kaum eine Branche hat Zugriff auf so sensible Datenpakete wie die Finanzwirtschaft. Gewachsen daraus, haben die Kunden oft großes Vertrauen zu ihrer Bank. Auch Sensibles glaubt man dort in guten Händen. Wird dieser Ruf nun gefährdet, wenn eine kleine Regionalbank selbst zur Datenkrake wird?
Denn faktisch lassen sich mit den Online-Fußabdrücken höchst präzise Bewegungs- und Verhaltensmuster zusammentragen. Natürlich schafft eine Volksbank es, kostenloses Internet in die City zu strahlen. Aber ist das überhaupt ihr Auftrag? Andere Banken haben diese Frage schon für sich beantwortet – und verdienten damit offenbar ordentlich Geld. Auf internen Veranstaltungen der Genossenschaftswelt wird das Erlösmodell mit solchen Big-Data-Plattformen sogar emsig diskutiert. Eine andere Bank berichtet davon, rund 30.000 Euro in frei nutzbares WLAN investiert zu haben.
Dem stünde ein Vielfaches an zusätzlichen Provisionseinnahmen gegenüber. Dietmar Kößler schmunzelt nur: „Ach, wenn es so einfach wär.“ Ihre Provisionserlöse generieren Banken nicht dadurch, dass sie Rabatt-Gutscheine vom Bäcker oder gebrauchte Autos ins Angebot nehmen, sondern ganz bankspezifische Produkte zielgerichteter anbieten. Mit Internet-Daten kann man verstehen, wer zum Beispiel über einen Hausbau nachdenkt oder wem noch eine Versicherung fehlt. Diese Muster suchen Banken schon immer.
Im freien WLAN erledigt das ein Algorithmus für sie. Die Bank stemmt das Projekt nicht allein. Sie kooperiert mit der Internetagentur Adimals aus Bad Krozingen. Agentur-Chef Ron Spelt ist zu Antworten bereit, bleibt dabei aber vage. Wann es wirklich los geht? Das weiß er noch nicht. Wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen aussehen? Das müsse man noch klären. Er sagt aber: „Daten zu generieren ist kein angestrebtes Ziel.“ Terminlich ist Adimals bereits jetzt im Verzug. Der Jahreswechsel stand mal als Starttermin im Raum. Auf einer Pressekonferenz im Februar hatte man März/April angekündigt.
Mittlerweile ist klar, dass der technische Dienstleister das Projekt etwas unterschätzt hat. 60 Funkboxen in vier Städten zu installieren – das braucht Geduld. Dietmar Kößler hofft, dass es noch im zweiten Quartal dieses Jahres klappt. Auch, weil die Rathäuser die Volksbank beim Wort nehmen. Nach dem Funkstart werde man dann an den Aufbau der Marketing- Plattform gehen. Doch was soll „Online2Local“ – so der Markenname des Projekts – überhaupt sein? Eine WLAN-Version der Gelben Seiten?
Ein Konkurrenzprodukt zu lokalen Anzeigenblättern? Oder eben dieses „offene Mitmachprojekt“, dem die Volksbank mit mehr als 100.000 Euro Startkapital auf die Beine hilft? So richtig sagen kann einem das keiner. Im Moment nährt sich das Projekt aus Hoffnung und Vertrauen – und der Finanzspritze einer kleinen Volksbank. Für den kritischen Betrachter bleibt aber eine Reihe Fragezeichen.

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