Wahlanfechtungen, Irrtümer, Startschüsse – je nach Betrachtungsweise sind fünf Jahre fast nichts. Oder ein Zeitraum, in dem in der Region eine Menge passiert ist.
VON RUDI RASCHKE
Es ist ein außergewöhnliches Heft, das wir in der Hand halten, wenn wir die erste Ausgabe netzwerk südbaden vom Frühjahr 2014 aus dem Archivstapel ziehen:
„Menschen I Märkte I Meinungen“ lautete die Unterzeile und sie gab auch die grobe Gliederung unseres Magazins für eine Weile vor. Außergewöhnlich war vor allem die Optik mit viel Text auf der Titelseite, eher in der Nähe eines Informationsdienstes und damals bewusst unstylish.
„Hier ist netzwerk südbaden. Wir sind kein illustriertenähnliches Magazin“ war dann auch die Einstiegwarnung im Editorial der drei Gründungs-Herausgeber. Titelthema war „Schweizermachers Welt“, ein Erklärungsversuch anlässlich des Referendums vom 7. Februar vor fünf Jahren, bei dem die Einwanderung zur Debatte stand und damit auch Arbeitgeberthemen.
Ein Titelthema, das allerdings mit zwei Beiträgen auf insgesamt zwei Seiten erschöpft war. Insgesamt hatte der Erstling von netzwerk südbaden immerhin 32 Seiten. Zum Vergleich: Unsere August-Ausgabe vor einem Monat war bei 124 Seiten angekommen.
Wenn wir zurückblättern, dann finden wir vieles, was Dauerthema geworden ist und heute wie damals seine Berechtigung hatte, allen voran Geschichten rund ums Bauen, für Gewerbe wie fürs Wohnen. Hier hat sich in fünf Jahren wenig geändert, aber uns ging es immer ums „wie“, nicht ums „ob“.
Magazin-Entwicklung
Andere Themen und Geschichten klingen dagegen wie aus einer anderen Ära – über die Weinlese damals zum Beispiel, die von Kilian Schneider, dem Präsidenten des lokalen Weinbaus, mit einem Startschuss aus der Pistole eröff net wurde. Auch die Bildauswahl der Anfänge war aus heutiger Sicht eine, die nicht mehr in Mode ist. Die Jahre bis 2016 waren von Männern hinter Tischen mit Namensschildern und Kaff eekannen darauf dominiert – eben die arg naturgetreue 1:1-Abbildung des Pressekonferenzen-Alltags der Redaktion.
Die Redaktion war vor allem von Jörg Hemmerich geprägt, der zuvor jahrzehntelang in Diensten von Stuttgarter Zeitung und Badischer Zeitung aus dem Land und der Region Südbaden berichtete. Seine Neugründungen „kommunal intern“ und später „baden intern“ bildeten zwischen 1995 und 2013 die Vorläufer unseres heutigen Magazins. Jörg Hemmerich betreute es von 2014 bis 2016 als Chefredakteur.
Dabei hatte er von seinem Standort Breisach aus immer die gesamte Region im Blick und auch ein Faible für Themen vom Rand des Erscheinungsgebiets, Moore im Südschwarzwald gehörten ebenso dazu wie Mercedes-Teststrecken in Immendingen. Hemmerich sorgte mit einem schlichten Satz, dass Neuenburgs Oberbürgermeister Schuster sein Rathaus „auf striktem Erfolgskurs“ halte und überhaupt nichts gegen seine Wiederwahl spreche (Februar 2015) dafür, dass diese Wahl in Neuenburg später vom Verwaltungsgericht für ungültig erklärt wurde.
Was von Hemmerich und netzwerk südbaden nie als Wahlempfehlung für den bis dato einzigen Kandidaten gedacht war, sondern schlicht als Status-Update der Gemeinde, fand ins dortige Stadtblatt und sorgte für eine erfolgreiche Anfechtung.
Meinungsstarker Journalismus bedeutet ja nicht, dass externe Fachleute außen vor bleiben.

Der uneitle Chefredakteur schrieb zu seiner vermeintlichen Einflussnahme: „Wahlen wegen eines Artikels zu kippen halten wir nun wirklich nicht für sehr sinnvoll.“ Neben Randthemen gab es bei ihm in den ersten Jahren viel Nachrichtliches, Bilanzen, meist auch samt einer kompetenten Einordnung derselben.
Infrastruktur-Evergreens hießen schon damals „Sorge um Projekt Breisgau S-Bahn 2020“ und „2020 geht’s vielleicht mit der Bahn zum Airport“. Zwischendurch fand sich aber auch Unterhaltsames wie das Bodensee-Schiff mit 1000 Swingern, die für ihre Umtriebigkeit mit wirtschaftlichen Vorteilen und Übernachtungszahlen warben.
Kein kurzer Zeitraum
Wie alle Menschen in der Öffentlichkeit, die Prognosen abgeben, waren auch die im netzwerk früh zu Wort Gekommenen nicht gefeit vor Fehleinschätzungen und Irrtümern. Geschäftsführer-Statements wie „Messen für Endverbraucher funktionieren perfekt“ zeigen einfach auch, dass fünf Jahre gar kein so kurzer Zeitraum sind.
Das gilt auch, wenn man auf Unternehmen blickt, die ihre Vorhaben in unserem Magazin etwas ausführlicher ausbreiten durften, beispielsweise die Tanzschule Gutmann, die sich innerhalb dieser fünf Netzwerk-Jahre nicht nur zur größten ihrer Art in Europa entwickelt hat – sondern auch unter Innovations-Gesichtspunkten einer der Vorzeigebetriebe der Region wurde.
Zu den Inhalten der ersten Jahre gehört eben auch, dass – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – spannende Stories aller Arten ins Heft fanden. Auch Macher wie Udo Möbes, Gastautor dieser Ausgabe, zählen mit Ihrer Entwicklung dazu: Vom Manager über Hunderte von Menschen zum eigenen Herr, der seine Erfahrungen an einem der schönsten südbadischen Coaching-Orte überhaupt, der Saiger Lounge am Feldberg, teilt.
Der Kollaborationsgedanke war stets wichtig für netzwerk südbaden. Meinungsstarker Journalismus bedeutet ja nicht, dass externe Fachleute außen vor bleiben. Zum Pioniergedanken zählt für uns aber auch, dass Begrifflichkeiten den Weg zur Leserschaft eines regionalen Wirtschaftsmagazins fanden, die davor eher in Fachmagazinen aufgetaucht waren.
Man denke an die eingehende Beschäftigung mit Themen rund um Mitarbeiterbindung und Employer Branding, ans Kümmern um Neu-Mitarbeiter („onboarding“), new-work-Arbeitsumgebungen – aber auch schlicht an genussvolle neue Wirtschaftstrends wie das einheimische Craftbier.