Bernd Schilling arbeitet seit 1994 beim Antriebsspezialisten IMS Gear aus Donaueschingen, seit 2011 an der Firmenspitze. Bei seinem Wirken orientiert er sich an seinen Vorgängern. Die setzten auf eine Mischung aus langfristiger Strategie und schnellen Reaktionen.
„Ich bin vor mehr als 30 Jahren über einen Studienfreund zu IMS Gear gekommen, als ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war. Seitdem hat mich bei der Stange gehalten, dass es für mich immer wieder neue, spannende Aufgaben gab. Zuerst habe ich den Bereich Industrial Engineering für die Automatisierung eigener Fertigungsprozesse aufgebaut, dann am Aufbau des Standortes in Gainesville, USA, mitgewirkt, zurück in Deutschland den Formenbau, später den Vertrieb und die Komponentenentwicklung geleitet, bevor ich in die Geschäftsführung eingestiegen bin.
Die heutige Zeit erinnert mich an meine Anfänge. 1994 war IMS Gear ein Unternehmen im Umbruch. Nach dem Tod des geschäftsführenden Gesellschafters Rudolf Zimber-Morat rückten mit Clemens Rosenstiel und Norbert Willmann zwei Fremdgeschäftsführer an die Firmenspitze – eine Zäsur in wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Rosenstiel und Willmann fuhren zweigleisig: Zum einen entwickelten sie eine Unternehmensstrategie für die nächsten zehn Jahre, setzten sich ambitionierte Ziele und verwirklichten sie sukzessive. Sie legten den Fokus auf den Automotivbereich und initiierten die Internationalisierung. Zum anderen mussten sie stets auf kurzfristige Entwicklungen reagieren und schnell Entscheidungen treffen.
Es braucht also immer die richtige Balance aus langfristiger Ausrichtung und der Fähigkeit und Bereitschaft, auf kurzfristige Entwicklungen schnell mit den nötigen Maßnahmen zu reagieren. Das habe ich von den beiden gelernt. Und das haben wir auch in der Nachfolge während fast 13 Jahren im Dreierteam Dieter Lebzelter, Wolfgang Weber und Bernd Schilling so gehalten. Mit dem Ausscheiden der beiden Kollegen in den Ruhestand und dem Eintritt von Ales Starek 2024 haben wir mit einem internationalen Team von Mitarbeitenden die Agenda für die nächsten zehn Jahre entworfen. Angesichts des Strukturwandels in der Automobilindustrie, der Digitalisierung und geopolitischer Veränderungen mussten wir wiederum neu denken.
Bei solchen Umbrüchen ist es wertvoll, auf die eigene lange Firmengeschichte schauen zu können. Das habe ich in den mehr als 30 Jahren bei IMS Gear gelernt. Man erkennt, wie es dem Familienunternehmen in 160 Jahren mit vielen Krisen immer wieder gelungen ist, sich neu zu erfinden. Das gibt uns das Selbstvertrauen, die jetzt nötige Veränderung zu meistern: Wir müssen unsere Fähigkeiten, Prozesse und Produkte in eine digitale Welt übersetzen und neben Automotiv auf weitere Branchen diversifizieren. Ich schaue dabei nicht nur nach innen, sondern hole mir im Austausch mit anderen Unternehmen aus anderen Branchen und Ländern Inspirationen.“
Protokoll: Susanne Maerz
Der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbauingenieur Bernd Schilling (60) stammt aus dem Klettgau. Er verantwortet die Entwicklung der Komponenten sowie den Vertrieb von IMS Gear. Das 1863 in Eisenbach gegründete Familienunternehmen ist auf Zahnrad- und Getriebetechnik spezialisiert, macht seinen Hauptumsatz mit der Automobilindustrie und beschäftigt rund 2900 Mitarbeitende. Schilling ist seit 1994 im Unternehmen. Seit 2011 steht er an der Firmenspitze. 13 Jahre lang führte er IMS Gear gemeinsam mit Dieter Lebzelter und Wolfgang Weber. Nach deren altersbedingtem Ausscheiden bildete Schilling mit Ales Starek ein Führungsduo, seit Jahresbeginn gehören noch Zoltan Nemeth und Norbert Neumann zum gleichberechtigten Vorstandsteam.