Das zunächst versemmelte Konzept zur Bäderöffnung der Stadt Freiburg war aufschlussreich: Nicht nur, weil Ober- und Finanzbürgermeister die Tragweite des Themas unterschätzt hatten. Auch die Steuerung entglitt ihnen: Gegenüber steht eine städtische Gesellschaft, die das Rathaus zum wiederholten Male vorführt.
VON RUDI RASCHKE
An dieser Stelle könnte jetzt gut stehen, dass die Stadtbau klug improvisiert, dass sie in einer schwierigen Zeit Konsequenz ausstrahlt, oder dass sie verlässlich kommuniziert. Und trotz Corona-Vorgaben an etwas Infrastruktur für Normalmenschen denkt. Leider trifft alles das nicht zu. Denn die Stadt Freiburg schaffte es, eine reduzierte Anzahl von Bädern einen Monat nach der jüngsten Verordnung des zuständigen Sozialministeriums so zu öffnen, dass wirklich keiner etwas daran professionell finden mag: Nichts am Disput zwischen der zuständigen Freiburger Stadtbau und dem Sportdezernat, bei der erstere ein Konzept vorgelegt haben will, das bei letzterem dann eine Weile rum gelegen haben soll.
Und auch nichts an der zuerst gefundenen Lösung von zwei-Stunden-Besuchen, die für Menschen mit Kindern ein Witz sind, der unreduzierte Preis dafür das Gegenteil. Das scheinbar wohl überlegte Konzept zur Öffnung am 1. Juli wurde nur eine Woche alt, bis es neu gefasst wurde. Aus der Stadtbau ist zu hören, dass es selbstverständlich bereits im Mai einen Plan gegeben habe, bevor die Ministerin am 4. Juni des Monats die Eckdaten für eine zurückhaltende Öffnung gegeben hatte.
Dass es so spät wurde, habe auch nicht am fehlenden Schulterblick für die anderen geöffneten Bäder im Land gelegen, es habe durchaus eine Absprache im „Bäderverbund“ gegeben. Lediglich für die Feinjustierung, mit Wasser im Becken und so, hat man sich am Ende noch einmal zwei Wochen Zeit nehmen müssen nach dem städtischen „Go“. Wegen Kosten- und Laborfragen. Zu beachten ist aber auch, dass die Stadtbau keinerlei Bäder- Neuigkeiten zwischen Mitte März und Mitte Juni bereit halten wollte.
Auch auf Anfragen lokaler Medien nach möglichen Öffnungen spielte die Geschäftsführung aus Magdalena Szablewska und Ralf Klausmann „Toter Mann“. Nur eben ohne Wasser. Hinzu kommt, dass die städtische Gesellschaft, die im Kerngeschäft eigentlich erschwingliche Wohnungen verwalten soll und selbst dafür dieses Jahr ein Ruck-Konzept aus dem Rathaus brauchte, hin und wieder mal den Sommeranfang verschlafen hat.
Auch ohne Corona und nur teilweise wegen herrschenden Personalmangels. Erst vor drei Jahren herrschte im Lorettobad Chaos am Drehkreuz, Öffnungszeiten erst zur Siesta, „Preise nicht aktuell“ mit Edding auf Pappteller geschrieben – bei 30 Grad zum Junianfang fühlte man sich an ein Sport- und Erholungs-Kombinat der untergegangenen DDR erinnert. Dieses Jahr bleibt das Kleinod Lorettobad gleich ganz geschlossen. Kommuniziert wurde das nur an einen arg eng anmutenden inneren Zirkel: Nicht an Gemeinderäte, Ausschussmitglieder, Stadtbau-Aufsichtsräte oder potenziell engagierte Unterstützer in Vereinen.
Die Stadt ließ das durchgehen. Als Finanz- und Sportbürgermeister Stefan Breiter Mitte Juni schließlich informierte, ob vor dem Herbst noch ein kleiner Schwimmbadbesuch in Freiburg möglich sein könnte, lag ein aufwändiges Hygienekonzept vor, allerdings mit praxisfernen Zeiten fürs Schwimmen. Geöffnet werden insgesamt drei Bäder, sechs bleiben geschlossen. Man hört aber niemanden „alles richtig gemacht“ sagen, nicht einmal „den Umständen angemessen“.
Und natürlich ist es ein teurer Spaß, die Bäder mehr schlecht als recht für ein paar hundert Leute pro Tag zu öffnen. Trotz der monatlich 400.000 Euro Mehrkosten in einem ohnehin- Zuschussbetrieb hätte man sie aber auch nicht geschlossen lassen können. Zu schwer wiegt bei allem auch der Eindruck, dass sich die Chefs im Rathaus hier vorführen ließen. Man muss kein Anhänger der Vorgänger von Oberbürgermeister Martin Horn und Stefan Breiter sein, um sich das schwer vorstellen zu können: dass diese sich das dürre Konzept einer städtischen Gesellschaft aufnötigen hätten lassen, statt selbst Ansagen zu machen.
Gerade wenn ein so zentrales soziales Ventil, nämlich die Bäderöffnung, verhandelt wird. Das trotz Pandemie mit etwas Improvisation und Kommunikation dankbar gemeistert hätte werden können. Egal, welche Seite sich unbeholfener präsentiert hat: Zum Sommerauftakt gab es rund um Bäder und Verwaltung eigentlich nur Verlierer.