Das Familienunternehmen Jung aus Teningen produziert Bio-Säfte aus dem, was unbehandeltes Streuobst hergibt. Heraus kommt ein naturtrüber Charakter, der immer mehr Leuten schmeckt.
VON DANIEL RUDA
Der Hof der Firma „Jung Fruchtsäfte“ liegt am Ende der schmalen Goethestraße am Ortsrand von Teningen. Die ist so versteckt, dass das Straßenschild sogar ein eigenes Straßenschild hat, ein paar hundert Meter und ein paar Ecken weiter: „Zufahrt zur Goethestraße.“
Deutlich leichter zu finden als der Hof ist in den Edekas, Lidls, Rewes sowie in Naturkostläden und auf immer mehr Getränkekarten der Region das, was hier hergestellt wird: Bio-Säfte in zig Varianten, hergestellt aus ungespritztem Streuobst.
17 solcher Säfte gibt es insgesamt, vor allem solche auf Apfelbasis. Dazu kommen noch Cidres, Apfel-Essige, Nektare und außergewöhnliche Schorlen (Apfel-Ingwer ist zu empfehlen). Im Supermarkt stehen die Flaschen, die preislich je nach Sorte irgendwo zwischen 1,79 und 3,79 Euro liegen, im Regal in Griffhöhe: Man kann schon sagen, dass es Säfte aus dem Premium- Segment sind.
Das kleine Unternehmen von Bio-Obstbauer Klaus Jung und seinem Sohn Leander Jung- Lüdemann hat die Marke der „Jung-Fruchtsäfte“ zuletzt erfolgreich ausgebaut. Seit drei Jahren steigen die Umsätze um jeweils fast 30 Prozent. Genaue Zahlen will Jung nicht nennen, wegen der Abhängigkeit vom Wetter gebe es gerade in der Produktion ohnehin große Schwankungen.
Jung ist beliebt
Von der Rekordernte und dem überraschenden Produktionsplus von 250.000 Litern Saft in 2018 ist die Ernte dieses Jahres weit entfernt. Dennoch: Die Umsätze bei Jung steigen, die Säfte sind beliebt. Die Firma investiert weiter ins eigene Wachstum. „Wir stehen und leben für die Qualität. Es schmeckt einfach anders als der auf Süße gezüchtete Industriesaft“, sagt Klaus Jung über das eigene naturtrübe Produkt.
Und gesund sei es auch noch. Dafür habe der Saft eben seinen Preis, „und die Leute erkennen das auch an“, erzählt der 65-Jährige in einer Stube des großen alten Hofes, der, wenn man ihn gefunden hat, vor allem eines vermittelt: Hier wird was geschafft. Die Möblierung der Stube besteht aus einem Tisch und mehreren Paletten voller grüner Getränkekisten mit Jung-Säften. Überall stehen Kisten, auf dem Hof die leeren, drinnen die vollen.
Eine große knarzende Tür führt in die Halle, in deren Mitte eine Reihe von rund zehn Meter hohen Lagertanks steht. 200.000 Liter produzierter Saft passen insgesamt rein, und sind auch gerade drin. Drumherum stapeln sich weitere Paletten mit vollen Flaschen. Sohn Leander huscht hin und her, es ist viel zu tun gerade, die Produktion läuft, auch ein paar Erntehelfer sind an diesem Oktobernachmittag unterwegs.
Die Arbeit des 34-Jährigen spielt sich zwischen Technik und Schreibtisch ab. Vater Klaus Jung ist als Landwirt vor allem draußen unterwegs. „Bei uns ist Apfelsaft das, was aus dem Apfel rauskommt, und sonst nichts“, beschreibt der 65-Jährige in prägnant kurzen Worten das, was sie machen. In die Direktsäfte kommen keine Zusatzmittel rein, das ist Mantra, Auftrag, Gesetz des Hauses. Seit Anfang der Neunziger produziert und vermarktet der 65-Jährige Fruchtsäfte und Cidre.
Der Anfang des Saftladens
Einer der ersten sei er gewesen, der sich unter der EU-Bioverordnung damals schon mit seinen ersten gepachteten Flächen habe zertifizieren lassen. „Wenn, dann mache ich es konsequent. Die Streuobstwiesen werden sowieso nie gespritzt, also kann ich mich auch einer Kontrollstelle anschließen und zertifizieren lassen“, erinnert sich der gelernte Mechaniker, der einst ein eigenes Büromaschinengeschäft führte.
„Die Computer kamen, und ich hatte keine Lust, nur noch Platinen auszutauschen, dann habe ich das Hobby halt zum Beruf gemacht.“ Jahrelang produzierte er in einem 450-Quadratmeter Gewölbekeller in Emmendingen Säfte, als der zu klein wurde, kaufte er vor zehn Jahren den Hof in Teningen. Seither ist auch Sohn Leander fest an Bord. Produziert werde nur soviel, wie es die Wiesen mit ihren Hochstamm- Obstbäumen hergeben.
„Der Begriff geht darauf zurück, dass die Bäume früher verstreut um die Dörfer und Bauernhöfe gepflanzt wurden. Nicht, weil das Obst auf dem Boden rumliegt“, erklärt Klaus Jung. Die Natur dürfe machen, was sie will, und die Firma Jung macht dann Säfte daraus. „Aus 100 Kilogramm Äpfeln bekommen wir 70 Liter Apfelsaft raus“, der sogenannte Apfeltrester, der in der Produktion übrigbleibt, geht zum Großteil an einen Biobetrieb. „So wird der Kreislauf geschlossen.

Es wird nichts weggeworfen, sondern alles verwertet.“ Den größten Teil der Bestellungen liefert die Firma selbst in alle südbadischen Ecken aus. Auch ein paar ferne Kunden sind dabei, aus Karlsruhe, Heilbronn oder Wiesbaden etwa, das übernehmen Speditionen. Die Äpfel für die Produktion kommen einerseits von den eigenen Bio-zertifizierten Streuobstwiesen mit insgesamt 20 Hektar Fläche. Dazu produziert Jung auch naturtrübe Säfte, die nicht das Bio-Siegel tragen.
Die kommen von den Streuobstwiesen fremder Erzeuger. Mehr als 100 sind es, Landwirte und Privatpersonen, die ihre Äpfel bei Jung abliefern. „Manche kommen mit einer 20-Kilogramm-Kiste, andere gleich mit ein paar vollen Hängern.“ Auch ein sogenannter Nabu-Apfelsaft wird gemacht, der in Kooperation mit dem Naturschutzbund Kaiserstuhl ensteht, und aus den Streuobstwiesen von weiteren 45 Erzeugern produziert wird.
Der Zweck dahinter: Die Streuobstwiesen zu fördern und zu erhalten. Als „Herzenssache“ beschreibt Klaus Jung die Fürsorge für die Natur und die ungekünstelte Gewinnung ihrer Schätze, der er sich seit so vielen Jahren widmet. Auch das Schnapsbrennen reiht sich da ein, das inzwischen ebenfalls zur Marke geworden ist: „Brandjung“.
Birnenschnaps
Im Doppelbrandverfahren produziert Jung seit neun Jahren auf seinem anderen Hof, zu Hause in Buchenbach- Unteribental, unterschiedliche Edelbrände, ebenfalls auf Streuobstbasis. Den sogenannten Birnoh etwa, für den sich Jung vor vier Jahren mit drei anderen baden-württembergischen Kollegen zu einer kleinen Gilde zusammenschloss. Alle stellen den 18-prozentigen Aperitif aus alten Birnensorten nach dem gleichen Verfahren her.
Dafür gab es ein Jahr später den Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovationen: „Ich möchte mich noch intensiv mit dem Schnapsbrennen beschäftigen, da habe ich noch viel vor“, sagt er. Erst einmal muss aber ein Haken hinter die aktuelle Saft-Produktion gesetzt werden. Danach beginnt schon die Vorbereitung für die kommende.
„Wir sind den ganzen Winter über bis hinein in den April draußen unterwegs, um die Bäume anzuschneiden“, erklärt Klaus Jung. Dazu kommen noch viele andere Arbeiten, die anstehen, auch das Schnapsbrennen gehört dazu. „Es gibt immer was zu tun.“