Basketball, Eishockey, Handball und Volleyball treffen auf die Freiwillige Feuerwehr. Für die neue Kampagne der Initiative „Die Großen Spiele – Teamsport Freiburg“ machen sie damit gemeinsam auf die Bedeutung des Ehrenamts aufmerksam.
Text: Christine Weis • Fotos: Achim Keller
Es ist eine ungewöhnliche Szenerie, die sich an diesem Nachmittag Mitte September in der Hauptwache der Freiburger Feuerwehr abspielt. Sportlerinnen und Sportler in Turnschuhen, Trikots, mit unterschiedlichen Bällen sowie Eishockeyschläger in der Hand posieren im, vor und auf einem Löschfahrzeug zusammen mit uniformierten Feuerwehrleuten. Anweisungen gibt nicht die Einsatzleitung, sondern Fotograf Achim Keller. Vor seiner Kamera stehen Mitglieder der Freiburger Freiwilligen Feuerwehr und vier Gesichter des Freiburger Spitzensports: Basketballerin Paula Paradzik von den Eisvögeln des USC, Handballerin Julia von Krampen von den Red Sparrows der HSG, Volleyballer Fabian Hosch von der Affenbande der FT 1844 und der schwedische Eishockeyscorer Fabian Ilestedt von den Wölfen des EHC. Die vier Vereine mit ihren Mannschaften, die in den oberen Ligen ihrer Disziplin spielen, bündelt seit drei Jahren die Initiative „Große Spiele – Teamsport Freiburg“ mit dem Ziel, sie jenseits der omnipräsenten Herrenmannschaft des SC Freiburg sichtbarer zu machen, neue Fans zu begeistern und Sponsoren sowie Kooperationspartner zu gewinnen.
„Wie viele Sportvereine lebt auch die Feuerwehr vom ehrenamtlichen Engagement der Menschen.“ — Martin Münchbach
Für eines der Fotomotive tauschen die Spieler und Spielerinnen ihre Sportoutfits gegen schwere Feuerwehrmonturen samt Helmen. „Top Teams on Fire“ lautet das Motto der Kampagne für die Saison 2026/27. Der Titel ist wörtlich gemeint, und auch das Setting ist mehr als eine originelle Kulisse. Martin Münchbach bringt es auf den Punkt: „Wie viele Sportvereine lebt auch die Feuerwehr vom ehrenamtlichen Engagement der Menschen.“ Er ist Mitglied der Abteilung 8, die für die Stadtteile Stühlinger, Betzenhausen und Mooswald zuständig ist. Sein Kollege Tom Fuhrmann sieht eine weitere Parallele im Nachwuchsmangel. Zwar kämen vermehrt Quereinsteiger zur Feuerwehr. Bei Kindern und Jugendlichen könnte das Interesse allerdings größer sein. „Viele wissen nicht einmal, dass es in Freiburg neben der Berufs- auch Freiwillige Feuerwehren gibt“, sagt der 22-Jährige. Er selbst ist seit drei Jahren dabei. Nach der Coronapandemie wollte er etwas Sinnstiftendes machen.

Vier Vereine – eine Bühne
Initiator der „Großen Spiele“ ist Dietmar Junginger. Sport zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des 64-Jährigen, der aus Heidenheim stammt. Er spielte Handball, studierte Sport und betrieb einige Jahre eine Drachen- und Gleitschirmflugschule im Elsass. Nach Reisen durch Island und Grönland tourte er mit Multivisionsvorträgen durch Deutschland. „Damals noch alles analog, VW-Bus, sechs Projektoren, 4:3 Format, Bose Anlage“, erinnert sich Junginger.
Aus der Vermarktung der Vortragsveranstaltungen ist die Agentur Jumediaprint hervorgegangen, die Dietmar Junginger gemeinsam mit seiner Frau Gaby in Kirchzarten betreibt. Sie arbeiten unter anderem für die Intersport International Corporation, die in Bern ansässig ist und gaben 15 Jahre lang ein Fachmagazin für Inline-Speedskating heraus.
„Der Sport, alle Vereine, erfüllen gesamtgesellschaftliche Aufgaben von unschätzbarem Wert. Und damit meine ich nicht den Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen.“ – Dietmar Junginger
Dabei beschäftigt ihn immer wieder die Frage, warum das öffentliche Interesse „lemmingartig“ der Sportart Nummer eins folgt und dort Millionen teils in dubiosen Kanälen versenkt würden, ohne wirkliche Konsequenzen. Und das, während es eigentlich in fast allen anderen Sportarten an allem Elementaren mangelt: Sportförderung, Infrastruktur und soziale Absicherung für Athletinnen und Athleten sind dabei an oberster Stelle zu nennen. „Da gibt es hierzulande eine Schieflage, die es geradezurücken gilt“, ist er überzeugt. „Der Sport, alle Vereine, erfüllen gesamtgesellschaftliche Aufgaben von unschätzbarem Wert. Und damit meine ich nicht den Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen.“
Als sich 2022 das Ende der Coronabeschränkungen abzeichnete und eigentlich alle Vereine, die im Spitzensport zuhause sind, sich die Frage stellen mussten, ob und wie der „Neustart“ in den Stadien und Hallen gelingen kann, tüftelte Junginger das Konzept der „Großen Spiele“ aus. Dabei sollten für ihn besonders die Sportarten in den Fokus gerückt werden, die in Freiburg eben nicht so sehr im Rampenlicht stehen, aber seit vielen Jahren Spitzensport bieten: Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball.
Doch Jungingers Anliegen geht viel weiter: Er will nicht nur Zuschauer und Fans gewinnen, sondern auch auf die Defizite aufmerksam machen, die sich besonders bei der Sportinfrastruktur in Freiburg und der Region zeigen. Er ist auch überzeugt, dass es dabei nicht an der Erkenntnis der beteiligten Player aus Sport, Wirtschaft und Politik mangelt, sondern vielmehr an der notwendigen Bereitschaft und Konsequenz, an diesem Zustand etwas ändern zu wollen.
„Wir brauchen in Freiburg eine spitzensporttaugliche, zeitgemäße Halle mit entsprechender Infrastruktur für Sportlerinnen und Sportler, Medien, Zuschauer sowie mit VIP-Bereichen für Partner und Geldgeber.“ – Dietmar Junginger
Die Ausstattung moderner Arenen, Stadien und Hallen mit integrierten VIP-Räumlichkeiten sind heute bei der Sponsorengewinnung ein entscheidender Faktor, weiß Junginger. „Wir brauchen in Freiburg eine spitzensporttaugliche, zeitgemäße Halle mit entsprechender Infrastruktur für Sportlerinnen und Sportler, Medien, Zuschauer sowie mit VIP-Bereichen für Partner und Geldgeber“, fordert er. Wer sich mit viel Geld im Sport und damit gesamtgesellschaftlich engagiert, solle schließlich nicht „in einer Schmuddelecke mit Butterbrezel sitzen müssen“.
Wie man Aufmerksamkeit schafft, weiß der Marketingprofi. Dennoch war die Entwicklung des Konzepts der „Großen Spiele“ in fast allen Bereichen Neuland und daher durchaus auch mit dem Faktor „trial and error“ behaftet. „Soweit es sich recherchieren lässt, gibt es weltweit kein vergleichbares Konzept. Also die Zusammenarbeit von vier unterschiedlichen Vereinen, vier unterschiedlichen Sportarten, zwei Damen- und zwei Herrenteams“, so Junginger.
Die acht Eventspieltage je Saison bilden dabei das Fundament. Ein wesentlicher Bestandteil sind die günstigen Ticketpakete. Rund um die Eventspieltage gibt es etliche ergänzende Veranstaltungen, ein Saisonmagazin und viele weitere Marketingmaßnahmen. „Die Ticketpakete sind sehr beliebt. Letzte Saison wurden schon 400 verkauft. Damit sind wir schon am Limit und wieder beim Thema – die Hallenkapazitäten geben nicht mehr her“, sagt Junginger.
Er steckt viel ehrenamtliches Engagement in das Projekt. Es müsse sich am Ende aber auch wirtschaftlich durch Werbeeinnahmen und Sponsorengelder tragen. „Das ist kein einfaches Feld, da die Region eben nur ein begrenztes Potenzial an Sponsoren besitzt. Aber wir sind sehr optimistisch, dass wir weiter nach vorne gehen können, zumal wir mit Max Zimber-Morat einen Mann an unserer Seite haben, der die Großen Spiele lebt und vielseitig unterstützt – die Großen Spiele und auch alle daran beteiligten Vereine“, betont Junginger.
Mit dem Anliegen, die Diskussion über den Sport nach Freiburg zu holen und nicht nur in Berlin, Hamburg oder Frankfurt stattfinden zu lassen, entwickelte Junginger das Veranstaltungsformat „Sport Summit Freiburg“. Das hochkarätig besetzte Speaker-Line-up sorgte bei der ersten Ausgabe im Mai 2026 für ein volles Haus mit rund 200 Gästen bei der FT 1844 Freiburg, auf deren Gelände der Summit stattfand. Auf dem Podium waren Biathlet Benedikt Doll, Felicia Mutterer, Co-Gründerin und Geschäftsführerin des FC Viktoria Berlin, Stefan Westermann von Devon Sports aus Hamburg und Michaela Waskow von Skoda aus Prag.
Die Ideen gehen Dietmar Junginger nicht aus. Für die nächste Saison sei einiges in der Pipeline. Die aktuelle mit der Feuerwehr Freiburg als Partner wird eine besondere werden, davon ist er überzeugt. Der Sport Summit soll im nächsten April stattfinden und auf drei Tage erweitert werden. Zu weiteren Neuentwicklung wollte Junginger sich bei dem Termin im September noch nicht konkret äußern, sagte aber: „Es bewegt sich sehr viel.“ Man darf gespannt sein.
Wie Dietmar Junginger bei der Pressekonferenz am 14. Oktober zum Saisonauftakt 2026/27 bekannt gab, entsteht im Bad Krozingen der "Große Spiele Campus No. 1“ mit 23 Wohnungen für Sportlerinnen und Sportler. Der Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner sei für Herbst 2027 vorgesehen. Zudem sollen eigene Programmstränge für Frauen- und Parasport sowie zusätzliche Workshops neue Perspektiven eröffnen. Und es wird neue Kooperationen der Internationalen Studien- und Berufsakademie Freiburg (ISBA) sowie dem FIS-Skisprung-Weltcup Titisee-Neustadt geben.