Die Coronapandemie legte das Kerzengeschäft von Heliotron nahezu lahm. Geschäftsführer Oliver Schneeberger nutzte die Zäsur, um Strukturen neu zu ordnen und schuf mit Itelligy ein zweites Standbein. Gleichzeitig half eine Innovation im Kerzensegment, das Traditionsunternehmen zurück auf Kurs zu bringen.
Text: Christine Weis • Fotos: Santiago Fanego
Es ist der vorletzte Tag des Jahres. Die meisten Mitarbeitenden von Heliotron und Itelligy haben frei. Wer noch da ist, sitzt an diesem Nachmittag bei Kaffee oder Sekt in der Firmenzentrale in Freiburg-Tiengen zusammen. Die Räume laden dazu ein. Gleich hinter dem Foyer befindet sich ein gemütlicher Treffpunkt mit Theke, italienischer Siebträgermaschine, Pflanzen und Bildern, auf den Tischen stehen dekorative Leuchten. Diese Tischkerzen sorgen für Atmosphäre und erzählen zugleich, womit Heliotron sein Geld verdient. Sie sehen aus wie klassische Hartwachskerzen, sind es aber nicht. Im Inneren der Tischleuchten befindet sich flüssiges Wachs. Docht und Flamme erzeugen dennoch echtes, warmes Licht. Der Clou: keine Wachstropfen, weniger Ruß, mehr Sicherheit, kaum Geruch und eine Brenndauer von bis zu 100 Stunden. Die Kerzen gibt es in verschiedenen Größen und Designs, abgestimmt auf Einrichtung und Anlass.
„FlexiLight“ heißt die Nachfülltechnik mit Pfandbehältern, die Heliotron Ende der 1990er-Jahre entwickelt hat. Neben diesen und klassischen Kerzen gehören auch LED-Tischleuchten zum Sortiment. Das Unternehmen bedient drei Kundensegmente: Gastronomie und Hotellerie, Kirchen und kirchliche Institutionen sowie Bestattungsunternehmen. Nach eigenen Angaben zählt es bei Flüssigwachskerzen zu den Marktführern in der DACH-Region. „Dann kam Corona und alle drei Segmente waren gleichzeitig betroffen“, berichtet Geschäftsführer Oliver Schneeberger.
Gottesdienste fielen aus, Hotels und Gastronomie waren geschlossen, Beerdigungen durften nur im kleinsten Kreis stattfinden. Der Umsatzeinbruch lag bei rund 90 Prozent. Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe man noch mithilfe vorhandener Rücklagen abfedern können. Auch der Beginn des zweiten Lockdowns sei dank staatlicher Hilfen sowie der Unterstützung der Hausbank zunächst verkraftbar gewesen. Der anschließende, rund siebenmonatige „Lockdown light“ habe jedoch zu einer Situation geführt, in der sich das Unternehmen für ein Planinsolvenzverfahren entschied – mit dem Ziel, Heliotron zu sichern und strategisch auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten, berichtet Geschäftsführer Oliver Schneeberger. WEITERLESEN
