Hotel Schloss Reinach: Ein „Glücksfall“ für die Freiburger Hotellerie

Das Hotel „Schloss Reinach“ in Freiburg-Munzingen feiert unter der Regie der Familie Gessler sein Zehnjähriges.

Von Uli Homann

Hotelkultur vom Feinsten mit hoher Individualität: das bietet René Gessler (57) mit seinem „Schloss Reinach“ in Freiburg-Munzingen. Den schon vorher als Hotel genutzten ehemaligen Gutshof von Schloss Munzingen hat Gessler vor zehn Jahren aus einer Insolvenz heraus erworben. Er hat 8,4 Millionen Euro investiert, er zielt auf den Wellness-affinen Individualgast ebenso wie auf Geschäftsreisende und Tagungsgäste und ergänzt das durch spezielle Events wie Open-Air-Konzerte oder Märkte im attraktiven Innenhof des Gebäudeensembles aus historischer Bausubstanz und daran angepassten Neubauten. Sein Konzept ist aufgegangen: Die Belegungsquote liegt bei 75 Prozent und damit um 20 Prozent höher als dem Freiburger Hotel-Durchschnitt. Die Vielfalt ist bemerkenswert. Fünf unabhängig voneinander arbeitende Küchen, darunter Bankett-Küche, Frühstücksküche sowie die Küchen für die das italienische Restaurant „Limoncello“, „ s’Badische Wirtshus“ und das Ein-Sterne-Restaurant „s’Herrehus“. Der Bankettsaal für Hochzeiten und andere Anlässe kann flexibel in unterschiedliche Tagungsräume umgewandelt werden. Jede Restauration hat ihre eigene Außensitzfläche im attraktiven Innenhof.

„Schloss Reinach“ bietet Suiten mit eigener Sauna, einen modern gestalteten Wellness-Bereich und ein 25 Meter langes Stahlschwimmbecken in einem zweiten Innenhof. Dieser Wellness-Bereich ist auch für externe Besucher zugänglich. Insgesamt sind 98 Zimmer mit 200 Betten Kern des Hotelbetriebs – 50 Bestandszimmer werden in einem nächsten Schritt modernisiert. Zehn Jahre nach Beginn seines Engagements im Freiburg er Ortsteil Munzingen kann René Gessler für sich eine echte Erfolgsgeschichte abheften. Bemerkenswert: Ein unrentabler Vorgängerbetrieb wurde von ihm Zug um Zug so aufgewertet, dass schon in den ersten Jahren bis zu 30-prozentige Wachstumsraten sprießten.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg von unter zehn zu Beginn auf inzwischen 130. Mitarbeiter-Bindung erzielte Gessler unter anderem durch den Bau eines Personalhauses und die Anmietung acht weiterer Wohnungen für seine Beschäftigten in Freiburg-Munzingen. So gewann er trotz leergefegtem Arbeitsmarkt in Hotellerie und Gastronomie die Arbeitskräfte, die für den vielfältigen Betrieb unabdingbar sind. „Das wichtigste Gut“, sagt der Schlossherr, „sind die Mitarbeiter“. Zur Zukunftsgestaltung gehört auch die Einbindung seines Schwiegersohns Johannes Gessler (33), Ehemann der Tochter Sydney, als weiteres Mitglied der Geschäftsführung. Eine frühe Weichenstellung für die Fortführung des Familienunternehmens, und René Gessler spricht von einer „Idealbesetzung, um unseren Familienbetrieb mit all seinen anspruchsvollen Facetten in die Zukunft zu führen. Wir ticken gleich“.

Neben dem ehrgeizigen Aufbau von „Schloss Reinach“ haben die Gesslers auch noch eine geographische Etage höher investiert. In Altglashütten im Schwarzwald wandelten sie die Földi-Klinik in eine „Black Forest Lodge“ mit zehn hochwertigen Appartements in einem Gebäudeensemble aus Holz und Glas. Auch dazu gehört ein Saunabereich. Gebucht wird gut, auch aus dem Ausland. „Wir bieten hier den modernen Schwarzwald“, sagt Gessler. Unten am Tuniberg in „Schloss Reinach“ begrüßt er Gäste vorwiegend aus einem Umkreis von zwei- bis dreihundert Kilometern. Viele Schweizer kommen, tagen im „Schloss Reinach“ oder feiern dort Hochzeiten. Wie beurteilt der Erfolgs-Hotelier insgesamt die Entwicklung der Branche in Freiburg? „Zu schnell gewachsen in den letzten Jahren“, die künftig 2500 Betten mehr in so kurzer Zeit hält er für keine gesunde Entwicklung. Etwas abseits der Breisgau-Metropole macht Gessler sich aber wegen der Individualität und Vielschichtigkeit seines „Schloss Reinach“ keine Sorgen, davon negativ tangiert zu werden. Und Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz auch nicht. „Die Gesslers sind ein Glücksfall für Munzingen“, kommentiert er das Jubiläum.