Wo der Schwarzwald eher ein in sich gekehrtes Gesicht Südbadens zeigt, prägt der Rhein ein kosmopolitisches Gefühl. Über ein Gewässer mit zahlreichen Facetten.
VON RUDI RASCHKE
Ewige Faszination Rhein: Dieser Tage kam aus dem Nachlass Thomas Wolfes, des früh verstorbenen US-Schriftstellers (1900 bis 1938, „Schau heimwärts, Engel“) das Buch „Deutschlandreise“ heraus. Es dokumentiert seine sechs Reisen hierher und seine Begeisterung für Deutschland, die mit Beginn der Nazi-Herrschaft endete. Darin auch Episoden, wie Wolfe 1926 mit dem Zug den Rhein von Straßburg nach Kehl überquert, beinahe „verrückt vor Aufregung und Frohlocken“, wie er schreibt.
Wolfe rennt von der einen Abteilseite zur anderen, um möglichst viel nach Süden wie nach Norden mitzukriegen und freut sich, wie die weitläufige, grenzenlose Landschaft am Fluss später in eine Schwarzwälder „Spielzeuglandschaft“ übergeht. Diese Ambivalenz der unterschiedlichen Topografien am Rhein macht heute noch einen Großteil seines Reizes aus.
Drei Länder in einer kostbaren Nachbarschaft
Wenn wir vom Rhein sprechen, dann denken wir an Basel, die spannende Mischung aus Banken und Industrie einerseits mit einer wunderbaren Altstadt und Bildungstradition andererseits. Wo teilweise hart und freudlos gearbeitet, aber auch das Leben am Fluss in allen Facetten genossen wird.
Am Rhein in Südbaden begegnen sich drei Länder in einer kostbaren Nachbarschaft, gerade mit der schrittweisen Öffnung der Grenzen wissen wir das wieder zu schätzen: Das kulturelle Angebot in der Schweiz so sehr wie ein schlichter Essenseinkauf oder Restaurantbesuch in Frankreich. Der Flussverlauf selbst zeigt am Oberrhein zweierlei Anmutung: Jene geradlinige Geschäftigkeit des funktionalen, begradigten Rheins und seines Seitenkanals wie die kostbare Natur am Altrhein.

Es ist schön, welche unterschiedlichen Bilder aufeinander treffen, wenn wir am Rhein unterwegs sind. Und dass sich die Sphären glücklicherweise auch einmal nicht mischen: Hinter dem lautstarken Europa-Park und seinen endlosen Achterbahn- Kurven steht man quasi „backstage“ im 17 mal so großen Naturschutzgebiet Taubergießen. Wie es ausschaut, existieren beide Freizeitangebote recht unbehelligt nebeneinander, der „Silver Star“ wie der ungleich gemütlichere Stocherkahn.
Grenzfluss, Wirtschaftsader, Lebensgefühl – welche Rolle der Millionen Jahre alte Fluss in unserer heutigen Zeit und im Wandel der Technologie spielt, davon handelt die August-Ausgabe unseres Printmagazins. Sie spiegelt in vielerlei Weise die unterschiedlichen Gemütszuständeüund Grenzenlosigkeiten am Rhein wieder.
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