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Mittagstisch: Das Rädle in Freiburg-Oberlinden

  • 7. November 2019
Unkomplizierter Self-Service, nicht zu üppige Teller (Foto Ann-Kristin Maier)
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In Freiburgs Oberer Altstadt gibt es neben einem gut gemeinten Delikatessen-Sortiment einen ordentlichen Lunch: Rädle – Feine Kost.

VON RUDI RASCHKE

Vielleicht war es am Ende auch die Tatsache, dass nur noch ein „Rädle“ gefehlt hat im wieder ganz flotten Nachbarschafts-Getriebe von Freiburgs Oberlinden-Quartier. Eher unwahrscheinlich zwar, denn der Name leitet sich vom „Haus zum schwarzen Rad“ von 1460 ab, eines der ältesten der Stadt, und ist natürlich als badische Verniedlichung auch Ausdruck für alles Essbare in Scheibenform, allen voran das Rädle Lyoner.

Aber tatsächlich ist der Laden mit dem Untertitel „Feine Kost“ wirklich ein schöner Lückenschluss für diese Ecke. Wo es seit der Fokussierung aufs westliche Innenstadtende seit 1995 herum hier im Osten ein bisschen zu sehr Kleinstkunst-lastig zu werden und veröden drohte, sind schon seit einigen Jahren wieder gute Geschäfte am laufen: Der Anti-Baumarkt „Luitpold Bauer“, „Tabak Holderied“ mit ausgesuchten Spirituosen, aber auch ein wieder angesiedelter Fischladen und die bundesweit beachtete Bar „One Trick Pony“.

Mit dem „Rädle“ gibt es nun einen Laden, der einen Mittagstisch bietet, wie er auch hier im rustikalen Altstadt-Kiez gar nicht so selbstverständlich ist: Das schließt neben schönem Gulasch beispielsweise einen mit Breznteig gefüllten Schweinebauch ein – da werden auch mal Großmuttererinnerungen wach, wenn sich die Rahmsoße vom Kohlrabi mit dem schönen braunen Fleischjus mischt auf dem Teller.

Offene Küche von Carlo Riesterer

Das Ganze gibt es schmackhaft, erschwinglich und ohne Stein-im-Bauch-Portionen für einen flotten Mittagssnack im Stehen. Fein  zubereitet in einer offenen Küche von Carlo Riesterer, der nicht nur bei Zehners Stube in Pfaffenweiler tätig war, sondern auch der Schwiegersohn des Meisters ist.

Wunder sind in Riesterers kleinem Herdplatten-Reich am Ende des schlauchartigen Geschäfts keine zu vollbringen, teilweise bereitet er Fleischprodukte auf, die als feine Metzgerware auch vorne zum Kauf in der Theke bereit liegen. Die Erzeuger sind die Häuser Kaltenbach (Schallstadt), Sumser (Freiburg-Zähringen) und Feisst (Teningen). Die Beilagen macht Riesterer selbst vor Ort.

Rund fünf Gerichte stehen täglich auf der Kreidetafel, dazu gibt es anständige Salate. Die Bestellungen nimmt die Chefin des Hauses, Karola Isele, am Tresen entgegen, vielen noch bekannt als kenntnisreiche Gastgeberin der alten „Eichhalde“. Manches wird sich noch regeln in der Funktionalität, was sie jetzt anfangs geduldig erklärt.

Regeln dürfte sich auch, welche der Speichen des „Rädles“ sich am stabilsten erweisen. Denn zur feinen Kost gehört neben dem warmen Mittagstisch und feinen Backwaren der Wiehremer Bäcker Lay und Bühler um Espresso auch der Einzelhandel: Mit Erzeugnissen der qualifizierteren regionalen Weingüter, aber eben auch lokalen und internationalen Spezereien sowie Lebensmittelstandards.

Hier wird sich zeigen, was sich durchsetzt: Einheimische Mitbringsel könnten Touristen ansprechen. Manche arg teure Nudel-Torheit (Maltagliatti, quasi Lasagne-Scherben) für 6,90 Euro das halbe Pfund und Vorarlberger Marillenmus des großartigen Winzers Bernhard Ott für 9,90 Euro das Gläsle könnten eventuell größere Start-Startschwierigkeiten bekommen als das gute Lunchangebot. Auch das Ei zu 75 Cent oder ein Kilo Äpfel für 3,90 Euro sind ein gutes Nahversorgungs-Angebot für die letzten echten Viertels- Bewohner, aber vermutlich keine Bestseller in 300 Meter Entfernung zum Münstermarkt.

Dass sechs Gesellschafter, darunter der Badische-Zeitung- Noch-Verleger Christian Hodeige, der „Degusto“-Chef Uwe Wehrle und ihr Leib-Fotograf Michael Wissing, das Experiment gewagt haben, ist gar nicht groß genug zu würdigen. Der Laden ist stilsicher gekachelt und möbliert und versucht erst gar nicht, auf gute, alte Zeit zu machen – die Schnittmenge zur Manufactum- Kundschaft existiert unübersehbar.

Die sechs Macher ersparen diesem Ort weitere Döner- oder Asia-Beinahe-Essen und setzen auf Qualität und (überwiegend) Regionalität. Auch dass sie nicht auf Verlegenheits-Crossover à la „badisch, spanisch & more“ setzen, ist sympathisch kompromisslos. Mit der alteingesessenen Freiburger Händler-Familie Beck („Stiegeler Schlafkomfort“) fanden sie aber auch einen Verpächter, der die vielbesungene Regionalität offenkundig mit Rat und Tat unterstützt.

Rädle – Feine Kost
Oberlinden 17
79098 Freiburg
+49 761 42993848

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10-18 Uhr
www.raedle-feine-kost.de

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